Mercedes-Benz
Reisen wie im Business-Jet

Die V-Klasse von Daimler soll endlich den T5 von VW in die Schranken weisen. Nach dem Test bleiben da noch einige Zweifel.

Peter Ruch
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Mercedes-Benz V-Klasse

Mercedes-Benz V-Klasse

HO

Der Viano von Mercedes gehörte zu jenen Fahrzeugen, bei denen sogar der Hersteller selber zugab, dass es da durchaus Verbesserungspotenzial gab. In diesem Jahr wurde der Viano dann endlich beerdigt – die V-Klasse darf jetzt der gute Stern auf allen Strassen sein für all jene, die entweder viele Personen oder jede Menge Sportgeräte zu transportieren haben. Alles ganz edel, selbstverständlich, für die Metzger und Schreiner hat Daimler ja dann noch den Sprinter oder den Vito im Angebot. Ausserdem soll die V-Klasse noch dem ewigen Bestseller in diesem Segment, dem T5 von Volkswagen, an den Karren fahren.

Es ist dem grossen Mercedes, der 5,14 Meter lang, unbedingt zu attestieren, dass die Fortschritte tatsächlich stattgefunden haben. Es gibt jetzt ein Fahrwerk – und dieses ermöglicht erst noch ausgesprochen komfortables Reisen, da setzt sich der Benz an die Spitze in diesem Segment. Auch in Sachen Antrieb ist viel vorwärtsgegangen: der Testwagen, ein V250 BlueTec, verfügt über einen 2,1-Liter-Diesel, der es auf 193 PS und ein maximales Drehmoment von 440 Nm bringt. Damit ist man bestens motorisiert, kann sogar richtig flott unterwegs sein (Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 9,1 Sekunden) – und der Verbrauch bleibt doch noch in einem vernünftigen Rahmen. Die Norm meint: 6 Liter, der Alltag beweist: 7,7 Liter.

Die Sitze sind allerorten Weltklasse. Wer sie hingegen verschieben oder gar ausbauen will, der sollte zuerst einen Ingenieurs- sowie einen Fitnesskurs besuchen. Aber das ist auch beim T5 nicht besser, wir wundern uns bloss ein wenig, dass Daimler nicht intensiver nach besseren Lösungen suchte, es beim Status quo beliess. Denn andere Dinge, etwa die Rundum-Kamera, die das Fahrzeug auf dem Bildschirm in seine Umgebung setzen kann, sind eines Daimler wirklich würdig. So ist das natürlich auch mit dem Preis, die günstigste V-Klasse kostet mindestens 54'000 Franken; geben oben bestehen kaum Grenzen.
Witzig: der Pfeil in der Tankanzeige weist in die falsche Richtung, der Tankstutzen ist nicht wie angegeben rechts, sondern links. Gar nicht witzig: Die V-Klasse verfügt über keinerlei sinnvolle Ablagemöglichkeiten (siehe auch Bild links unten). Natürlich gibt es Cupholder und sonstige Fächer und Löcher, doch diese befinden sich weit, unserer Ansicht nach zu weit weg vom Fahrer. Man muss sich bücken, also: Den Blick weg von der Strasse richten, um seine Milchflasche aus der Mittelkonsole zu holen. Und fürs Handy gibt es auch kein Plätzchen, nirgends.

Ja, Mercedes hat mit der neuen V-Klasse den Abstand zum T5 schliessen können, ihn in mancher Beziehung auch deutlich übertroffen. Bloss: Noch in diesem Herbst wird Volkswagen mit dem neuen T6 nachlegen.