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Kampf der Gegensätze an amerikanischer Automesse: Stromer gegen Benziner

Der Audi e-tron will mit flacher gestalteter Heckpartie das sportliche Coupé anlehnen. Bild: zvg

Der Audi e-tron will mit flacher gestalteter Heckpartie das sportliche Coupé anlehnen. Bild: zvg

Die Los Angeles ist Schauplatz der letzten grossen Autoshow des Jahres. Sie wird 2019 zu einer Messe der Gegensätze.

In Los Angeles treffen Welten aufeinander: Hier werden Weltraum-Raketen gebaut, im Silicon Valley tüfteln Start-up-Unternehmen an den Technologien der Zukunft, und in Hollywood entstehen Filmträume der Gegenwart. Aufbruchsstimmung, Luxus, Glanz und Glamour. Hier muss auch eine Automesse etwas anders sein als andernorts. Auch hier stehen in zwei Hallen Neuheiten von zahlreichen Herstellern. Allerdings hat man an der Los Angeles Autoshow (noch bis 2. Dezember) keine Mühe mit Gegensätzen – so skurril diese auch sein mögen.

Audi präsentiert den Gegensatz in aller Deutlichkeit und stellt auf dem Messestand den neuen Top-SUV RS Q8 mit 600 PS starkem Biturbo-­V8-Motor direkt neben die zweite Neuheit, die an der Messe präsentiert wird: Den e-tron Sportback. Mit flacher gestalteter Heckpartie will der rein elektrische SUV an ein sportliches Coupé erinnern.

Das kostet freilich Laderaum, 615 bis 1655 Liter statt 660 bis 1725 Liter, bringt dafür aber etwas mehr Reichweite. Dank weniger Luftwiderstand fährt der 13 Millimeter flachere Sportback laut WLTP-Messung bis zu 446 Kilometer weit, 35 Kilometer mehr als der reguläre e-tron. Zudem führt Audi mit dem Sportback für alle e-tron-Versionen einige dringend notwendige, technische Detailverbesserungen ein, um den Stromer in Sachen Reichweite und Routenplanung zu optimieren. Der Sportback soll im Frühjahr 2020 auf den Markt kommen, die Preise stehen noch nicht fest.

Der VW-Konzern ist in Los Angeles nebst Audi auch mit VW und Porsche vertreten. Beide Marken wollen vor allem ihr Engagement in Sachen E-Mobilität in den Vordergrund stellen. Bei VW geschieht das einmal mehr in Form einer Studie. Der ID Space Vizzion soll zeigen, wie künftig ein Mittelklassekombi aus Wolfsburg aussehen könnte.

Die futuristische Vision von VW: der ID Space Vizzion. Bild: zvg

Die futuristische Vision von VW: der ID Space Vizzion. Bild: zvg

Der Stromer soll als Heckantrieb mit 279 PS und als Allrad mit 340 PS Systemleistung kommen und bestenfalls in 5,4 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit will VW auf 175 km limitieren. Entscheidender: VW prognostiziert 590 Kilometer Reichweite gemäss WLTP-Messung und 30 Minuten Ladezeit 0–80 Prozent. Wann die Serienversion auf die Strasse kommt, steht noch nicht fest, vor Ende 2021 dürfte das aber kaum der Fall sein.

Tesla in Los Angeles der grosse Abwesende

Greifbarer ist die E-Mobilität bei Porsche. Nach den Topmodellen des ersten E-Autos der Marke, dem Taycan Turbo S und dem Taycan Turbo, zeigen die Stuttgarter in Los Angeles den Taycan 4S – die bislang vernünftigste Variante des Sport-Stromers. Der 4S startet ab Anfang 2020 und ist mit zwei Batterieversionen erhältlich, 79 oder 93 kWh.

Die grössere Version bietet bis zu 463 Kilometer Reichweite (WLTP), was ihn zum ausdauerndsten Taycan macht. Trotzdem bleiben die Fahrleistungen sportlich, auf 100 km/h sprintet der Porsche in 4 Sekunden. Interessant ist vor allem auch der Preis; der 4S startet bei 135700 Franken, die grössere Batterie kostet 7930 Franken. Zum Vergleich: Der Taycon Turbo kostet mindestens 194900 Franken.

Tesla ist an der Heim-Messe in Los Angeles 2019 nicht präsent. Es scheint, als nutze Ford diesen Umstand und zeigt in Los Angeles einen echten Konkurrenten für das kommende Model Y: Den neuen Mustang Mach-E. Der rein elektrische SUV borgt sich seinen Namen beim legendären Muscle Car und zeigt dies auch mit deutlichen Design-Zitaten.

Mustang nimmt mit dem Mach-E den inneramerikanischen Kampf gegen Tesla auf. Bild: zvg

Mustang nimmt mit dem Mach-E den inneramerikanischen Kampf gegen Tesla auf. Bild: zvg

Technisch will sich der Mach-E nicht auf die Vergangenheit beziehen, sondern die Zukunft für Ford einläuten. Ab November 2020 kommt der Amerikaner auch in die Schweiz; wahlweise mit Heck- oder Allradantrieb und 75 oder 98 kWh Akkukapazität. So soll er bis zu 600 Kilometer Reichweite bieten. Die Preise starten schon bei 49560 Franken; später soll zudem ein Topmodell «GT» folgen.

Ansonsten dominieren auf den Ständen der amerikanischen Hersteller vor allem grosse SUV und Pick-up-Trucks von Chevrolet, Cadillac oder GMC dominieren nicht nur die Messehallen, sondern auch das Strassenbild. In diesen Tenor stimmt in Los Angeles auch Mercedes ein.

V8-Topmodelle mit Stern

Den grossen SUV GLS hat die Marke mit Stern, obwohl er auch bei uns angeboten wird, vor allem für den US-Markt entwickelt. Nun zeigt Mercedes in Los Angeles das Topmodell des in den USA gebauten Luxus-SUV: Den AMG GLS63. Der Siebensitzer wirkt in der AMG-Version erst recht kolossal, was durch die gigantischen 23-Zoll-­Felgen nochmals unterstrichen wird.

Mercedes hat GLS vor allem für den US-Markt entwickelt. Erhältlich ist er aber auch bei uns. Bild: zvg

Mercedes hat GLS vor allem für den US-Markt entwickelt. Erhältlich ist er aber auch bei uns. Bild: zvg

Den amerikanischen Geschmack trifft das auf jeden Fall. Das dürfte auch für den Antrieb gelten: Der 4-Liter-V8 kommt auf 612 PS und 850 Nm Drehmoment. Bei Bedarf kann er dank 48-­Volt-Bordnetz auf einen 22 PS starken Startergenerator für zusätzlichen Schub – oder geringeren Verbrauch zurückgreifen.

Derselbe Antrieb kommt auch im AMG GLE 63S, den Mercedes ebenfalls in LA zeigt, zum Einsatz. Hier soll er mit 11,5 l/100 km auskommen. Preise und Marktstart sind noch nicht bekannt.

Etwas mehr Vernunft hat BMW an die Messe in Kalifornien gebracht: Das 2er GranCoupé kommt als sportlich- elegante Alternative auf Basis der neuen 1er-Reihe. Der Konkurrent zu Mercedes CLA und Audi A3 Limousine kommt 2020 auf den Markt, entweder mit Front- oder Allradantrieb und mit bis zu 306 PS.

Ab März soll der Viertürer erhältlich sein – und mindestens 40900 Franken kosten. Auf dem selben Stand stehen auch der grosse Bruder M8 GranCoupé mit bis zu 625 PS und zwei Minis: Einmal als John Cooper Works GP mit 306 PS und ausladendem Spoiler, und einmal als Mini Cooper S E mit reinem E-Antrieb und bis zu 270 Kilometern Reichweite. Auch hier treffen Welten aufeinander.

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