Nicht nur in Europa sind kompakte SUV der Renner. Seit vielen Jahren ist dieses Segment beständig am wachsen und hat viele Hersteller dazu gebracht, ihr Portfolio dahingehend zu erweitern. Die rumänische Renault-Tochter Dacia hatte früh einen guten Riecher und brachte den Duster im 2010 zu einem Zeitpunkt, als sich der Boom gerade so richtig abzuzeichnen begann. Mit ihm brachte Dacia nicht nur die beliebte SUV-Form in ein neues, unverschämt niedriges Preissegment, sondern eroberte zugleich AWD-Märkte wie die Schweiz. Wie Dacia-Schweiz-Direktor Olivier Wittmann betont, wird der Allradantrieb auch beim neuen Duster eine Schlüsselrolle spielen.

Zwei Dinge sind beim neuen Duster geblieben: das unverkennbare Design und der niedrige Preis. Letzterer beginnt ab 13'890 Franken und – die Worte von Olivier Wittmann sind noch nicht verklungen – dieser Basis-Duster ist selbstverständlich mit Allradantrieb bestückt. Auf die Frage, ob Dacia für die zweite Generation Duster von den neu entwickelten Plattformen der Renault-Nissan-Allianz profitiert hat, verneint François Mariotte, Sales- und Marketingdirektor von Dacia: "Der Kern unserer Marke ist bewährte Technik, denn nur damit können wir unsere Preise halten und gleichwohl zeitgemässe Autos bieten." Deshalb wurde die "alte" Plattform weiter entwickelt, unter anderem durch gezielte Strukturverstärkungen, die der Crashsicherheit dienlich sind.

Mehr Qualität

Von einem Facelift zu sprechen wäre jedoch der falsche Ansatz, um den neuen Duster zu charakterisieren. "Die Karosserie ist zu 100 Prozent neu", sagt Mariotte. Seitenteile, Heck, Front und Motorhaube – für die neue Generation hat Dacia im Rahmen der Möglichkeiten nichts ausgelassen, um den Wagen weiter zu bringen. Mit gutem Grund. Als Dacia erstmals unter Renault-Fittiche im Jahr 2004 den Neuauftritt wagte, hatte grosszügig-tolerantes Übergehen von Unzulänglichkeiten bei den Kritikern Stil. Ein so günstiger Preis musste ja Auswirkungen auf Qualität, Haptik und Ausstattung haben. Heute jedoch gilt solch überheblich wirkende Nonchalance nicht mehr.

Wie die Karosserie ist der Innenraum komplett neu gestaltet. Das zeigt sich rein schon dadurch, dass beim Einsteigen und Türen schliessen nichts scheppert, nichts klappert, und keine billige Aufdringlichkeit stört. "Wir haben das Interieur komplett neu gestaltet und dabei grossen Wert auf hohe Qualität gelegt", sagt François Mariotte. Davon zeugen die modern wirkenden Schalter und Tasten in der Mittelkonsole, die zwischen Klimaanlage und Multimedia-Bildschirm angeordnet sind. Aber auch das Hauptinstrument wirkt modern und braucht keinen Vergleich mit preiswerten asiatischen Herstellern oder US-Anbietern zu scheuen. Die neuen Sitze wiederum sind straffer gepolstert, haben eine längere Sitzfläche und lassen sich in der Höhe weiter verstellen.

Vorgestellt wurde der neue Duster erstmals im September auf der IAA in Frankfurt. Im Vorfeld der Enthüllung wurde auch viel über eine 7-plätzige Version gemunkelt. "Pures Hirngespinst", wie die Dacia-Verantwortlichen erklären. François Mariotte: "Wir haben nicht wirklich Bedarf an einem weiteren 7-Plätzer (Red.: Lodgy auch als 7-Plätzer erhältlich). Ein 7-Sitzer beim Duster hätte einen massiven Eingriff in die Plattform bedeutet, was sich schlicht nicht rechnen würde." Und daher sei auch künftig ein Duster mit 7 Sitzen kein Thema.

Viel wichtiger ist die Einführung von moderner Technologie, wie sie in der Mittelklasse heute Gang und Gäbe ist. So kann der Duster erstmals auch mit Klimaautomatik geordert werden, mit schlüssellosem Zugang und Motorstart, sowie mit einem Rundum-Kamera-System. Ohrenfällig ist die verbesserte Akustik, mit welcher der Wagen selbst bei Autobahntempo mit angenehmer Zurückhaltung gefällt. Eine weitere Augenfälligkeit ist der hoch positionierte Touchscreen für das Multimediasystem.

Motor-Varianten

Gebaut wird der Duster mit zwei Diesel- und zwei Benzinmotoren, doch in der Schweiz wird der Diesel nur als 110-PS-Variante angeboten. Überhaupt ist der Selbstzünder für die Schweiz eine unangenehme Wahl, denn es gibt ihn entweder mit AWD und Handschaltung, oder mit Doppelkupplungsgetriebe und Vorderradantrieb. Wer also den sparsamen Diesel fahren will, muss beim Duster wählen, ob lieber mit Automatik oder mit AWD. Und die Wahl fällt eher zu Gunsten des Automatikgetriebes aus, denn auch im preissensitiven Bereich wollen viele nicht mehr selber Schalten. Olivier Wittmann: "Entsprechend ist die Automatik in der Schweiz sehr gut angenommen." Beim 1,2-l-Turbobenziner, wo keine Automatik mitmischt, fällt in der Schweiz die Wahl beinahe vollständig zu Gunsten des Allradantriebes aus.

Auf jeden Fall hat Dacia beim neuen Duster das Niveau diskret angehoben, beispielsweise auch mit Fenster-Airbags, optionaler Toter-Winkel-Warnung und massgeblich verbesserter Qualitätsanmutung. Gleichwohl bleibt der Duster ein ungemein preiswerter SUV, der optisch deutlich modernisiert daher kommt, sich aber zu recht als legitimer Nachfolger des ersten Duster sieht.