Er ist zwar nicht der erste Stromer mit Stern, aber mit Sicherheit der mit den grössten Ambitionen: Mit dem neuen EQC, der im kommenden Jahr auf die Strasse rollen soll, fällt bei Mercedes der Startschuss für eine grosse E-Mobilitäts-Offensive unter dem Namen «EQ». Rund zehn Milliarden Euro will Mercedes dafür investieren; eine weitere Milliarde fliesst in die dafür notwendige Batterie-Produktion.
Man meint es also durchaus ernst mit der E-Mobilität bei Mercedes. Das zeigt sich auch daran, wie lange der EQC nun angekündigt wurde; scheibchenweise wurden neue Informationen und Details preisgegeben, um die Spannung auf das neue E-Modell aufzubauen. Nun wurde der EQC offiziell enthüllt. Die Optik wirkt vielleicht weniger dramatisch als erwartet, dafür aber durchaus harmonisch und wenig effekthascherisch. Schliesslich soll der EQC kein seltener «Showcar», sondern ein ernsthaftes Serienauto sein.
Dank zweier Elektromotoren soll der Allradler in 5,1 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 180 km/h limitiert. Der EQC dürfte sich also durchaus dynamisch anfühlen – trotz 2,4 Tonnen Leergewicht. Mit einer Länge von 4,76 Metern liegt er zwischen Mercedes GLC und GLE, bietet aber dank dem kompakten E-Antrieb und der im Boden verbauten Batterie viel Platz im Innenraum. Der Kofferraum fasst rund 500 Liter.
Die derzeit noch entscheidenden Fragen bei einem E-Auto betreffen aber natürlich Batteriekapazität, Reichweite und Lademöglichkeiten. Hier will sich Mercedes offenbar noch nicht allzu sehr in die Karten blicken lassen. Sämtliche Angaben beruhen noch auf der alten NEFZ-Norm, die per Anfang September durch die WLTP-Messung abgelöst wurde. Laut der NEFZ-Messung soll der EQC 22,2 kWh Strom auf 100 km verbrauchen. Bei der genannten Batteriekapazität von 80 kWh ergäbe das eine Reichweite von gut 360 Kilometern. Laut der vorläufigen Angabe von Mercedes soll der EQC aber über 450 Kilometer (laut NEFZ) mit einer Batterieladung schaffen. An diesen vorläufigen Werten muss sich also bis zur Serienreife noch einiges ändern, damit sie glaubwürdig werden. Wir tippen auf eine reale Reichweite von knapp 400 Kilometern. Durchaus alltagstauglich.


Zum Alltag mit einem E-Auto gehört freilich auch das Laden. Über das integrierte Ladegerät, das für das Laden über Wechselstrom zu Hause und an öffentlichen Ladepunkten zum Einsatz kommt, kann der EQC mit maximal 7,4 kW Ladeleistung laden. Pro Stunde werden also gut 30 Kilometer Reichweite hinzugewonnen – auch wenn die Ladesäule mehr Leistung hergeben würde. Über Nacht wird der Akku zwar problemlos voll, kurze Ladepausen können aber nicht sehr effektiv genutzt werden. Es sei denn, man findet eine der noch seltenen Schnellladestationen, an denen der EQC über Gleichstrom mit bis zu 110 kW laden kann. So ist der Akku binnen 40 Minuten wieder zu 80% geladen. Diesbezüglich kann der EQC in einer Liga mit dem offensichtlichsten Konkurrenten mithalten; Teslas Model X lädt mit maximal 120 kW am sogenannten Supercharger – von denen es derzeit in Europa ein Netz mit über 400 Standorten gibt.
Hier hat Mercedes als Teil des Ionity-Ladeverbunds zusammen mit VW, Porsche, Audi, BMW und Ford noch einiges aufzuholen. Das Netzwerk umfasst gerademal ein halbes Dutzend Stationen in Europa, soll aber bis 2020 auf ebenfalls rund 400 Stationen ausgebaut werden. Das ist entscheidend, um den EQC für Kunden attraktiv zu machen.