Mit dem 88. Autosalon in den Genfer Palexpo-Hallen kommt das Autojahr 2018 in Schwung. 41 Weltpremieren stehen auf der Messe. Hinzu kommen zahlreiche Europa- oder Schweiz-Premieren.
Traditionell ist Genf eine Sportwagenmesse: Dank BMW M8 Gran Coupé, Mercedes-AMG GT4 und Ferrari 488 Pista haben Fans PS-starker Verbrennungsmotoren auch dieses Jahr Grund zur Freude.
Doch eine internationale Automobilmesse, und vor allem die ausstellenden Hersteller, müssen auch die Zukunft im Blick haben: Diverse Konzeptautos mit E-Antrieb zeigen, wo die Zukunft hinführt.

Was mit elektrischem Antrieb heute schon möglich ist, zeigen in Genf gleich zwei Marken mit Neuheiten, die dieses Jahr auf leisen Sohlen zu den Händlern rollen: Jaguar mit dem iPace und Hyundai mit dem Kona Electric.
Beide bereichern das noch kleine Angebot an wirklich alltagstauglichen E-Autos. Sie kommen als SUV, was die Verkaufschancen zusätzlich erhöht. Jaguar spricht bereits von 25 000 Vorbestellungen für den iPace. Die Preise beginnen bei 82 800 Franken. Dafür gibt es einen geräumigen Fünfplätzer mit modern gestaltetem Interieur, viel digitaler Intelligenz und vor allem: Eine grosse Batterie im Fahrzeugboden. Sie speichert 90 Kilowattstunden, was für eine Reichweite von 480 Kilometern im WLTP-Messzyklus sorgt. Zwei Motoren bringen rund 400 PS an alle vier Räder. Dank einer Kooperation mit der App „Plugsurfing“, die Zugang zu tausenden Ladestationen in Europa verschafft, soll die elektrische Raubkatze überall mit Strom versorgt werden. Wie viele der Ladestationen allerdings die von Jaguar genannte 100 Kw-Schnellladetechnik unterstützen, mit der die Batterie innert 45 Minuten wieder zu 80% geladen wird, ist unbekannt.

Eine Nummer kleiner wird der Hyundai Kona Electric, der im Sommer auf den Markt kommt. Hier stehen zwei Batterievarianten zur Auswahl: 39,2 oder 64 kWh. Damit sind 300 respektive gar 470 Kilometer laut WLTP-Messung möglich. Mit Frontantrieb und bis zu 204 PS wird auch der Kona flott unterwegs sein. Und er kann sich, wo eine Schnellladesäule vorhanden ist, binnen 54 Minuten wieder zu 80% Laden. Die Preise stehen noch nicht fest.

Von VW wird auf grossen internationalen Messen mittlerweile schon fast traditionell eine Konzeptstudie mit E-Antrieb gezeigt. Schliesslich hat man nach dem Auffliegen der „Diesel-Affäre“ hoch und heilig versprochen, nun den Schalter umzulegen und die E-Mobilität voranzutreiben. Nach den Studien I.D. (Paris 2016), I.D. BUZZ (Detroit 2017) und I.D CROZZ (Shanghai 2017, überarbeitet nochmals Frankfurt 2017), kommt nun die vierte Studie innerhalb von anderthalb Jahren: der I.D. Vizzion. Auch er ist Teil des Plans von VW, der bis 2025 20 elektrische Modelle verspricht. Auf die Strasse kam davon bisher: Nichts. Losgehen soll es frühestens 2019. Natürlich wartet die neueste Studie mit umso beeindruckenderen Eckdaten auf: Sie soll dereinst komplett autonom fahren. Lenkrad und Pedale sind im Design nicht mehr vorgesehen. Ob Gesetz und Technik dies in fünf bis sieben Jahren, wenn die Serienversion auftauchen dürfte, schon erlauben, bleibt abzuwarten. Weiter soll eine Batterie mit 111 kWh Kapazität für eine Reichweite von bis zu 665 Kilometern sorgen. Dank 306 PS soll die 5,11 Meter lange Limousine ausserdem bis zu 180 km/h schnell werden. Das klingt ansprechend. Doch wird es das auch noch sein, wenn die Limousine auf den Markt kommt?

Die beiden Neuankömmlinge aus England und Südkorea zeigen, dass es heute schon möglich ist, ein attraktives Auto mit E-Antrieb zu bauen.  Ob es Zufall ist, dass sie beide nicht von deutschen Herstellern stammen? Klar, noch sind die Marktanteile bei E-Autos klein. Wird die Zukunft aber elektrisch, müssen auch die etablierten Marken aus Deutschland endlich handeln, wollen sie den Anschluss nicht verlieren. Darüber können weder faszinierende Studien, noch die betörenden Sportwagen in Genf hinwegtäuschen.