Cupra, das waren früher die ganz, ganz bösen Modelle. Seat durfte in diesen Fahrzeugen das umsetzen, was sich VW bei den eigenen Sportwägelchen nicht traute. Oder den Kunden nicht zumuten mochte. Das ergab eine sehr eingeschworene Fangemeinde. Doch von der kann man nicht Leben. Und Seat kränkelt seit Jahren, kommt einfach nicht richtig auf die Beine. Da kann Wolfsburg ein ganzes Bataillon Ingenieure nach Barcelona schicken.

Doch wenden wir uns den 180 PS aus dem 1,4 L kleinen Reihenvierzylinder zu. Zusammen mit dem Drehmoment von 250 Nm schiebt er den kleinen Spanier richtig mit Nachdruck an. 6,9 Sekunden verspricht Seat für den Standardsprint, ein wirklich guter Wert. Und, dank dem siebenstufigen DSG (Handschaltung wird nicht angeboten) braucht sich der Fahrer um die Gangwahl eigentlich nicht zu kümmern. Das  alles für knapp 26'000 Franken, das klingt doch wirklich gut, oder? Hätten wir das Auto vor zwei Jahren in dieser Form getestet wären wir wohl zum Schluss gekommen: ja, ein richtig gutes Angebot. Doch, die Konkurrenz schläft ja nicht. Deshalb vergleichen wir den Seat nun mit dem brandneuen Ford Fiesta ST, den wir vor kurzem ebenfalls recht ausführlich bewegen durften. Und da verliert der Ibiza Cupra hauchdünn beim Preis. Der Ford (gibts nur mit Handschaltung) ist nach der massiven Preissenkung bei Seat nur noch gut einen Tausender (vorher waren es fast 5000 Franken) billiger. In Sachen Ausstattung hat der Spanier die Nase ganz leicht vorne, bei den Fahrleistungen sind die beiden gleichauf. Also immer noch ein kleiner Vorsprung für den Kölner. Noch, denn jetzt dreht der Seat auf. Der Fahrkomfort ist deutlich besser als beim Fiesta ST, ohne dass er dabei weich oder schwammig wirkt. Der kleine Torero geht also deutlicher  in Führung, doch das will sich der Ford nicht bieten lassen.

Er zieht im Vergleich mit dem Seat den grössten Trumpf aus dem Ärmel: der Fiesta ST verfügt über die deutlich bessere Lenkung. Wer am Seat-Rad dreht, der weiss eigentlich nie so genau, was das Auto vom Lenkimpuls umsetzt. Der Unterscheid zwischen Seat und Ford (und auch zum ebenfalls scharfen Renault Clio R.S.) ist so frappant, dass er den Augleich nach Punkten schafft. Keine Aussge machen können wir über den Verbrauch. Jedenfalls beim Ford nicht. Der Seat verbrauchte während des Tests 7,1 Liter pro 100 Kilometer. Wir gehen davon aus, dass der Ford auch nicht sparsamer ist. Also ein weiteres Unentschieden. Was bringt nun die Entscheidung? Schönheit? Serviceleistungen? Emotionen? Ganz klar, die Emotionen sind das Killerkriterium. Denn wer sich so einen «Hot Hatch» anschafft, der will vor allem eines: viel Fahrspass. Das bieten beide, auch der Seat. Zwar klingt der aufgeladene Vierzylinder aus dem VW-Regal auch sehr sportlich, gegen das zum Teil ebefalls künstlich generierte Brüllen des Ford hat der Spanier aber keinen Stich. Und, wenn man richtig zur Sache geht ist der Fiesta ST einfach schärfer. Er macht mehr Laune, ist aggressiv, kein Blender. Ist die Strasse schlecht, spüren es die Passagiere. Sind sie gut, gehts um so flotter voran. Das ist im Seat anders. Er ist wie gesagt nicht ganz so hart gefedert, aber halt auch nicht so messerscharf durch die Kurven zu balancieren. Er ist einfach: massentauglich. Der Seat ist deutsche Ingenieurskunst in spanischem Blechkleid. Ob das allerdings das Mittel ist, die traditionsreiche Marke auf die Siegerstrasse zu führen? Der Ibiza Cupra jedenfalls ist ein Auto, welches viele Qualitäten in sich vereint. Nur das gewisse Etwas, welches frühere Cupra-Modelle ausgezeichnet hat, fehlt irgendwie.