Bei Seat sind die Jahre des Leidens offenbar vorbei. Zum ersten Mal seit 2007 schreibt die spanische Tochter der deutschen Mutter für das Jahr 2016 sowohl beim Betriebsgewinn als auch beim Gewinn nach Steuern schwarze Zahlen. Auch auf dem Schweizer Markt war 2016 ein erfolgreiches Jahr, wurden doch wieder mehr als 10000 Fahrzeuge abgesetzt. Der Marktanteil von 3,2 Prozent im vergangenen Jahr konnte in den ersten beiden Monaten dieses Jahres sogar auf 4,4 Prozent gesteigert werden. Hinter diesen Zahlen stecken gute modellstrategische und technische Gründe: Zum einen musste ein SUV her – was vor einem halben Jahr mit dem Ateca realisiert wurde und mit der Ankündigung zusätzlicher Modelle fortgesetzt werden soll, zum anderen braucht es Kombis und Allradantrieb – ein Feld, das mit der Leon-Baureihe nun weiter bewirtschaftet wird. Und wenn ein Modell mit besonders kräftiger Motorisierung angeboten wird, hat dieses in unserem Land stets beste Chancen, zum Verkaufshit zu werden: zum Beispiel der Leon Cupra ST 4-Drive.

Technisch hochstehend

Im Topmodell der Leon-Reihe, dem Cupra, – abgeleitet von «Cup Racing» – bietet Seat eine lange Reihe von technisch hochstehenden Komponenten aus dem vielfältigen Konzernregal. Mass genommen wird am «grossen Bruder» VW Golf. Am Anfang ist der Motor: Der 2-Liter-Turbobenziner leistet zwischen 5500 und 6200/min maximal 300 PS und gibt ein Höchstdrehmoment von 380 Nm ab, das zwischen 1800 und 5500/min verfügbar ist, also praktisch immer. Das sechsstufige Doppelkupplungsgetriebe kann mit Wippen am Lenkrad manuell gesteuert werden, erledigt seine Aufgabe aber auch im Automatikmodus perfekt. Im Allradantriebsstrang, der bei Seat 4-Drive heisst, sorgen eine elektrohydraulische Haldex-Lamellenkupplung sowie die elektronischen Differenzialsperren für eine exakt bedarfsgeregelte Verteilung der Antriebsmomente auf alle vier Räder. Zudem stehen vier Fahrmodi zur Verfügung. Sie variieren das Temperament von Motor und Getriebe und beeinflussen die Abstimmung der Fahrdynamikregelung ESP, der Progressivlenkung und der Dämpfer. Damit derart viel Motorleistung auch im Griff gehalten werden kann, kommen vorne und hinten belüftete Bremsscheiben zum Einsatz. Qualität garantiert hier Spezialist Brembo.

4×4 schafft Sicherheitsreserven

Während der 4×4-Anteil bei Neuimmatrikulationen in der Schweiz im vergangenen Jahr bereits bei 44, bisher im Jahr 2017 sogar bei 47 Prozent lag, entschieden sich auch schon 28 Prozent der Seat -Kunden für ein Auto mit vier Antriebsrädern – Tendenz steigend, in beiden Fällen. Vor allem Kunden hochpreisiger Fahrzeuge setzten bis heute mehrheitlich auf 4WD. Die Entwicklung dürfte sich nun in den unteren Segmenten ebenfalls verstärken.

Das ist auf alle Fälle begrüssenswert, denn 4×4-Antriebe sorgen für mehr Sicherheitsreserven, weil vier Räder doppelt so viel Kraft übertragen können als nur zwei und deshalb weniger früh an die Traktions- und Haftungsgrenzen gelangen.

Runden mit dem MeisterGelangt man im Normalverkehr mit vierradgetriebenen Autos eher selten an die Haftungsgrenzen, stellt es bei der Fahrt auf einem gefrorenen See ein besonderes Vergnügen dar, diese Grenzen gewollt zu überschreiten. Der Bereich jenseits des Haftens zeigt auf, wie gut ausbalanciert das Fahrzeug und wie fein geregelt die Kraftverteilung im Antriebsstrang ist. Und in den ersten Bögen wird dem Fahrer auch schnell klar, wie es um den Grip steht auf 70 Zentimeter dickem Eis.

Der bullige Turbomotor und der adaptive Allradantrieb des Cupra ST sowie natürlich auch die 120 Spikes pro Reifen ermöglichen nach einigen Proberunden schliesslich ein herausragendes Fahrvergnügen. Selbst wenn der Tanz auf dem Eis nicht derart perfekt gelingt, wie es die Rallye-Koryphäe Juha Kankkunen auf der Einführrunde vorgemacht hat: Kleine Lenkbewegung, dann Vollgas, die Lenkung gerade stellen und die Fuhre mit dem Gasfuss durch die Kurve dirigieren. Beruhigend ist auf dem See-Parcours, dass man beim Blick nach vorne durchs Seitenfenster keine Bäume sieht.