Renault
Er macht alles anders

Der erste Renault Twingo war in der Schweiz ein Bestseller. Die jüngste Variante soll diesen Erfolg auch wieder schaffen.

Claudia Nussbaumer
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Renault Twingo

Renault Twingo

HO

Erstaunlich, wie man den neuen Renault Twingo quasi auf einem Bierdeckel wenden kann. Die vorderen Räder knicken beinahe weg, ein Einlenkwinkel von 45 Grad ist beachtlich, es würde noch mehr gehen, doch weil man jetzt schon durchaus ein Problem haben kann mit dem Heck, das gar nah am Pfosten vorbeischleicht, hat sich Renault selbst beschränkt. Aber die nur 8,6 Meter, die der Franzose braucht, um zwischen zwei Wänden zu wenden, die sind wirklich beeindruckend – und ein grosses Plus im Stadtverkehr.

Möglich geworden ist dies, weil der Renault bei der dritten Generation des Twingo den Motor ins Heck verpflanzt hat. Zwar behauptet Renault, die Idee schon 2008 gehabt zu haben, als man in Paris erstmals über einen neuen Twingo nachdachte; die Vermutung, dass der Entscheid für einen Heckmotor endgültig erst dann fiel, als sich Renault mit Mercedes über die gemeinsame Entwicklung des Smart-Nachfolgers einigen konnte, ist wohl nicht von der Hand zu weisen. Und so baut Renault jetzt den Nachfolger des Smart Forfour sowie den neu nur noch fünftürig erhältlichen Twingo in einem Werk in Slowenien.

Der Heckmotor verschafft dem Twingo, der 3,6 Meter lang ist, auch einen erstaunlich grossen Innenraum; vorne sitzt man prächtig, es ist viel Platz und Licht. Auch die hinteren Passagiere können sich dank der 13 Zentimeter mehr Radstand nicht wirklich beklagen, da gibt es manch grösseres Fahrzeug, da hat es nicht mehr Knieraum. Ein Problem bringt die neue Anordnung des Motors allerdings schon mit sich: der Kofferraum ist zwar tiefer als bisher, aber es mangelt an Höhe. Die Kiste Mineralwasser vom Wochenend-Einkauf muss man wohl auf die Rücksitzbank stellen. Was aber dank vier Türen kein Problem darstellt – sofern man sich daran gewöhnen will. Das Volumen beträgt 219 Liter, hintere Sitze abgeklappt, sind es passable 980 Liter. Ausserdem lässt sich noch der Beifahrersitz abklappen, dann lassen sich auch Gegenstände mit mit zu 2,3 Meter Länge transportieren.

Ansonsten ist innen mehr so Lego-Technik angesagt. Das Interieur, das sich in unterschiedlichen Farben bestellen lässt, sieht modern aus; wohnlich ist sicher anders. Es gibt clevere Lösungen, das Handschuhfach lässt sich zu einer Handtasche umfunktionieren, selbstverständlich gibt es alle Infotainment- und Smartphone-Anbindungs-Möglichkeiten, die der Mensch von heute anscheinend so braucht. Das kostet dann natürlich Aufpreis, aber die einzelnen Ausstattungspakete sind gut geschnürt, genau wie die fast unendlichen Varianten zur optischen Individualisierung des Fahrzeugs. Und so ein bisschen Pep kann der Franzose, der in seiner Silhouette stark dem Fiat 500 gleicht, schon brauchen; mit Wehmut erinnert man sich an das freche Design des ersten Twingo.

Als Antrieb stehen vorerst zwei 0,9-Liter-Dreizylinder zur Verfügung, einer mit 70 PS, der andere mit Turbo und 90 PS. Die schwächere Maschine, die nur unwesentlich weniger verbraucht (Normverbrauch 4,2 Liter anstatt 4,3 Liter wie beim 90-Pferder) ist in der Schweiz wohl nur dann empfehlenswert, wenn man den Twingo als reines Stadtauto verwenden will. Mit der stärkeren Motorisierung kommt sogar so etwas wie Fahrspass auf. Das Fahrwerk darf man als angenehm komfortabel bezeichnen, aber lange Strecken will man mit dem Kleinwagen ja sowieso nicht fahren.

Mit einem Einstiegspreis von 13’400 Franken ist der kleine Franzose sicher kundenfreundlich kalkuliert; für die 90-PS-Variante sind dann aber schon mindestens 16’750 Franken zu entrichten. Die neuen Twingos stehen bereits bei den Schweizer Renault-Händlern.