Für die spanische Automarke, welche im VW-Konzern integriert ist, ist der Leon ein sehr wichtiges Auto. Er gehört zu den Topsellern der Marke. Für die Schweiz ist der Cupra mit 265 oder 280 PS nicht minder wichtig. Also, zumindest die Version mit 280 PS, die 15 PS schwächere Version wird man kaum auf helvetischen Strassen sehen. Entsprechend grosszügig war Seat dann auch, wenn es darum ging, das Auto zu bewegen. Wir waren an der Fahrvorstellung, auf der Rennstrecke und nun hat der offizielle Testwagen seinen zweiwöchigen Dienst hinter sich gebracht.

Nach diesem Test ist klar, dass wir uns bei der bisherigen Einschätzung dieses Autos nicht geirrt hatten. Der Seat ist die schärfste Sauce aus der MQB-Küche (bei Autos mit Vorderradantrieb). Das Fahrwerk nicht bockhart, aber sehr schön direkt, tadelloses Ansprechverhalten des Turbo-Benziners und mächtig viel Druck bei hohen Drehzahlen. Dazu das mechanische Sperrdifferenzial an der Vorderachse, welches das Rausbeschleunigen aus engen Kehren zum Kinderspiel macht. Ja, der Seat ist der Volkssportler unter all den Golf- und Audi-A3-Modellen. Er ist nicht so souverän wie seine Brüder, hat mehr Ecken und Kanten – das macht ihn aber auch sympathisch. Er fordert ein feines Händchen vom Volant, wenn man alle Fahrhilfen ausschaltet, denn das Heck wird beim Anbremsen schon sehr leicht. Nicht bös artig, sondern einfach genau so, wie es sein soll.

Der Sound ist trotz elektronischer Unterstützung nicht aufdringlich – aber schon sehr präsent. Präsenz markiert der Cupra auch optisch, die scharfen Kanten, die LED-Leuchtenmaske an der Front und die grossen Räder sehen schmuck aus. Trotz all dem sportlichen Gehabe lässt sich der Leon Cupra aber auch sehr zivil bewegen, die Federung ist nicht so hart, dass die tägliche Fahrt zur Arbeit zur Tortur wird. Und weil es den Seat auch als Fünftürer gibt, ist er auch für Familien absolut alltagstauglich.

Zumindest wenn es dem Besitzer im Schnitt acht Liter pro 100 Kilometer wert ist. Klar, im Innenraum ist der Seat einfach nicht so edel gemacht wie ein aktueller Golf der 7. Generation. Aber er ist auch weit entfernt von der öden Plastikwüste früherer Cupra-Modelle. Und noch mal ein Vergleich zu Audi und VW: Während bei Testwagen aus Ingolstadt die Aufpreisliste meist sehr, sehr lang ist, waren die Aufpreise für unseren Seat-Testwagen kommod. Das Basisfahrzeug kostet 43’450 Franken. Mit ein paar Extras stehen am Ende der Preisliste 47’630 Franken zu Buche. Und es fehlt an nichts – so muss das sein. Ein echter Volkssportler eben, auch wenn fast 50’000 Franken für ein Spassauto nicht wenig sind. Doch, wie erwähnt, lässt sich der Spanier auch für den gemütlichen Sonntagausflug einsetzen.