BMW 5er
Totgesagte leben länger

Plug-in-Hybrid und E-Antrieb sind in Mode – der Diesel gerät fast schon in Vergessenheit. Dagegen kämpft der 6-Zylinder im BMW 5er an.

Philipp Aeberli Jetzt kommentieren
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BMW 530d xDrive

BMW 530d xDrive

zVg

Die Zukunft ist elektrisch: E-Antriebe und Plug-in-Hybride machen inzwischen einen grossen Teil der neuen Modelle aus; kaum mehr ein Modell ist nicht zumindest in einer Version mit Akku zu haben.

Doch während die elektrifizierten Antriebe für eine Reduktion des CO2-Ausstosses zweifellos richtig und wichtig sind, machen Benziner und Diesel immer noch den grössten Anteil bei den Neuwagenzulassungen. Im Januar 2021 kam der Benziner auf einen Marktanteil von 46%, der Diesel auf 18,5%. Noch vor fünf Jahren lag der Benziner-Anteil bei 53,4%, der Diesel bei 42,2%. Vor allem beim Selbstzünder ist der Rückgang also geradezu dramatisch. Der VW-Dieselskandal und die zunehmenden Diskussionen über Fahrverbote in Grossstädten machen den Diesel zunehmend unbeliebt. Trotzdem schreitet die Entwicklung auch hier voran. Mit der Modellpflege der 5er-Reihe bringt BMW die neueste Generation des traditionellen Reihensechszylinders auf die Strasse.

BMW 530d xDrive

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Der verfügt nun auch als Diesel erstmals über eine Mild-Hybrid-Unterstützung durch ein 48-Volt-Bordnetz sowie über eine doppelte Turboaufladung. Das sorgt für imposante Leistungsdaten: 286 PS und 650 Nm Drehmoment, bereits ab 1500 Umdrehungen. Für Aufsehen sorgt aber ein anderer Wert auf dem Datenblatt des getesteten 530d: Lediglich 5,4 bis 6,0 l/100 km Diesel (je nach Ausstattung und Bereifung) soll die stattliche Limousine mit Allradantrieb verbrauchen – gemessen im realitätsnahen WLTP-Zyklus.

Der werksseitigen Prognose kommt der 530d xDrive im Test erstaunlich nahe: Im Schnitt waren es 5,7 l/100 km, der tiefste Wert bei gleichmässiger Autobahnfahrt lag gar bei 5,3 l/100 km. Und das trotz montierter Winterreifen und Temperaturen um den Gefrierpunkt. Am effizientesten ist der Diesel naturgemäss unterwegs, wenn er in Bewegung gehalten wird: auf der Autobahn und der Landstrasse, da, wo man üblicherweise lange Strecken zurücklegt. Hier ist der moderne Selbstzünder nach wie vor effizienter unterwegs als ein Plug-in-Hybrid; denn die Kombination aus Verbrennungsmotor und Elektroantrieb bietet nur auf kürzeren Strecken einen Vorteil – wenn der Akku regelmässig geladen wird. Der E-Motor kann im städtischen Stop&Go-Verkehr, wo der Benziner oder Diesel am ineffizientesten läuft, viel Kraftstoff einsparen; auf der Autobahn geht dieser Vorteil aber gegen null.

Sparen ohne Verzicht

Der BMW 5er mit starkem Dieselantrieb ist aber nicht nur aufgrund seines tiefen Verbrauchs und der daraus resultierenden Reichweite – mehr als 1000 Kilometer pro Tank sind problemlos möglich – ein angenehmer Reisebegleiter. Denn obwohl sich der Antrieb mit viel Technik darum bemüht, Sprit zu sparen, fühlt er sich im Alltag sehr gediegen an. Durch das Mild-Hybrid-System schaltet sich der Motor aus, sobald man den Fuss vom Gas nimmt – und schaltet sich zügig und fast unmerklich wieder zu.

Der Startergenerator kann 11 zusätzliche PS in den Antriebsstrang geben – und damit beim Beschleunigen unterstützen. Dadurch nimmt der Motor auch bei tiefen Drehzahlen schon willig Gas an und beschleunigt gleichmässig und kräftig.

Fast ohne Makel

Einzig beim Bremsen macht sich das Mild-Hybrid-System ab und an negativ bemerkbar: Zugunsten der Effizienz versucht der Antrieb, beim Bremsen möglichst viel Energie zurückzugewinnen und in die Batterie zu leiten; beim leichten Druck aufs Bremspedal wird also zunächst nur über den Antrieb gebremst, bevor die Bremsanlage hinzukommt; dieser Übergang ist gut spürbar, sodass es gerade in der Stadt fast unmöglich ist, den Wagen ohne leichte Ruckler zum Stehen zu bringen. Jammern auf höchstem Niveau, doch im perfektionistischen Umfeld der Business-Limousine fallen auch kleinste Details auf.

BMW 530d xDrive

BMW 530d xDrive

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Dafür punktet der BMW aber mit gutem Federungskomfort, tiefem Geräuschniveau im Innenraum und einfacher Bedienung über den Drehknopf auf der Mittelkonsole oder direkt auf dem grossen Touchscreen.

Der 530d xDrive ist ab 77 600 Franken zu haben. Allerdings sollte man noch etwas Budget für ein paar sinnvolle Optionen mit einberechnen. Das Laserlicht für 1270 Franken gefällt mit starker Ausleuchtung der Strasse und zielsicherer Ausblendung des Gegenverkehrs – wer oft bei Dunkelheit unterwegs ist, wird das zu schätzen wissen.

Für Langstreckenfahrer sind zudem die 230 Franken für die elektrisch verstellbaren Komfortsitze gut investiertes Geld – genauso wie das Fahrassistenzpaket für 2040 Franken, das einen Radartempomaten samt gut funktionierender Spurführungshilfe beinhaltet.

Aufpreis kostet auch die Hinterachslenkung; für 1590 Franken macht sie die grosse Limousine spürbar handlicher – sowohl beim Parkieren als auch auf kurvigen Landstrassen.

BMW 530d xDrive

Motor: R6 Diesel, 2993 ccm

Leistung: 286 PS /650 Nm

Antrieb: Aut. 8-Gang, 4×4

L×B×H: 4963×1868×1479 mm

Kofferraumvolumen: 530 l

Gewicht: 1895 kg

0–100 km/h: 5,4 Sek.

Vmax: 250 km/h

Verbrauch WLTP: 5.4–6 l/100km

Verbrauch Test: 5,7 l/100km

Preis: ab 77 600 Franken

BMW 530d xDrive

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