BMW

Aus der Mode?

BMW 435i Cabriolet

BMW 435i Cabriolet

Eigentlich sind Cabrios mit Metallklappdach aus der Mode. Die meisten Hersteller sind dazu übergegangen, ihre Cabrios wieder mit einem Stoffdach auszurüsten – damit sie so auch bei geschlossenem Dach als Cabrios erkennbar sind.

BMW aber hält an der sehr auf wendigen Dachkonstruktion fest. Was so falsch nicht ist, wie der Test zeigt. Über die Namensgebung der BMW-Modellreihen haben wir uns schon öfters, sagen wir mal: gewundert. So ist aus dem Dreier-Cabrio und dem Coupé nun die 4er-Reihe geworden. Dabei ist eigentlich alles geblieben, wie es war. Gut so, kann man sagen, denn der offene Dreier war ja alles andere als ein schlechtes Auto. Und das mit dem Metallklappdach hat schon seine Vorteile. Im Winter zum Beispiel. Zwar beteuern alle Anbieter von Stoffdächern, dass diese mittler weile voll wintertauglich seien. Das mag auch stimmen, allerdings: Wer sich das Stoffdach eines zehnjährigen Cabrios ansieht, der weiss, dass Marketing meist eben doch aus leeren Worthülsen besteht.

Aber so ein klappbares Metalldach hat auch Nachteile. So braucht es viel Stauraum, wenn man offen fahren will. Nur Mazda hat es beim kleinen MX-5 geschafft, das Dach so zu falten, dass der Kofferraum unverändert bleibt. Machen wir einen Vergleich. Der BMW 435i, welcher im Testbetrieb war, verfügt über ein Kofferraumvolumen von 220 Litern. Das bei einer Fahrzeuglänge von 464 cm. Der Audi A5 ist als Cabrio knapp zwei Zentimeter kürzer, hat ein Stoffdach und genau 100 Liter mehr Kofferraum. Diese Werte gelten bei geöffnetem Dach. Schliesst man die Kapuze, bietet der Audi gar 350 Liter mehr Stauraum. Für den reinen Nutzwert muss man sich den BMW also nicht kaufen. Aber wer kauft schon ein Cabrio als reines Transportmittel?

Ein offenes Auto kauft man sich zum Cruisen. Und das geht mit dem BMW ganz formidabel. Speziell mit dem wunderbaren Sechszylinder im Bug. Sechs Töpfe in Reihe, das können sie einfach in München. Wir sind immer wieder begeistert von dem Triebwerk, trotz Turboaufladung. Seidenweicher Lauf, Kraft ohne Ende und eine Leistungsentfaltung, wie sie nicht besser zu einem Cabriolet passen könnte. Und der ganze Rest des Autos?

Wir sagen nur: Baukasten. Alles kennt man aus anderen BMW-Modellen. Von der Bedienung über die Assistenzsysteme bis hin zum Fahrwerk. Das ist eigentlich ganz prima, hätte man an unseren Testwagen nicht das ganze M-Paket – darunter auch das Sportfahrwerk – angebaut. Das gibt dem eleganten Wagen auf schlechten Strassen ein unelegantes Abrollverhalten. Die eigentlich recht steife Karosserie wird wegen der harten Federn völlig unnötig in den Grundfesten erschüttert. Aus Erfahrung wissen wir, dass die Sache mit dem Standardfahrwerk weit bequemer ist – und richtig schnell ist der BMW in Kurven dann immer noch.

Auch ein Nachteil der schweren Metalldächer: der 435i ist kein Leichtgewicht. 1750 kg (DIN) sind nicht wenig für ein viersitziges Cabrio. Das rächt sich – auch an der Tankstelle. Nein, der Bayer ist kein Kampftrinker. Angesichts der 306 PS und den maximal 400 Nm gehen die 9,1 Liter pro 100 Kilometer in Ordnung. Allerdings ist das weit vom Normverbrauch (7,5 l/100 km) entfernt. Trotz all dieser Effizienzsteigerungsmassnahmen wie Stopp/Start-System oder der «Segelfunktion» fürs wunderbare Sport-Automatikgetriebe mit sieben Gängen: Gewicht frisst halt Sprit, das ist für alle Hersteller gleich.

Was anderes frisst der BMW allerdings auch noch: die Scheine aus der Geldbörse des Kunden. Mindestens 73’750 Franken sind für ein 435i Cabrio fällig. Mit all den M-Teilen und einigen anderen Optionen wird es dann aber richtig teuer. Unser Prüfling kostet satte 96’060 Franken – und das ist eine Menge Holz. Die Konkurrenz aus deutschen Landen ist allerdings auch nicht wirklich günstiger.

Meistgesehen

Artboard 1