Washington hat das Ergebnis des Gipfels in Singapur mit einer eigentümlichen Mischung aus Befriedigung und Verwunderung zur Kenntnis genommen – wobei sich die Politiker für einmal zurückhaltender äusserten als die aussenpolitischen Spezialisten.

Positiv sei es, dass sich erstmals ein amerikanischer Präsident mit einem nordkoreanischen Diktator ausgesprochen habe, sagte Bill Richardson, ehemaliges Mitglied des Kabinetts von Präsident Bill Clinton und selbst ernannter Nordkorea-Sonderbeauftragter. Der gemeinsamen Schlusserklärung fehle es aber «an Substanz».

Ähnlich äusserte sich Joseph Yun, ein ehemaliger Nordkorea-Spezialist des US-Aussenministeriums. «Wo ist das Fleisch am Knochen?», fragte Yun. Letztlich stelle die Schlusserklärung eine (fast wörtliche) Wiederholung von Positionsbezügen dar, die Nordkorea bereits in den Neunzigerjahren eingenommen habe.

Nun kann man solche Positionsbezüge als Kritik der üblichen Verdächtigen zurückweisen, ist Richardson doch ein demokratisches Schlachtross und arbeitete Yun doch für die Regierung von Präsident Barack Obama in hochrangigen Positionen. In ersten Reaktionen zeigten sich aber auch konservative Nordkorea-Spezialisten «enttäuscht» über das Resultat des Singapur-Gipfels.

Lobpreisungen fehl am Platz

So wies Bruce Klinger von der Denkfabrik Heritage Foundation darauf hin, dass die gemeinsame Stellungnahme sich über die systematische Verletzung der Menschenrechte in Nordkorea ausschweige und keine Informationen über den Verifikationsprozess während eines allfälligen Abrüstungsprozesses enthalte. Und Richard Haass, Präsident der Denkfabrik Council on Foreign Relations, kritisierte Donald Trump dafür, dass er die amerikanisch-südkoreanischen Manöver als «provokative Kriegsspiele» bezeichnet hatte und diese Übungen nun aussetzen wolle.

Vorsichtiger äusserten sich konservative Politiker. Senator Marco Rubio, ein aussenpolitischer Falke, warf in seiner Wortmeldung den selbst ernannten Experten vor, sie würden Trumps Arbeit mit ungleichen Ellen messen. Er jedenfalls könne sich nicht daran erinnern, dass Obama für sein Treffen mit dem kubanischen Diktator Raúl Castro ähnlich kritisiert worden sei.

Rubio sagte aber auch, die Lobpreisungen Trumps für den nordkoreanischen Diktator seien fehl am Platz. Kim Jong Un «ist kein grosses Talent», wie dies der amerikanische Präsident behauptet habe. «Er ist ein kompletter Psychopath», der in einer funktionierenden Demokratie nicht einmal zum Leiter einer Gemeindeversammlung gewählt würde, sagte Rubio.

Diplomatischer gab sich Mehrheitsführer Mitch McConnell, der Fraktionschef der Republikaner im Senat. Er sagte, er begrüsse die diplomatische Annäherung zwischen den USA und Nordkorea, mache sich aber keine Illusionen.

Was von diesen ersten Einschätzungen zu halten ist, könnte sich recht schnell zeigen. Denn das Weisse Haus hat den führenden Republikanern versprochen, ein allfälliges Abkommen mit Nordkorea dem nationalen Parlament zur Ratifizierung vorzulegen – falls es denn überhaupt zu einem solchen Abkommen kommt.