Nahost-Konflikt

«Wir leben in gefährlichen Zeiten – so kann es nicht weitergehen»: UN-Chef mahnt zur Deeskalation

Während sich der Konflikt zwischen den USA und Iran weiter verschärft und über militärische Gegenschläge und Vergeltung gesprochen wird, hat UN-Generalsekretär António Guterres erneut dringend zur Deeskalation aller Beteiligten aufgerufen.

UN-Generalsekretär António Guterres richtete sich in einer kurzen aber emotionalen Ansprache an die Regierungschefs des Iran und der USA wegen des Iran-Konflikts und mahnte alle Länder der Welt zur Deeskalation. «Das neue Jahr hat mit einer Welt in Aufruhr begonnen», erklärte Guterres am Montag im UNO-Hauptsitz in New York.

«Wir leben in gefährlichen Zeiten. Die geopolitischen Spannungen sind so hoch wie noch nie in diesem Jahrhundert und die Turbulenzen eskalieren.» Mehrere Länder würden mit ihren unüberlegten Handlungen dazu beitragen. «Immer mehr Regierungen treffen unvorhersehbare Entscheidungen mit unvorhersagbaren Konsequenzen und dem tiefgreifenden Risiko von Misskalkulationen.»

Dazu komme, dass wieder über den Bau von Atombomben gesprochen werde, in Afrika der Terrorismus grassiere, der Klimawandel vielen Ländern zusetzen würde und auch technologische Konflikte die globale Situation verschlechtern würden.

Für die Befriedung der Welt und die Beilegung der Konflikte könne es so nicht weitergehen, erklärte Guterres. Es sei wichtig, dass Regierungen einander zuhören würden, ihre Entscheidungen überdenken und massvoll handeln würden.

«Meine Botschaft ist klar und deutlich: Stoppt die Eskalation. Übt maximale Zurückhaltung aus. Nehmt den Dialog wieder auf. Nehmt die internationale Kooperation wieder auf.» Nur so sei es möglich, dass man zur Deeskalation beitragen und eine Verschlimmerung der aktuellen Situation verhindern könne.

Ansprache kam unerwartet

Zwar kritisierte Guterres mit diesen Aussagen die USA und den Iran nicht direkt, er nannte ganz grundsätzlich kein Land beim Namen, jedoch wurde es fast unmissverständlich klar, dass sich der Generalsekretär auf den aktuellen Nahost-Konflikt bezog.

Wie mehrere Medien berichten, sei die Ansprache zu diesem Thema jedoch sehr überraschend gekommen, da Guterres die traditionelle UNO-Ansprache zu Neujahr bereits am 30. Dezember 2019 gehalten hat.

Dass nun eine zweite «Neujahrs»-Ansprache erfolgte war daher unerwartet – und auch unangekündigt. Radio SRF bezeichnete die Ansprache dann auch als «ein Notschrei – und zugleich ein Eingeständnis der Ohnmacht und Verzweiflung der Vereinten Nationen und damit der gesamten Völkergemeinschaft.»

Nach der Ansprache des UN-Generalsekretärs meldete sich dann das US-Aussenministerium in Washington zu Wort und teilte schlicht mit, dass US-Aussenminister Mike Pompeo mit Guterres telefoniert habe, um die Ereignisse im Nahen Osten zu besprechen.

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