Analyse

Wieso Donald Trump sogar schwarze Wähler gewinnen könnte – Rennen um die Präsidentschaft nimmt Fahrt auf

Donald Trump, Präsident der USA, wurde von den Republikanern einstimmig als Kandidat nominiert.

Donald Trump, Präsident der USA, wurde von den Republikanern einstimmig als Kandidat nominiert.

Der Auftakt in den Parteitag der Republikaner hat klargemacht: Die Trump-Partei umgarnt die schwarzen Wähler so fest wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Jeder sechste Schwarze will Trump anscheinend wählen.

Am Sonntag schossen weisse Polizisten im Bundesstaat Wisconsin einem unbewaffneten Schwarzen siebenmal in den Rücken und verletzten ihn lebensgefährlich. Das Verbrechen heizt die Black-Lives-Matter-Proteste in Amerika erneut an. Währenddessen nimmt das Präsidentschaftsrennen volle Fahrt auf. Dabei hat der demokratische Kandidat Joe Biden in einem Interview erneut klargemacht, dass er fest auf die schwarzen Wähler zählt. Sie sollen ihm am 3. November den Weg ins Weisse Haus ebnen.

Trump-Partei umgarnt die Schwarzen

Doch ganz so deutlich wie 2016, als mehr als neun von zehn Schwarzen in den USA für die demokratische Kandidatin Hillary Clinton stimmten, ist die Sache in diesem Jahr nicht. Laut aktuellen Umfragen will immerhin jeder sechste schwarze Amerikaner Donald Trump eine zweite Amtszeit geben – trotz seines anhaltenden Kuschelkurses mit jenen Kreisen der US-Gesellschaft, welche die «weisse Rasse» noch immer als überlegen feiern.

Donald Trump.

Donald Trump.

Der Auftakt in den Parteitag der Republikaner, der am Donnerstagabend mit einer Ansprache des Präsidenten enden wird, hat klargemacht: Die Trump-Partei umgarnt die schwarzen Wähler so fest wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Doch weil ihr Aushängeschild nur bedingt glaubhaft um die begehrten «black voters» werben kann, haben die Republikaner an ihrer viertägigen Convention ein erstaunlich diverses Feld an dunkelhäutigen Rednerinnen und Rednern aufgeboten.

Die «mentale Plantage» der Schwarzen

Den überraschendsten Auftritt legte Vernon Jones aus dem Südstaat Georgia hin; ein Demokrat, wohlgemerkt. Er bezeichnete die demokratische Partei in Anspielung auf die Geschichte der Sklaverei in Amerika als «mentale Plantage», auf der Schwarze während Jahrzehnten gefangen gewesen seien. Die demokratische Partei hätte ihre Folgsamkeit für gegeben hingenommen und darob vergessen, dass Schwarze selbstbestimmt denken könnten.

Die schwarze Republikanerin Kim Klacik aus Baltimore, die für einen Sitz im Repräsentantenhaus kandidiert, blies ins selbe Horn und schmetterte den Demokraten in ihrer Ansprache entgegen:

Am eindringlichsten aber war die Ansprache des 34-jährigen schwarzen Staatsanwalts von Kentucky, Daniel Cameron. Der «stolze Trump-Unterstützer» sprach Joe Biden direkt an, und sagte mit fast bemitleidendem Blick: «Herr Biden, schauen Sie mich an, Sir. Ich bin schwarz, wir sind nicht alle gleich – und sie können mir nicht sagen, wie ich abzustimmen habe nur wegen der Farbe meiner Haut.»

Staatsanwalt Daniel Cameron ist einer der schwarzen Trump-Anhänger.

Staatsanwalt Daniel Cameron ist einer der schwarzen Trump-Anhänger.

Joe Biden: Dort getroffen, wo es weh tut

Die drei Redner – zu ihnen gesellten sich an den ersten beiden Abenden der Republikanischen Parteitage weitere schwarze Exponenten wie der Senator Tim Scott oder der Ex-Football-Star Herschel Walker – trafen mit ihren Ansprachen Biden da, wo es wehtut. Der 77-Jährige liegt in nationalen Umfragen zwar rund acht Prozent vor Amtsinhaber Trump. Gerade beim Thema schwarze Wählerschaft hat er sich im Wahlkampf aber mehrfach grob vergriffen. So sagte er, wer nicht sicher sei, ob er ihn oder Trump wählen soll, sei nicht wirklich schwarz. Und er behauptete, die Schwarzen in Amerika hätten alle etwa dieselbe Einstellung.

Joe Biden.

Joe Biden.

Dass das nicht stimmt, zeigten die überdeutlichen Anspracher schwarzer Trump-Unterstützer am republikanischen Konvent. Trotz Barack Obamas eindringlicher Warnung vor vier weiteren Trump-Jahren an den Parteitagen der Demokraten vergangene Woche, trotz der schwarzen Vizepräsidentschaftskandidatin Kamala Harris: Ein nicht unwesentlicher Teil von Amerikas farbiger Wählerschaft scheint sich vom sichergeglaubten politischen Pakt mit den Demokraten loszulösen.

Oder wie es der schwarze Staatsanwalt Daniel Cameron mit dem Finger an seiner Schläfe sagte: «Mit Respekt, Herr Biden, mein Verstand gehört mir. Ich bin nicht länger in Ketten.»

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