Russland

Wie Putin seine serbischen Verbündeten ausspioniert

Der russische Präsident Wladimir Putin.

Der russische Präsident Wladimir Putin.

Ein Youtube-Video, das wie ein Agentenfilm anmutet. Dahinter steckt eine Spionageaffäre, welches das traditionell gute Verhältnis zwischen Moskau und Belgrad belastet.

Das kürzlich auf YouTube aufgetauchte Video zeigt klischeehafte Szenen wie aus einem billigen Agentenfilm. Ein Mann überreicht auf einem Parkplatz einem anderen Mann eine Tasche. Das geschah vor knapp einem Jahr. Mittlerweile bestätigte Serbiens Präsident Aleksandar Vučić an einer Pressekonferenz in Belgrad, dass es sich bei dem Geldboten um den russischen Diplomaten Georgij Kleban, bei dem Empfänger um den pensionierten Oberstleutnant Z.K. des serbischen Militärgeheimdienstes handelt. Bestätigt wurde auch, dass die Tasche Geldbündel enthielt, die Z.K. noch am Parkplatz penibel durchzählt.

Die Herkunft des Videos wird wie ein Geheimnis gehütet. Der serbische Geheimdienst sei nicht die Quelle, sagte Vučić, doch das könnte auch ein Versuch sein, die Beziehungen zu Russland nicht weiter zu belasten. Nach Medienberichten soll ein bulgarischer Enthüllungsjournalist den russischen ­Diplomaten Kleban, der an der Botschaft in Belgrad stell­vertretender Militärattaché war, identifiziert haben. Er soll regelmässig von mindestens drei weiteren serbischen Geheimnisträgern vertrauliche Informationen über die Belgrader Regierung erhalten haben.

Serbien will in die EU

Vučić versucht, die Affäre kleinzureden und spielt zugleich den Überraschten: Serbien habe sich immer um freundschaftliche Beziehungen zu Russland bemüht, habe die westlichen Sanktionen stets abgelehnt. «Ich frage deshalb unsere russischen Freunde: Warum?» Er könne in dieser Spionagegeschichte «keine Logik erblicken». Er sei überzeugt, dass Wladimir Putin «über diese Aktivitäten nicht informiert» gewesen sei, bekräftigte Vučić – es hörte sich an wie ein Kniefall vor dem russischen Präsidenten. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte: «Wir haben keine Ahnung, worum es da geht bei dem Zwischenfall.»

So viel Ahnungslosigkeit an höchsten Stellen ist verdächtig. Die «Logik», die Vučić vermisst, kann er freilich nicht öffentlich erklären: In Belgrad ist es ein ­offenes Geheimnis, dass Putin dem serbischen Bruder nicht traut, der auffallend oft die «unzerstörbare Freundschaft zu Russland» betont, aber zugleich die Zukunft in der wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit mit Westeuropa und in einer EU-Mitgliedschaft sieht.

Wichtige Operationsbasis auf dem Balkan

Für Putin ist Serbien der wichtigste strategische Partner auf dem Balkan. Mit Serbien als Operationsbasis lässt sich auf dem Balkan bequem andauernd Unruhe stiften, um Teile der Region dem Einfluss von EU und Nato zu entziehen. Als Modell dieser Strategie gilt Montenegro: Ende 2016 sollte ein vom russischen Geheimdienst über Belgrad gesteuerter Putsch den ­prowestlichen Präsidenten Milo Djukanović stürzen. Monte­negro ist dem Schicksal einer russischen Militärbasis an der Süd­adria entkommen, es ist seit Juni 2017 Nato-Mitglied. In ­Bosnien-Herzegowina und Nordmazedonien könnte Russland letztlich erfolgreicher sein.

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