US-Präsident Donald Trump sprach auf der hastig arrangierten Pressekonferenz im Rosengarten des Weissen Hauses von einem «grossen Tag für den freien und fairen Handel». Sein Gast aus Brüssel schmunzelte. Er habe die Einladung Trumps angenommen mit der Absicht, zu einem Ergebnis zu kommen. «Und wir haben uns geeinigt.» Beide Seiten vereinbarten einen Waffenstillstand in dem Konflikt, der kurz davor stand, zu einem vollen Handelskrieg zu eskalieren.

«Wir haben uns darauf verständigt, null Zölle anzustreben, null nicht-tarifäre Handelsschranken und null Subventionen auf Güter, die nichts mit der Autoindustrie zu tun haben», erklärte Trump die Stossrichtung der Annäherung. Eine Absichtserklärung, die nun mit Leben gefüllt werden muss. Dafür sollen unmittelbar Arbeitsgruppen eingesetzt werden, die im Prinzip da weitermachen können, wo die TTIP-Verhandlungen 2016 stehen blieben.

Juncker sprach von einem «konstruktiven Treffen». Er bestätigte die Bereitschaft der Europäer, mehr Gas und Sojabohnen aus den USA zu kaufen. Umgekehrt dürfen die Autobauer aufatmen. «Solange wir verhandeln, gibt es keine weiteren Zölle.» Darüber hinaus werde auch über eine Aufhebung der Stahl- und Aluminiumzölle gesprochen. Der US-Präsident bestätigte den erzielten Kompromiss. «Wir werden nicht gegen den Geist der Abmachung verstossen. Es sei denn, eine Seite kündigt die Vereinbarung.»

Annäherung kommt überraschend

Zwei Stunden vor dem Auftritt im Rosengarten hätte in Washington niemand einen Blumentopf auf eine Annäherung gewettet. Während Juncker und Trump miteinander sprachen, meldete die «Washington Post» unter Berufung auf drei hohe Mitarbeiter im Weissen Haus, Trump sei entschlossen, Autozölle auf Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar zu verhängen. Juncker hatte das öffentlich als «bekloppt» bezeichnet. Laut «Post» sehen das wohl auch Berater des US-Präsidenten ähnlich. Es gebe einen konstanten Schlagabtausch zwischen den unterschiedlichen Fraktionen im Weissen Haus. Budget-Direktor Mick Mulvaney räumte auf CNBC ein, es gebe Meinungsverschiedenheiten. «Aber der Präsident trifft ultimativ die Entscheidung.»

Diese fällt vorläufig anders aus, als der gereizte Auftakt des Gipfels erwarten liess. Der EU-Kommissionspräsident verzog die Augenbrauen, während ihn Gastgeber Trump als «klugen und zähen» Mann willkommen hiess. Juncker klang noch im Ohr, wie ihn der US-Präsident erst kürzlich beim G-7-Gipfel in Kanada gleich mehrfach als «brutalen Killer» bezeichnet hatte.

Beim Fototermin vor Beginn ihrer Gespräche bemühten sich beide Seiten kaum, ihre wahren Gefühle füreinander zu verbergen. Demonstrativ bedankte sich Juncker für «die Initiative, mich ins Weisse Haus einzuladen». Ein nicht zu übersehender Seitenhieb gegen Trump, der am Dienstag so tat, als rücke Juncker nur wegen des von ihm aufgebauten Drucks an. «Strafzölle sind grossartig!», twitterte Trump. «Jeder kommt verhandeln.»

Während der Präsident bei dem kurzen gemeinsamen Auftritt mit Juncker vor den Medien klagte, die USA hätten «über die Jahre Hunderte Milliarden Dollar an die Europäische Union verloren», widersprach Juncker dem vor zwei Wochen geäusserten Vorwurf Trumps, die EU sei ein «Feind». «Wir sind Partner, Verbündete und nicht Feinde.» Im Vorfeld der Gespräche hatte das Umfeld Junckers Erwartungsdiät betrieben. Es gebe nicht viel, «was die EU tun kann, dem Präsidenten die Sorgen zu nehmen». Er wollte auf eine Deeskalation hinarbeiten und die Position der Europäer erklären. Konkrete «Angebote», wie sie der Präsident gefordert hatte, habe der EU-Kommissions-Präsident nicht im Gepäck.