«Fake News», heisst es aus dem Kreml. «Wir rufen nochmals dazu auf, sich nicht von absichtlich oder unabsichtlich falschen Informationen leiten zu lassen und ernsthaft an die Beschreibung solch potenziell wichtiger Episoden heranzugehen», forderte Wladimir Putins Sprecher Dmitri Peskow russische Journalisten zur Zurückhaltung bei der Berichterstattung über mutmassliche russische Opfer eines US-Luftschlags in Syrien auf.

Moskau spielt die Affäre bewusst herunter, um die gespannten Beziehungen nach Washington nicht weiter zu strapazieren. Seit gut zwei Jahren führt Russland in Syrien einen heimlichen Stellvertreterkrieg; offiziell kämpfen beide Parteien dort gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), daneben verfolgen sie ihre ganz eigenen Ziele. Im Weissen Haus will man Syriens Machthaber Baschar al-Assad stürzen, der Kreml hingegen bombardiert dessen Gegner, um den eigenen Gefolgsmann zu stützen.

In der Nacht zum 8. Februar wehrte die US-Luftwaffe eine Attacke auf Öl- und Gaslagerstätten der mit ihnen verbündeten Kurden ab und tötete dabei Dutzende Angreifer. War zunächst von syrischen Regierungstruppen die Rede, sickerten später Informationen durch, dass auch russische Söldner getroffen wurden. Die Angaben über die Opferzahl schwanken dramatisch: Einige Quellen sprechen von bis zu 200 Toten, bekannt sind aber nur die Namen von sieben Opfern.

Zwei Bataillone getroffen

Der ehemalige Separatistenführer im Donbass, Igor Strelkow, spricht von immerhin 100 Gefallenen. «Unter dem Deckmantel von Syrern wurden tatsächlich zwei Bataillone der Wagner-Truppe von den US-Luftschlägen getroffen», teilte er mit. Ein Bataillon wurde seinen Angaben nach völlig vernichtet, das zweite erlitt hohe Verluste.

Strelkow ist als Quelle ernst zu nehmen. Viele der russischen Söldner in Syrien haben zuvor als Freiwillige im Donbass aufseiten der prorussischen Separatisten gekämpft. Strelkow selbst hat jahrelang beim russischen Armeegeheimdienst GRU gedient und besitzt beste Verbindungen. Die Wagner-Truppe wurde ebenfalls von einem GRU-Offizier gegründet: Oberstleutnant Dmitri Utkin ist der Chef, sein militärischer Deckname «Wagner» wurde zur Bezeichnung der gesamten Truppe. Bis 2013 war der inzwischen 48-jährige Berufssoldat bei einer Spezialeinheit in Pskow stationiert, ehe er als Reserveoffizier entlassen wurde und für eine Moskauer Sicherheitsfirma den sogenannten «Slawischen Korpus» in Syrien aufbaute.

Wichtige Aufgaben in Syrien

Über die Anzahl der russischen Söldner im Nahen Osten und ihre Bewaffnung ist wenig bekannt. Söldnertum ist in Russland offiziell verboten, daher gibt sich der Kreml zum Thema zugeknöpft. Medien entdeckten Utkin jedoch im Dezember 2016 bei einem Empfang im Kreml. Denn die Söldner erfüllen wichtige Aufgaben in Syrien. Offiziell wollte Wladimir Putin nämlich nur die Luftwaffe einsetzen, auch um keine Erinnerungen an den missglückten Afghanistan-Einsatz zu wecken. Da die syrischen Regierungstruppen allerdings allein zu wenig Schlagkraft hatten, wurden weitere Verbündete benötigt. Und so kämpfen neben iranischen Revolutionsgarden und Kurden auch russische Söldner dort.

Oligarchen als Financiers

Bezahlt wird die Truppe dem Vernehmen nach teils von «patriotischen» russischen Oligarchen, teils finanziert sie sich durch die Eroberung und Sicherung wichtiger Objekte selbst. Eine solche Aktion soll nach Angaben der russischen Tageszeitung «Kommersant» auch der Angriff auf die Ölfelder gewesen sein – im Auftrag «grosser Unternehmer, die derzeit Assad unterstützen», heisst es. Abgesprochen mit dem Kreml war der Angriff nicht, weshalb Moskau jetzt die Männer auch fallen lässt. Staatstrauer will der Kreml jedenfalls nicht ausrufen, dafür gebe es keinen Anlass, meinte Peskow.