Syrien

Umzingelte IS-Terroristen drohen mit weltweitem Terror

Kurdische Kämpfer in Rakka. Goran Tomasevic/REUTERS

Kurdische Kämpfer in Rakka. Goran Tomasevic/REUTERS

Rebellen dringen nach schweren Kämpfen in die Altstadt von Rakka vor.

Von der US-Armee unterstützte syrische Rebellen haben in der syrischen Stadt Rakka offenbar die wichtigste Verteidigungslinie der Terrormiliz «Islamischer Staat» überwinden können. Nach Angaben des US-Zentralkommandos gelang es den kurdisch-dominierten «Syrischen Demokratischen Kräften» (SDF), eine Bresche in die historische Stadtmauer von Rakka zu schlagen. Zuvor hatten Kampfflugzeuge den 2500 Meter langen «Rafika-Wall» mit Präzisionsbomben angegriffen. Die neuen Zugänge ermöglichten es den Bodentruppen der Koalition, die IS-Dschihadisten zu umgehen.

Die Terrormiliz hatte Rakka vor drei Jahren zur Hauptstadt ihres «Kalifats» erklärt. In der ostsyrischen Stadt lebten damals über 300 000 Menschen; unter ihnen fast 10 000 Anhänger des IS aus Europa, die in Militärlagern ausgebildet wurden. Heute sollen sich nach UNO-Angaben rund 160 000 Zivilisten in Rakka aufhalten. Die Zahl der verbliebenen IS-Kämpfer schätzt das amerikanische Militär auf 2500.

«Rakka ist überall»

Zum harten Kern der Verteidiger gehören offenbar auch Muslime aus Grossbritannien. In Videofilmen, die in den letzten Tagen ins Internet gestellt wurden, verurteilen die Kämpfer in fast perfektem Oxford-Englisch den «Terror-Krieg des Westens gegen Zivilisten». «Um uns zu helfen, müsst ihr nicht nach Rakka kommen», erklärt einer der Propagandisten mit ruhiger Stimme. Seinen Zorn könne man überall auf der Welt zum Ausdruck bringen, denn «Rakka ist jetzt überall».

Den Video-Aufrufen zum weltweiten Terror vorausgegangen waren hoch emotionalisierende Bilder aus der Notaufnahme eines Spitals in Rakka. Auch dort spricht ein vermutlich britischer Arzt ausführlich über die humanitäre Lage und die «Verbrechen des Westens». Der Mann steht neben einem schwer verletzten Mädchen. Ihr Gesicht ist teilweise verbrannt. In einer weiteren Sequenz nimmt der Arzt die Krankenakte des Mädchens in die Hand und schreibt gross «dead» (tot) darauf. Wenig später wird eine Filmszene gezeigt, in der ein Selbstmordattentäter des IS sein mit Sprengstoff gefülltes Fahrzeug zur Explosion bringt. Solche Botschaften an die «Gemeinschaft der Gläubigen» sollen mobilisieren, radikalisieren, aber auch Mitleid erzeugen. Sie sind ausserdem ein Zeichen dafür, wie gewaltig der Druck auf die Terrormiliz inzwischen ist.

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