Der Anhänger der Sambaschule Casa Verde ergriff anschliessend die Flucht. Zuvor hatte sich angedeutet, dass Casa Verde verlieren würde.

Andere Anhänger der insgesamt 14 Sambaschulen, die Freitag und Samstag an dem Wettbewerb teilgenommen hatten, stürmten daraufhin den Bereich im sogenannten Sambodrom in São Paulo und warfen mit Plastikstühlen um sich, auf denen die Juroren gesessen hatten.

Zudem steckten sie einen grossen Motivwagen in Brand; die Flammen konnten aber schnell gelöscht werden. Die Preisverleihung musste in Folge der Ausschreitungen abgebrochen werden. Die Polizei sperrte den Bereich um die Jury im Sambodrom ab und nahm mindestens fünf Menschen fest, darunter auch den 29-jährigen Auslöser des Tumults.

Die Entscheidung über den Gewinner konnte am Dienstag erst mit mehreren Stunden Verspätung bekanntgegeben werden. Die "Karnevalskrone 2012" von São Paulo ging an die Sambaschule Mocidade Alegre, die zum Zeitpunkt des Beginns der Tumulte mit 169 Punkten vorne lag.

Aufwändige Motive

Der Wettbewerb der Sambaschulen wird in Brasilien mit dem gleichen Elan verfolgt wie wichtige Fussballspiele. Vor der geplanten Öffnung der Umschläge am Dienstag waren die Vertreter aller Sambaschulen zu Gesprächen hinter verschlossenen Türen geladen worden, anschliessend wurde ein Wechsel der Jury bekanntgegeben.

Obwohl der Karneval in São Paulo nicht so bekannt ist wie der Umzug in Rio de Janeiro, perfektionieren die Sambaschulen der Stadt ihre Darbietungen Jahr für Jahr. Nach Angaben der städtischen Tourismusbehörde gibt jede Schule durchschnittlich gut eine Million Euro pro Jahr für den Umzug aus.

Auch in Rio de Janeiro wurden die Sieger des dortigen Umzugs der Sambaschulen verkündet. Die Sambaschule Unidos da Tijuca triumphierte; der Verein bekam 299,9 von insgesamt 300 möglichen Punkten. Die Anhänger der Schule feierten den Titel trotz des Aschermittwochs frenetisch mit viel Samba, Tanz und Bier.