Erdöl

Trump droht, Iran spricht von «Lügen»: Acht Antworten zu den Drohnenattacken in Saudi-Arabien

Drohnenangriffe haben am Samstag Brände in zwei Erdölfraffinerie-Komplexen in Saudi Arabien ausgelöst. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

1. Was ist passiert?

Am frühen Samstagmorgen fanden Drohnenangriffe auf die grösste Erdölraffinerie Saudi-Arabiens statt. Nach offiziellen Angaben erschütterten am frühen Samstagmorgen zwischen drei und vier Uhr morgens mehrere Explosionen Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco in Churais und Abkaik. Auf Videos in sozialen Netzwerken waren grosse Feuer über den Komplexen zu sehen, die den Nachthimmel erleuchten.

Satellitenbilder von Nasa und Esa zeigten im Laufe des Samstags mehrere riesige schwarze Rauchfahnen, die sich bis zu 150 Kilometer weit über Saudi-Arabien erstreckten.

Die Brände seien unter Kontrolle, teilte Saudi-Arabiens Energieminister Prinz Abdulasis bin Salman bin Abdulasis kurz darauf mit. Durch die Angriffe sei die Produktion in Abkaik und Churais aber zeitweise ausgesetzt. Auch die Produktion von Flüssiggas sei betroffen.

2. Wer bekannte sich zu den Angriffen?

Zu dem Angriff bekannten sich die Huthi-Rebellen im benachbarten Jemen. Ein Militärsprecher der Huthis bezeichnete den Angriff mit zehn Drohnen am Samstag als «legitime Antwort» auf die anhaltende Militärkampagne Saudi-Arabiens im Jemen.

«Wir versprechen dem saudischen Regime, dass unsere nächste Operation grösser und schmerzhafter sein wird», sagte Militärsprecher Jahia Saria. Es handle sich um den bislang grössten Einsatz in Saudi-Arabien.

Saudi-Arabien führt im Jemen eine von den USA unterstützte Militärkoalition an, die gegen die Huthis kämpft. Diese halten grosse Teile des Nordjemens inklusive der Hauptstadt Sanaa unter Kontrolle und werden mittlerweile vom Iran unterstützt.

Die Angriffe haben Saudi-Arabien schwer getroffen, selbst aus dem All sind die Rauchsäulen zu sehen.

Die Angriffe haben Saudi-Arabien schwer getroffen, selbst aus dem All sind die Rauchsäulen zu sehen.

3. Was sagen die USA?

US-Präsident hat Donald Trump den Urhebern des Anschlags mit einem Vergeltungsschlag gedroht. Allerdings machte er keine Angaben, wen die USA für den Urheber der Attacke halten. Trump schrieb auf Twitter: «Es besteht Grund zu der Annahme, dass wir den Täter kennen.» Die USA stünden Gewehr bei Fuss, warteten aber auf Angaben der Saudis, wen sie für den Angriff verantwortlich mache.

US-Aussenminister Mike Pompeo hingegen machte den Iran direkt für die Attacken verantwortlich und schrieb am Samstag auf Twitter: «Inmitten der Rufe nach Deeskalation hat der Iran jetzt einen beispiellosen Angriff auf die Welt-Energieversorgung verübt. Es gibt keinen Beweis, dass die Angriffe vom Jemen kamen.»

Unterdessen haben die USA ihren Vorwurf untermauert: Es gebe Hinweise, dass die Flugkörper aus west-nordwestlicher Richtung und damit aus Richtung des Iran gekommen seien – und nicht aus südlicher Richtung aus dem Jemen, so ein US-Regierungsvertreter. Saudi-Arabien habe zudem darauf hingewiesen, dass es Anzeichen gebe, dass auch Marschflugkörper bei den Attacken eingesetzt worden seien. An den Erdölanlagen seien 19 Einschlagspunkte gezählt worden.

4. Und wie reagiert der Iran?

Der Iran wies die Vorwürfe vehement zurück. Pompeos Unterstellungen seien absurd, unerklärlich und daher auch halt- und wirkungslos, sagte Aussenamtssprecher Abbas Mussawi am Sonntag in Teheran.

Was im Jemen passiere, sei der Widerstand der Jemeniten gegen die Kriegsverbrechen der von den Saudis angeführten Militärkoalition, sagte der Sprecher nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna. «Weil die US-Politik des maximalen Drucks auf den Iran gescheitert ist, sind die Amerikaner nun auf die der maximalen Lügen umgestiegen.»

5. Warum sind die Anlagen so wichtig?

Rauchwolken über der Abkaik-Raffinierie.

Rauchwolken über der Abkaik-Raffinierie.

Sie gelten als das Zentrum der saudischen Ölindustrie. Die in Washington ansässige Energieberatungsfirma «Rapidan Energy» bezeichnete die Raffinerie in Abkaik als die wichtigste Öleinrichtung der Welt. Nach Angaben von Saudi Aramco ist der Komplex die grösste Raffinerie des Landes und die grösste Rohölstabilisierungsanlage der Welt. Abkaik spiele eine entscheidende Rolle in der täglichen Produktion des Unternehmens. Von hier werde verarbeitetes Öl weiter an die Ost- und Westküste des Landes sowie nach Bahrain geleitet.

6. Geht uns nun das Benzin aus?

Die Drohnenangriffe haben die Ölproduktion in Saudi Arabein tatsächlich dramatisch einbrechen lassen. Die Produktionsmenge sei infolge der «terroristischen Attacken» um 5,7 Millionen Barrel auf etwa die Hälfte des üblichen Volumens pro Tag eingebrochen. Dabei handle es sich aber nur um einen vorübergehenden Effekt, der zudem durch die Einspeisung vorhandener Erdölreserven in den Markt teilweise kompensiert werde.

7. Wie reagiert der Ölpreis

In den ersten Handelsminuten am Montag nach den Angriffen waren die Preise für Erdöl bis zu 20 Prozent geklettert, bevor sie einen Teil des Anstiegs wieder abgaben. Zuletzt verteuerte sich ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent um 6,60 Dollar oder knapp elf Prozent auf 66,82 Dollar – und damit auf den höchsten Stand seit Mitte Juli. Mike McGlone vom Analysedienst Bloomberg Intelligence meint, dass eine Angebotsreduktion von 5 Prozent mit einem Anstieg der Ölpreise um rund 10 Prozent einhergehe.

8. Um was für Drohnen handelt es sich?

Bereits seit längerem beobachten internationale Experten den Einsatz unbemannter Flugzeuge durch die Huthis.Im Gegensatz zu handelsüblichen Drohnen, die beispielsweise die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak eingesetzt hatte, wurden in der Vergangenheit bei den Huthis vor allem Drohnen vom Typ «Qasef-1» festgestellt. Diese sind nach einem Bericht einer Uno-Expertenkommission identisch mit Drohnen, die auch im Iran produziert werden.

Überreste einer «Qasef-1»-Drohne. (Bild: ap/fr170079 ap

Überreste einer «Qasef-1»-Drohne. (Bild: ap/fr170079 ap

Dieser Drohnen-Typ hat eine Spannweite von rund drei Metern und kann mit einem 30 bis 45 Kilogramm schweren Sprengsatz bestückt werden. Die Reichweite beträgt rund 150 Kilometer. Im Juli dieses Jahres stellten die Huthis neue Drohnentypen der Öffentlichkeit vor. Experten gehen davon aus, dass diese eine Reichweite von bis zu 1000 Kilometern haben könnten.

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