Neuseeländischen Schützen ist es ab sofort verboten, Sturmgewehre und halbautomatische Waffen zu besitzen. Das hat Premierministerin Jacinda Ardern am Donnerstag in Christchurch bekannt gegeben. Die Regierung ziehe damit Konsequenzen aus dem Terrorangriff auf zwei Moscheen durch einen rechtsextremen Australier, bei dem vergangene Woche 50 Menschen ums Leben kamen und 30 weitere verletzt wurden. «Jede halbautomatische Waffe, die bei dem terroristischen Anschlag benutzt wurde, wird verboten», so Ardern. Ein entsprechendes Gesetz werde bis zum 11. April in Kraft treten.

Die Regierung kündigte auch ein Rückkaufprogramm an. Wer seine Waffen der Polizei aushändigt, soll dafür entschädigt werden. Für Gewehre, die illegal erworben worden seien, gelte eine Amnestiefrist. Schätzungen zufolge sind in Neuseeland über eine Million Schusswaffen in Privatbesitz. Der rund 40 Minuten nach der Tat festgenommene 28-jährige Mann hatte seine Waffen legal erworben. In Neuseeland ist es möglich, bereits mit 16 Jahren einen Waffenschein zu beantragen.

Schüsse in Neuseeland: Mindestens 40 Tote nach Attacke auf zwei Moscheen

Video vm 16. März 2019: Schüsse in Neuseeland – mindestens 40 Tote nach Attacke auf zwei Moscheen

Vorbild Australien

Neuseeland folgt mit dem Entscheid seinem Nachbarn Australien. Nachdem 1996 auf der Insel Tasmanien ein Amokläufer 35 Menschen erschossen hatte, führte die Regierung ein Rückkaufsprogramm ein. Der Widerstand vor allem in ländlichen Gebieten war gross. Das Argument der Gegner: wegen eines einzelnen Kriminellen würden alle gesetzestreuen Schützen kollektiv bestraft. Heute sind die strengeren Vorschriften indes kaum noch ein Thema. Wer in Australien ein Gewehr besitzen will, muss konkrete Gründe haben, wie etwa einem Beruf in der Landwirtschaft nachzugehen. Halbautomaten sind für den Privatbesitz komplett verboten. Handfeuerwaffen sind nur für bestimmte Berufe und Mitglieder registrierter Schützenklubs zugelassen.

"We stand with you": Wie Neuseeland um die Opfer der Terroranschläge trauert

«We stand with you»: Wie Neuseeland um die Opfer der Terroranschläge trauert

Menschen legen Blumen nieder, umarmen sich und hinterlassen Karten mit emotionalen Botschaften. Am Tag nach der Attacke auf zwei Moscheen in Christchurch gedenken die Menschen den Opfern. (Video am 16.3.2019)

Der Mann, dem der folgenschwerste Amoklauf der jüngeren Geschichte angelastet wird, sitzt Berichten zufolge in einer Isolierzelle im Gefängnis von Christchurch. Er habe weder zu Fernsehen, Radio noch Zeitungen Zugang, so die Behörden. Doch der Mangel an Kontakt zur Aussenwelt sei nicht sein grösstes Problem, so der ehemalige Strafgefangene Paul Wood gegenüber der Tageszeitung «NZ Herald». Den Gefangenen erwarte eine «miserable und einsame Existenz». Andere Häftlinge dürften bereits beschlossen haben, den mutmasslichen Massenmörder anzugreifen, weil er einen hohen Bekanntheitsgrad habe oder weil sie seine Taten für abscheulich hielten. «Für den Rest seines Lebens wird er die Wahl haben zwischen extremer Einsamkeit und konstanter Angst vor einer Attacke», so Wood, der wegen Mordes an einem Drogenhändler zehn Jahre in Haft sass und heute als Berater arbeitet.

Der mutmassliche Amokläufer werde 23 Stunden am Tag in einer Zelle eingeschlossen sein, in der es ausser einer Toilette und einem an der Wand festgeschraubtem Bett aus Stahl praktisch nichts gebe. «Die Wärter dürften angehalten sein, nicht mit ihm zu sprechen», so Wood weiter. «Im Moment dürfte es für ihn unglaublich einsam sein, hirntötend banal und langweilig. Sobald er aber die Erlaubnis erhält, Kontakt mit anderen zu haben, wird jemand versuchen, ihn zu töten.»