Das Innenministerium meldete landesweit 58'600 Teilnehmer, davon 10'500 in Paris. In der Vorwoche waren es nach offiziellen Schätzungen noch rund 69'000.

In Paris kam es bei der Ankunft des Demonstrationszugs auf dem Place de la République zu Zusammenstössen mit der Polizei. Es gab laut Polizei 30 Festnahmen. Auf einem Spruchband forderten die Teilnehmer, den Einsatz von Gummigeschossen und Schockgranaten durch die Polizei bei Zusammenstössen am Rande der "Gelbwesten"-Proteste zu verbieten.

Der vergangene Woche während einer Demonstration schwer am Auge verletzte "Gelbwesten"-Anführer Jérôme Rodrigues wurde mit Applaus begrüsst, als er zu der Kundgebung erschien. Um ihre Solidarität mit Rodrigues und den mehr als 1900 Verletzten seit Beginn der Proteste im November zu verdeutlichen, hatten sich mehrere Teilnehmer einen Verband um ein Auge gelegt.

Gummigeschosse erlaubt

Frankreichs Innenminister Christophe Castaner hatte am Freitag den Einsatz der Gummigeschosse gegen "Randalierer" erneut verteidigt. Zugleich kündigte er an, "Missbräuche" zu ahnden. Der Pariser Staatsrat als oberstes Verwaltungsgericht hatte die Verwendung der Hartgummi-Munition am Freitag unter Verweis auf die Gewalt bei den Protesten erlaubt.

Die Hauptkundgebung am zwölften landesweiten Protesttag in Folge war in Valence südlich von Lyon geplant. Dort gingen nach Polizeiangaben 5400 Menschen auf die Strasse, 18 Menschen wurden festgenommen. In der Innenstadt galten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Fast alle Geschäfte hatten geschlossen. Manche Besitzer hatten ihre Läden mit Holzbrettern verbarrikadiert.

Im westfranzösischen Morlaix wurden zwei Menschen festgenommen, als Demonstranten eine Polizeiabsperrung stürmen wollten. Zwei Polizisten wurden dabei verletzt.

Ermittlung wegen "Schiess-Forderung"

In Marseille demonstrierten 2000 Menschen, in Montpellier waren es 400. In Toulouse, wo sich mehrere tausend "Gelbwesten" beteiligten, wurde eine Ermittlung wegen eines Videos eingeleitet, in dem Polizisten fordern, auf die Demonstranten "zu schiessen".

Die "Gelbwesten" fordern den Rücktritt von Präsident Emmanuel Macron und eine Stärkung der Kaufkraft der Franzosen. Am vergangenen Wochenende hatten sich landesweit nach Regierungsangaben 69'000 Menschen an den Demonstrationen beteiligt.