1. Trump macht, was er will

Trump alleine gegen die ganze Welt. «Heute erkennen wir das Offensichtliche an – dass Jerusalem die Hauptstadt Israels ist», erklärte US-Präsident Donald Trump seinen Entschluss. 

Trump kippt mit seiner Unterschrift eine jahrzehntelange US-Doktrin in Israel.

Trump kippt mit seiner Unterschrift eine jahrzehntelange US-Doktrin in Israel.

Offensichtlich ist aber auch, dass fast ausnahmslos alle Staaten der Welt für die Entscheidung Trumps nur Kopfschütteln übrig haben. So hat der UN-Sicherheitsrat für Freitag eine Dringlichkeitssitzung einberufen. 

Trump ist dies egal. Er soll seine Berater im Weissen Haus nur eine Stunde angehört haben, bevor er die Nahost-Politik der USA der letzten Jahrzehnte über den Haufen warf. 

Was kann Trump durch diesen Schritt überhaupt gewinnen? «Nichts. Weder ökonomisch noch machtpolitisch. Er will den Weg gehen, den er in seinem Wirtschaftsimperium auch gegangen ist: Er bestimmt und alle marschieren. Trump denkt, so funktioniere auch Politik», sagt der frühere Deutsche Botschafter in Israel, Rudolf Dressler, zur Süddeutschen Zeitung. Trump wolle mit diesem Schritt bloss die Beziehung zu Israels Premier Benjamin Netanjahu aufmöbeln. 

2. Der Friedensprozess ist tot

Nach Trumps Entscheid dürften die Friedensverhandlungen zwischen Israel und Palästina endgültig vorbei sein. Dies weiss man selbst im Weissen Haus. «Wir hoffen, dass die Verhandlungen nur vorübergehend ausgesetzt werden», erklärten Trump-Mitarbeiter gegenüber CNN. 

Aus Protest gegen die Jerusalem-Entscheidung Trumps haben die Palästinenser bereits zu einem Generalstreik und Demonstrationen aufgerufen. 

Darüber hört Trump wohl gerne hinweg. Seine Mitarbeiter sagten dem TV-Sender weiter, Trumps grosses Ziel sei, ein Friedensabkommen zu schliessen.

«Trump ist ein Spieler. Aber wer im Nahen Osten glaubt, spielen zu können, reitet auf einer Rasierklinge. Der US-Präsident scheint aus seinem sehr eingeengten Blickwinkel wirklich zu glauben, mit diesem Schritt das Spielfeld erweitern zu können», sagt Experte Dressler dazu. 

3. Trump pfeift auf seine Verbündeten

Selbst die engsten Verbündeten der USA in der muslimischen Welt schäumen vor Wut: «Dieser gefährliche Schritt ist eine Provokation für die Gefühle der Muslime weltweit», warnte etwa der saudische König Salman in einem Statement.

Saudi-König Salman ist «not amused».

Saudi-König Salman ist «not amused».

Für die Bemühungen, den Friedensprozess voranzubringen, sei sie ein grosser Rückschritt. Die US-Regierung wurde aufgefordert, die Entscheidung rückgängig zu machen. Die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem werde «gefährliche Folgen» haben.

4. USA gefährden sich selbst

Trump gefährdet mit dem Entscheid auch die Eigeninteressen. Denn die USA sind in ihrem Anti-Terror-Kampf auf ihre Verbündeten angewiesen. Der jordanische Geheimdienst etwa ist laut Experten eine wichtige Informationsquelle zum islamistischen Terror. Und Saudi-Arabien wird von Washington als «vitaler strategischer Partner in der Region» bezeichnet, Waffenverkäufe in Milliardenhöhe inklusive. Dieser Partner ist nun verärgert. 

5. «Historisch richtig» – Es gibt auch Zustimmung

Während Kommentatoren rund um den Globus ihre Bestürzung über Trumps Entscheid ausrücken, gibt es auch Applaus. 

«Historisch richtig», beurteilt etwa die deutsche Bild den Tabubruch Trumps. Es gebe keinen Grund, dass Israel als nahezu einziges Land der Welt seine Hauptstadt nicht selber wählen dürfe. Es sei «historischer Unfug», dass Jerusalem als israelische Hauptstadt die Zwei-Staaten-Lösung verunmögliche. 

Trumps Rede im Video.

Denn eine Zweistaaten-Lösung sei in den letzten 50 Jahren gescheitert, OBWOHL Jerusalem nicht als Hauptstadt anerkannt gewesen sei.

«Donald Trumps Mut zur Wahrheit»: Ins gleiche Horn bläst der Kommentator der Welt. Zwanzig Jahre der Realitätsverweigerung hätten den Frieden im Nahen Osten nicht näher gebracht. Es sei Zeit, die Realität anzuerkennen. Auch in Europa, appelliert die Welt. 

6. Ein Geschenk für Israel

Die israelischen Politiker sind natürlich erfreut über die Rückendeckung ihres wichtigsten Alliierten im Nahen Osten. So meinte etwa der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu: «Es gibt kein passenderes oder schöneres Geschenk, jetzt wo wir uns 70 Jahren Unabhängigkeit des Staates Israel nähern.»