Militäroffensive

Süd-Jemen will unabhängig werden: Seit Tagen toben Kämpfe – schon über 50 Tote

Ein Panzer in Aden: Seit Tagen toben Kämpfe in Süd-Jemen. EPA/Keystone

Ein Panzer in Aden: Seit Tagen toben Kämpfe in Süd-Jemen. EPA/Keystone

Nach der «Befreiung» der strategisch wichtigen Hafenstadt Aden wird die Lage in dem Bürgerkriegsland noch unübersichtlicher. Mehr als 50 Menschen sollen bei den Kämpfen in Aden bereits ums Leben gekommen sein.

Von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterstützte Separatisten haben am Dienstag Aden unter ihre Kontrolle gebracht. Nach übereinstimmenden Berichten arabischer Fernsehstationen konnten die radikalislamistischen Rebellen des «Hirak» (Bewegung für einen unabhängigen Süd-Jemen) die Truppen von Präsident Hadi aus allen wichtigen Stellungen in der strategisch wichtigen Hafenstadt vertreiben. Mehr als 50 Menschen sollen bei den seit Sonntag tobenden Kämpfen ums Leben gekommen sein. Auch der Präsidentenpalast in der provisorischen Hauptstadt des Jemen wurde von den Separatisten umzingelt, die Angestellten der Regierung unter Hausarrest gestellt.

Noch keine Reaktion aus Riad

Bereits am Montag hatte der «Hirak» seinen «grossen Sieg» verkündet, welcher von der Bevölkerung mit einen grossen Feuerwerk gefeiert wurde. Eine formelle Unabhängigkeitsproklamation liegt aber nicht vor. Auch die wichtigsten Unterstützter der Kampfparteien in Aden, die VAE und Saudi-Arabien, haben auf die dramatischen Ereignisse in Aden bisher nicht reagiert. Ein Regierungssprecher in Riad verkündete vage, dass die «Koalition die zur Wiederherstellung von Sicherheit und Stabilität notwendigen Schritte einleiten werde».

Dass die sogenannte «Koalition», welche vor gut drei Jahren von den Emiraten, Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten gebildet wurde, um die proiranischen Huthi aus der Hauptstadt Sanaa und anderen Landesteilen zu vertreiben, nur noch auf dem Papier besteht, wird verschwiegen. Abu Dhabi und Riad gehen im Süd-Jemen offenbar getrennte Wege.

Dem grössten und reichsten der sieben Arabischen Emirate scheint es inzwischen gelungen zu sein, alle wichtigsten Häfen im Süden des Jemen mithilfe der separatistischen Hirak-Rebellen zu kontrollieren. Für die Schaffung einer autonomen wirtschaftlichen Einflusszone am Golf von Aden sowie weiter westlich, am Eingang zum Roten Meer, nimmt Abu Dhabi die erneute Spaltung des Bürgerkriegslandes anscheinend billigend in Kauf.

Geld aus Abu Dhabi

Um die Wahrung wirtschaftsstrategischer Interessen ging es auch den Briten, die Aden mehr als 120 Jahre beherrscht hatten, ehe sie 1967 ihre Kronkolonie in die Unabhängigkeit entliessen. Neue Bündnispartner der sozialistischen Republik Süd-Jemen wurden die Sowjetunion, Kuba sowie die ehemalige DDR, die bis zur Wiedervereinigung des Jemen 1990 die Polizei und den Geheimdienst des südarabischen Landes aufgebaut hatte. Die Regierung in Sanaa spielte fortan die erste Geige im Jemen. Die Süd-Jemeniten fühlen sich nicht zu Unrecht als Bürger zweiter Klasse, was letztendlich auch zum Entstehen einer Separatisten-Bewegung führte, welche von Abu Dhabi nun finanziert und instrumentalisiert wird.

Für den jemenitischen Staatspräsidenten Hadi, der von seinem Exil in Riad die Geschehnisse im Süden seines Landes zu beeinflussen versucht, könnte die Machtübernahme des «Hirak» das endgültige politische Aus bedeuten. Hadi hatte mit einer Reihe von politischen Fehlentscheidungen den Machtzuwachs der Separatisten begünstigt.

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