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Streik in Frankreich geht weiter - Macron gerät in die Defensive

Am Gare de Lyon in Paris herrscht am Freitag tote Hose.

Am Gare de Lyon in Paris herrscht am Freitag tote Hose.

Der Widerstand gegen die Rentenreform von Emmanuel Macron geht in unverminderter Schärfe weiter. Frankreich stellt sich auf eine zweite Streikwoche ein.

Frankreich gerät ins Stocken. Am Freitag annullierte Air France 30 Prozent der Flüge; von den TGV- und Vorortszügen verkehrte nur jeder zehnte. In der Pariser Metro funktionierten nur zwei automatisierte von insgesamt 16 Linien. Auf den Einfallachsen um Paris kam es zu Monsterstaus von 350 Kilometer Länge. Viele Pendler, die am ersten Streiktag noch von zu Hause gearbeitet hatten, blieben stundenlang im Verkehrschaos stecken.

Und daran dürfte sich nicht so schnell etwas ändern. Die Pariser Metrobetriebe haben ihren Ausstand bereits bis Montagabend ausgedehnt. Bei der Bahn SNCF wird höchst wahrscheinlich bis und mit Dienstag gestreikt. In den meisten Schulen wird der Betrieb gestört bleiben. Mehrere Universitäten in Paris oder Lyon sind geschlossen.

Rentenreform wird kommende Woche vorgestellt

Die Gewerkschaften, die von den Gelbwesten-Protesten dieses Jahres auf dem falschen Fuss erwischt worden waren, fühlen sich gestärkt und ermutigt. CGT-Boss Philippe Martinez dachte am Freitag bereits laut über die Ausrufung eines Generalstreiks nach. Am Donnerstag, dem ersten Aktionstag, waren über eine Million - laut der Polizei über 800'000 - Reformgegner auf die Strasse gegangen. Darunter waren nicht nur Eisenbahner, Lehrer und Elektrizitätsangestellten, deren Vorteile Macron kappen will. Auch andere Franzosen verdächtigen Macron, dass seine Reform auf eine Senkung der Pensionen und eine faktische Erhöhung des Rentenalters hinauslaufen würde.

Die Regierung bestreitet dies. Premier Edouard Philippe gibt sich „ruhig und entschlossen“ und will die Gewerkschaften am Montag zu Gesprächen empfangen; die - bis heute nicht bekannte - Rentenreform will er sodann „Mitte Woche“ präsentieren. Damit strapaziert er die Nerven vieler Franzosen, die auf die Feiertage hin alles andere als eine Verlängerung der Streiks und Blockaden wollen. Macron hat indessen keine Chance, seine Reform durchzubringen, wenn sich die öffentliche Meinung gegen ihn wendet. Drei Viertel der Franzosen halten eine Reform zwar für unumgänglich, da die „Spezialregime“ etwa der Matrosen bis auf die Zeit von Sonnenkönig Ludwig XIV. zurückgehen. Nur eine Minderheit der Befragten haben aber „Vertrauen“, dass Macron die angestrebte Vereinheitlichung gerecht gestalten würde.

Le Pen unterstützt Gewerkschaften

Am Samstag wird der Druck auf die Staatsführung weiter steigen, wenn die Gelbwesen ihrerseits zu neuen Protesten aufrufen. Nach ersten Krawallen am Donnerstag könnte auch der „Schwarze Block“ von neuem zuschlagen.

Macron ist zudem politisch isoliert. Sogar die Rechtspopulistin Marine Le Pen stellte sich hinter die ehemalige kommunistische Gewerkschaft CGT. Die Pariser Medien erwarten, dass der Staatschef früher oder später starke Abstriche an seinen Rentenplänen vornehmen wird. An der Einführung eines Punktesystems - es schüttet bei der Pensionierung soviel Geld aus, wie der oder die einzelne das Leben über einbezahlt hat - könnte er zwar festhalten. Den Kernpunkt der Reform, die Auflösung der „régimes spéciaux“ für Eisenbahner und andere, könnte er aber bis 2040 aufschieben - das heisst bis zum Sankt-Nimmerleinstag.

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