Libyen

Schwere Kämpfe in Gaddafi-Heimatstadt Sirte

Rebellen feuern von ihren Geländewagen Schüsse ab

Rebellen feuern von ihren Geländewagen Schüsse ab

Truppen des libyschen Übergangsrats und Anhänger des gestürzten Machthabers Muammar al-Gaddafi haben sich am Samstag schwere Kämpfe in Gaddafis Heimatstadt Sirte geliefert. Nach einem Bericht des Nachrichtensenders Al-Dschasira leisteten im Stadtzentrum verschanzten Gaddafi-Milizen erbitterten Widerstand.

Vor allem auf Dächern postierte Heckenschützen bereiteten den Truppen des Übergangsrats erhebliche Schwierigkeiten. Die Heckenschützen würden auch Zivilisten unter Beschuss nehmen, die aus der Kampfzone flüchten wollten.

Hunderten Zivilisten gelang die Flucht vor den Kämpfen. Um ihre Sicherheit zu gewährleisten, rief die Übergangsregierung einen zweitägigen Waffenstillstand aus. Kämpfer der Regierung berichteten, NATO-Flugzeuge hätten Flugblätter abgeworfen, auf denen die Bewohner der 100'000-Einwohner-Stadt zur Flucht aufgefordert wurden.

Viele der Geflohenen berichteten über katastrophale Zustände in der Stadt. Die Nahrungsmittelvorräte werden demnach zunehmend knapp. Ausserdem soll die Versorgung mit Elektrizität und mit Trinkwasser zusammengebrochen sein.

IKRK liefert Hilfsgüter

Auch eine IKRK-Delegation, die in den westlichen Teil von Sirte vorgedrungen war, berichtete von einer "sehr schlechten" Lage der Zivilbevölkerung. Der Zustrom an verletzten Menschen sei sehr hoch, berichteten die Helfer.

Trotz der Kämpfe gelang es einem mit medizinischen Gütern beladenen Lastwagen und zwei Fahrzeugen, Hilfsgüter in die umkämpfte Stadt zu bringen. Mit dem Material könnten 200 verletzte Menschen gepflegt werden, schrieb das IKRK in einer Mitteilung. Zudem brachte die Delegation 400 Liter Benzin für den Generator des Spitals mit.

Offiziere der provisorischen Regierung hatten ihnen die Weiterfahrt in Aussicht gestellt, sobald es die Lage erlaube. Allerdings dauerten die Kämpfe an. Dennoch machten sich die IKRK-Mitarbeiter in die Stadt auf.

Gaddafi-Sprecher frei

Der libysche Übergangsrat dementierte unterdessen Berichte über die Festnahme des früheren Gaddafi-Regierungssprechers Mussa Ibrahim. Zwar seien einige Familienmitglieder von Mussa Ibrahim aufgegriffen worden, nicht aber Gaddafis Sprecher selbst, teilte der Übergangsrat am Samstag nach Angaben des Senders Al-Arabija mit.

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