Kandidatur

Rubio will US-Präsident werden – es wäre ein amerikanischer Traum

Nun steigt auch der junge Senator Marco Rubio aus Florida ins Rennen um die US-Präsidentschaft. Die Zeit für einen Generationswechsel in Washington sei reif. Der Republikaner punktet vor allem mit seiner Biografie.

Der Kontrast ist augenfällig. Hier der 43-jährige Senator, Vater von vier jungen Kindern, verheiratet mit einer ehemaligen Cheerleaderin.

Dort die 67-jährige Ex-Aussenministerin, deren Familie das politisch interessierte Amerika seit fast drei Jahrzehnten in Atem hält. Kein Wunder, sah Marco Rubio, der seit 2011 amtierende Senator aus Florida, keinen Anlass, seine Pläne zu ändern, nachdem Hillary Clinton am Sonntag ihre Präsidentschaftskandidatur öffentlich gemacht hatte.

Ganz im Gegenteil. Rubio kündigte in der Nacht auf Dienstag an einer Veranstaltung in Miami (Florida) offiziell an, auch er bewerbe sich um das Weisse Haus. Und er sagte in deutlichen Worten, die Zeit für einen Generationswechsel in Washington sei reif. «Während unsere Bevölkerung und unsere Wirtschaft die Grenzen des 21. Jahrhunderts sprengen, stecken zu viele unserer führenden Politiker und ihre Ideen im 20. Jahrhundert fest», sagte er.

Reupublikaner Marco Rubio will US-Präsident werden

Republikaner Marco Rubio will US-Präsident werden

Das Milchbubi-Gesicht

Es ist einfach, sich lustig zu machen über Rubios Ambitionen. Der junge Mann mit dem Milchbubi-Gesicht scheint stets in Eile zu sein – und obwohl er seit den späten Neunzigerjahren in der Lokalpolitik seines Heimatstaates Florida mitmischt, ist er landesweit ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Dies könnte sich aber rasch ändern.

Denn Rubio besitzt die seltene Gabe, das Publikum mit seinen Worten zu fesseln. Man kann dies Charme nennen oder Charisma; Tatsache ist, dass der Republikaner gerne über seine Lebensgeschichte spricht und dabei Punkte sammelt.

Das hat mit der Herkunft seiner Eltern zu tun, die aus einfachen Verhältnissen stammen und in den Fünfzigerjahren vor dem rechtsgerichteten Diktator Fulgencio Batista aus Kuba nach Amerika flüchteten. Er war Barkeeper, sie putzte Hotelzimmer, pflegt Rubio zu erzählen, um dann zu sagen: nur in Amerika könne jemand aus dieser sozialen Schicht innerhalb einer Generation an die Spitze der amerikanischen Politik aufsteigen. (Dies weckt Erinnerungen an den Obama-Wahlkampf im Jahr 2008.)

Rubio ist nach einem Leben in der Politik mit allen Wassern gewaschen. Deshalb stieg der Protegé des ehemaligen Gouverneurs Jeb Bush 2007 zum Vorsitzenden (Speaker) des Repräsentantenhauses des Bundesstaates Florida auf.

Dann folgte drei Jahre später die Wahl in den Senat, nach einem hart geführten Ausscheidungsprozess innerhalb der Republikanischen Partei. (Rubio gelang es, den Favoriten des Parteiestablishments zu verdrängen, den damaligen Gouverneur Charlie Crist. Dieser war darüber derart verärgert, dass er den Republikanern den Rücken kehrte und schliesslich in die Demokratische Partei eintrat. Aber das ist eine andere Geschichte.)

In der kleinen Parlamentskammer in Washington gab Rubio den Reformer, der heisse Eisen anpackte, zuvorderst die Reform des Einwanderungsrechts. Dabei scheiterte er letztlich – Rubio hatte den Widerstand an der Parteibasis unterschätzt –, aber er positionierte sich dabei als Bindeglied zwischen dem rechten und dem moderaten Flügel seiner Partei.

Rubio ist nach Ted Cruz und Rand Paul der dritte Senator im Feld der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten. In den Meinungsumfragen rangiert er bisher im Mittelfeld. Dies wird sich aber rasch ändern.

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