Fahndungserfolg

«Nummer 1 des IS in Deutschland» festgenommen

Abu Walaa achtet in seinen Videos darauf, dass sein Gesicht nicht zu sehen ist. youtube

Abu Walaa achtet in seinen Videos darauf, dass sein Gesicht nicht zu sehen ist. youtube

Nach monatelangen Ermittlungen ist deutschen Fahndern ein Schlag gegen die Islamisten gelungen.

Der 32-jährige Iraker hat viele Namen: Man nennt ihn den «Prediger ohne Gesicht», den «Scheich von Hildesheim» oder einfach «Abu Walaa, der Iraker». Tatsächlich heisst der Mann Ahmad Abdelaziz A. Er gilt als wichtige Figur der deutschlandweit einflussreichen Islamisten-Szene in der niedersächsischen Staat Hildesheim.

In den sozialen Netzwerken predigt er einen radikalen Islam, hetzt gegen «Ungläubige» und gibt «Ehetipps». Dabei achtet er darauf, dass sein Gesicht in seinen Videos nie zu sehen ist. Gestern nun liess die Bundesanwaltschaft Abu Walaa und vier weitere Männer bei einer Razzia in den Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen festnehmen. Sie sollen Freiwillige für die Terrormiliz IS rekrutiert haben.

«Kopf eines Netzwerks»

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft sollen Abu Walaa und seine Helfer mindestens einen jungen Salafisten und seine Familie zum IS geschleust haben. Dieser, ein 22-jähriger Deutscher namens Anil O., reiste im August 2015 über die Türkei nach Syrien. In einem Trainingscamp des IS soll er den Umgang mit Waffen gelernt haben.

Im Dezember 2015 flüchtete Anil O. jedoch vor dem IS und reiste über die Türkei nach Deutschland zurück, wo er festgenommen wurde. In den Verhören bezeichnete Anil O. Abu Walaa «als die Nummer eins des IS in Deutschland». Sicherheitskreise halten das zwar für übertrieben. Generalbundesanwalt Peter Frank hält ihn aber für den «führenden Kopf eines Netzwerks», das in Deutschland Gotteskrieger rekrutiert.

Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière bezeichnete die Verhaftungen als wichtigen Erfolg. Diese gute Nachricht zeige, dass die Sicherheitsbehörden «aktiv, entschlossen und wachsam» seien.

Moschee durchsucht

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ermittelte seit Herbst 2015 gegen Abu Walaa und seine mutmasslichen Helfer. Erst Ende Juli hatte es Durchsuchungen gegeben. Unter anderem wurde eine Moschee in der Hildesheimer Nordstadt durchsucht, die als deutschlandweit bedeutender Treffpunkt der salafistischen Szene gilt.

Sicherheitsbehörden hätten schon länger beobachtet, dass es im zeitlichen Umfeld zu Islamseminaren des Predigers in der Hildesheimer Moschee zu Ausreisen in Richtung Syrien gekommen war.

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