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Nach Stuttgart jetzt Frankfurt: Zweite Gewaltnacht schockt Deutschland

Blinde Zerstörungswut verwandelte den Opernplatz in Frankfurt Samstagnacht in ein Schlachtfeld. Jugendliche randalierten hemmungslos.

Blinde Zerstörungswut verwandelte den Opernplatz in Frankfurt Samstagnacht in ein Schlachtfeld. Jugendliche randalierten hemmungslos.

Wieder randalieren Hunderte Jugendliche, viele davon mit Migrationshintergrund. Ein Experte warnt vor «französischen Verhältnissen».

Dieses Mal waren es noch einmal mehr. Randalierten in Stuttgart Ende Juni noch rund 500 Jugendliche, waren es an diesem Wochenende in Frankfurt bis zu 800 junge Leute, die sich gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei lieferten.

Auf dem Opernplatz mitten in der hessischen Finanzmetropole spielten sich in der Nacht zum Sonntag wüste Szenen ab. Zwei Gruppen gerieten aneinander, ein Jugendlicher ging dabei zu Boden. Als die Polizei einschritt und dem blutenden Jugendlichen helfen wollte, richtete sich die Gewalt plötzlich gegen sie. Die jungen Leute attackierten die Beamten, warfen Flaschen und Gegenstände. Der Polizei gelang es erst mit einem Grossaufgebot, die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Es sei «sehr schlimm, was sich heute Nacht entladen hat», sagte Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill. Besonders schmerzlich sei, «dass die gesamte Menschenmenge johlt und Beifall klatscht, wenn unsere Kolleginnen und Kollegen von Flaschen getroffen werden».

Die Bilanz der Gewaltnacht: Fünf verletzte Polizisten, beschädigte Fahrzeuge, zerschmetterte Glasscheiben rund um den Platz vor der Alten Oper. 39 Verdächtige wurden ermittelt – eine Frau und 38 junge Männer zwischen 17 und 23 Jahren.

Die Vorfälle erinnern an die Ausschreitungen in Baden-Württembergs Landeshauptstadt Stuttgart: Dort kam es Ende Juni zu massiven Ausschreitungen, als sich Hunderte Jugendliche nach einer Drogenkontrolle zusammenschlossen und die Polizei angriffen. Wie in Stuttgart, waren auch in Frankfurt auffallend viele junge Männer mit Migrationshintergrund darunter. Laut der Frankfurter Polizei gar eine grosse Mehrheit.

Konfliktforscher mahnt: Probleme nicht verschleiern

Ein Umstand, der thematisiert werden müsse, meint Konfliktforscher Stefan Luft von der Uni Bremen. «Probleme mit einzelnen Gruppen und Ursachen von Aggressivität dürfen nicht verschleiert werden», sagt er zu CH Media. Dies sorge höchsten dafür, «dass die Probleme irgendwann ausser Kontrolle geraten».

Dass Jugendliche mit Migrationshintergrund den grössten Teil der Krawallmacher von Stuttgart und Frankfurt ausmachen, liegt laut Luft zum einen daran, dass diese «häufig überdurchschnittlich gewaltbereit sind». Gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen aus der Herkunftsgesellschaft spielten hier eine grosse Rolle, sagt der Konfliktforscher. Zum anderen seien diese Tatverdächtigen häufig «Verlierer».

«Die Erwartungen, mit denen sie gekommen sind, haben sich nicht erfüllt. Sie suchen die Verantwortung dann nicht bei sich selbst, sondern bei der Aufnahmegesellschaft. Sie sehen sich als Opfer und meinen, sie seien benachteiligt, weil sie Muslime oder weil sie Fremde seien. Das ist aber ein Fehlschluss», so Luft. Mit der massiven Zuwanderungswelle von 2015/16 habe sich die Lage zudem noch erschwert. Die Coronaauflagen und eine in bestimmten Gruppen junger Leute durchaus ausgeprägte Stimmung gegen die Polizei trügen ihren Teil zur Eskalation bei, sagt Luft.

Kommt es zu weiteren Krawallen?

In Städten wie Stuttgart und Frankfurt stellt sich nun die Frage, wie solche Gewaltausbrüche künftig verhindert werden können. Beliebte Plätze nachts abzusperren, dürfte das Problem allein nicht lösen.

Stefan Luft fürchtet gar weitere Krawalle: «Es ist zumindest nicht unwahrscheinlich, dass das keine einzelnen Vorfälle bleiben», sagt er. «Wird nicht wirksam gegengesteuert, könnten sich sozialen Verhältnisse in einzelnen Stadtvierteln so verfestigen, dass dann vergleichbare Konsequenzen wie in Frankreich haben könnte.» In den dortigen Banlieues gehören Gewaltausbrüche fast schon zum Alltag. Noch ist es in Deutschland nicht so weit. Aber «die Gefahr ist hoch», sagt Luft.

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Autor

Fabian Hock

Fabian Hock

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