Grossbritannien

Nach Camerons Sieg: Gegner Miliband, Farage und Clegg treten sofort zurück

Der alte und neue Premierminister Grossbritanniens: David Cameron.

Der alte und neue Premierminister Grossbritanniens: David Cameron.

Die Konservative Partei von Premierminister David Cameron hat überraschend die britischen Parlamentswahlen gewonnen und das absolute Mehr erreicht. Seine drei Konkurrenten Ed Miliband, Nigel Farage treten nach ihren Wahlschlappen zurück.

Vor Auszählung der letzten 15 der insgesamt 650 Wahlkreise hatten die Tories bereits 326 gewonnen. Für eine absolute Mehrheit braucht es eigentlich 326 Sitze. Weil die vier gewählten Vertreter der nordirischen Sinn-Fein-Partei ihre Sitze in Westminster traditionell nicht einnehmen, genügen faktisch jedoch bereits weniger Sitze für eine absolute Mehrheit.

"Das war eine sehr starke Nacht für die Konservativen", sagte Cameron, nachdem er als Sieger in seinem Wahlkreis Witney feststand. "Dies ist der süsseste Sieg von allen", sagte er in der Dankesrede vor seinem Wahlkampfteam.

EU-Referendum wird kommen

Cameron kündigte unmittelbar nach Feststehen des Gewinns seines Direktmandates an, er halte an seinem Versprechen fest, den Verbleib Grossbritanniens in der EU in einem Referendum zur Wahl zu stellen.

Unter dem Eindruck eines erdrutschartigen Sieges der Unabhängigkeitspartei SNP in den schottischen Wahlkreisen erklärte Cameron in seiner ersten Reaktion die Einheit Grossbritanniens zum wichtigsten Ziel für die kommenden Jahre. Die SNP errang 56 der 59 in Schottland zu vergebenden Mandate.

Bereits am Mittag wollte Cameron Königin Elizabeth II. treffen. Es wird erwartet, dass die Monarchin Cameron beim Treffen im Buckingham Palast um 12.30 Uhr Ortszeit (13.30 Uhr MESZ) offiziell erneut mit der Regierungsbildung beauftragt.

Miliband tritt per sofort zurück

Labour-Chef Ed Miliband, dessen Partei die Prognosen nur um die 230 Sitze zusprechen, räumte seine Niederlage indirekt ein. "Wir haben nicht die Gewinne in England und Wales erreicht, die wir erhofft hatten", sagte Miliband. Er sprach von "einer schwierigen Nacht" für Labour.

«I feel ready – ich bereit»: Mit diesem Video porträtierte die Labour-Party Ed Miliband noch Ende April.

«I feel ready – ich bereit»: Mit diesem Video porträtierte die Labour-Party Ed Miliband noch Ende April.

«Grossbritannien braucht eine starke Labour-Partei. Es ist nun Zeit, dass jemand anders die Partei führt», erklärte Miliband am Freitagnachmittag seinen Rücktritt vor den Medien. Dieser sei ab sofort.

Ed Miliband: «Eine schwierige und enttäuschende Nacht»

Ed Miliband: «Eine schwierige und enttäuschende Nacht»

Die Parteileitung werde ad interim Fraktionschefin Harriet Harman übernehmen.  Der frühere Labour-Finanzminister Ed Balls schaffte nicht einmal den Wiedereinzug ins Parlament. Labour schnitt nur in der Hauptstadt London besonders gut ab, wo die Sozialdemokraten 45 der 73 zu vergebenden Sitze bekamen.

Labour-Chef Ed Miliband

Labour-Chef Ed Miliband

Meinungsumfragen hatten bis zur Öffnung der Wahllokale einen deutlich knapperen Ausgang vorhergesagt. "Viele sagen: Die einzige Meinungsumfrage, die wirklich zählt, ist diejenige am Wahltag. Ich bin nicht sicher, ob dies jemals mehr wahr war", sagte Wahlsieger Cameron. Die Londoner Börse reagierte fast euphorisch auf das Ergebnis. Das britische Pfund legte im Vergleich zum Euro deutlich zu.

Auch der Rechtspopulist geht

Enttäuschend verlief die Wahlnacht für die bisher mitregierenden Liberaldemokraten. Sie verlieren einen Grossteil ihrer bisher 57 Sitze und entsenden nur noch etwa zehn Parlamentarier. Auch Wirtschaftsminister Vince Cable und Finanz-Staatssekretär Danny Alexander verloren ihre Mandate.

Die rechtspopulistische Partei UKIP muss um den Einzug ins Parlament bangen. Parteichef Nigel Farage jedenfalls wurde in seinem Wahlkreis South Thanet an der britischen Ostküste nicht gewählt. Vor der Wahl hatte der EU-Parlamentarier Farage angekündigt, vom UKIP-Parteivorsitz zurückzutreten, sollte er sein Direktmandat nicht gewinnen.

Und er hat es tatsächlich getan: Ukip-Chef Nigel Farage ist nach seiner Nicht-Wahl zurückgetreten.

Tweet miliband

Der Vorsitzende der eurokritischen Partei verlor mit 32 Prozent der Stimmen bei der Unterhauswahl in seinem Wahlkreis an der britischen Ostküste. Der Kandidat der Konservativen Partei, Craig Mackinlay, konnte sich mit 38 Prozent den Einzug ins Parlament sichern.

«Ich gratuliere dem Premierminister dazu, dass er eine Mehrheit erlangt hat», sagte Farage nach der Niederlage. Überraschend schob er nach: «Mir fällt eine grosse Last von den Schultern – ich habe mich nie besser gefühlt.»

Auch bisherhiger Koalitions-Partner geht

Der bisherige Koalitionspartner von Cameron, Clegg, zahlte einen hohen Preis für seine Regierungsbeteiligung. Den Liberalen blieben noch acht von bisher 56 Parlamentssitzen. "Das ist der härteste Schlag seit der Parteigründung", sagte Clegg, dessen Partei 1988 entstanden war. Auch Clegg ist nach der Verkündung der Ergebnisse zurückgetreten.

Ukip-Chef Nigel Farage

Ukip-Chef Nigel Farage

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