Bei vielen Rednern sass der Schmerz noch tief, das wurde in den Reden am Mittwoch immer wieder deutlich. Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, warf den deutschen Sicherheitskräften schwere Versäumnisse vor.

Am 5. September 1972 hatten palästinensische Terroristen Mitglieder der israelischen Olympiamannschaft im Olympischen Dorf als Geiseln genommen. Der Anschlag endete auf dem Militärflughafen von Fürstenfeldbruck in einem Blutbad. 17 Menschen, darunter fünf Terroristen und ein Polizist, kamen ums Leben.

"Die Sicherheitsbehörden damals zeigten einen desaströsen Dilettantismus, wie wir ihn uns niemals hätten vorstellen können", sagte Graumann bei der zentralen Gedenkfeier in Fürstenfeldbruck. "Und von Selbstkritik keine Spur."

Kaltherzig

Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die Spiele nach kurzer Unterbrechung fortzusetzen, nannte Graumann kalt. Der Satz "The games must go on" von IOC-Präsident Avery Brundage habe ausgedrückt, "dass jüdisches Blut billig war in den Augen der Welt".

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, verteidigte das IOC. Es habe damals nicht resigniert und deshalb die Spiele fortgesetzt - als entschlossenes Zeichen im Kampf gegen den Terrorismus.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, sagte: "Der Mensch war, ist und bleibt zu Unmenschlichkeit imstande." Es sei kein Attentat auf Israel oder die Juden gewesen. "Es war ein Anschlag auf alle."

Die Gedenkfeierlichkeiten begannen mit einer Kranzniederlegung im Olympischen Dorf. Zwischen den Reden gab es einen gemeinsamen Gottesdienst für Christen und Juden und immer wieder musikalische Einlagen.

Zur Wachsamkeit aufgerufen

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) rief zu Wachsamkeit wegen der anhaltenden Gefahr terroristischer Anschläge auf. Besonders gefährdet seien israelische und jüdische Einrichtungen.

Seehofer versicherte: "Wir in Bayern werden auch in Zukunft alles dafür tun, dass antisemitischer Hass und rechtsextreme Tendenzen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben." Er setze sich zudem nachdrücklich dafür ein, dass die Israelis in sicheren Grenzen und in Frieden leben können. Seehofer kündigte auch den Bau eines "Gedenkraums" für die Opfer des Attentats an.

An der Gedenkfeier in Fürstenfeldbruck nahmen neben Angehörigen der Opfer und Überlebenden unter anderem auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und Israels Vizeministerpräsident Silvan Schalom teil.