Aus Sicherheitskreisen hiess es, die französische Luftwaffe habe den malischen Truppen den Weg frei machen müssen. Konna war am 10. Januar überraschend von islamistischen Milizen eingenommen worden. Aus Sorge vor einem weiteren Vorrücken nach Süden griff Paris daraufhin militärisch ein.

Eine zweite Stadt wurde am Freitag von den Islamisten zurückerobert. Zusammen mit einheimischen Truppen hätten französische Truppen am Freitag die Kontrolle über Diabaly erlangt, sagte der Bürgermeister des Ortes, Oumar Diakite, der Nachrichtenagentur Reuters.

Rebellen unterschätzt

Frankreich hatte die Stärke der islamistischen Rebellen nach Angaben von Diplomaten zunächst unterschätzt. Die Kämpfer seien gut ausgerüstet, ausgebildet und entschlossen gewesen, sagte ein hochrangiger französischer Diplomat der Nachrichtenagentur Reuters.

Unterdessen kündigte die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS am Freitag an, die Stationierung ihrer Eingreiftruppe in Mali zu beschleunigen.

Die "kriminellen und terroristischen Bewegungen" hätten durch ihre Ablehnung des Friedensangebots den Krieg erzwungen, sagte ECOWAS-Kommissionspräsident Désiré Kadré Ouédraogo zu Beginn eines Krisentreffens in Abidjan in der Elfenbeinküste. Daher solle die Entsendung der Internationalen Unterstützungsmission für Mali (MISMA) beschleunigt werden.

Westafrikanische Soldaten angekommen

Die ersten hundert Soldaten aus Nigeria und Togo trafen am Donnerstagabend in Malis Hauptstadt Bamako ein. Nigerias Präsident Goodluck Jonathan kündigte am Freitag an, 1200 statt wie bisher geplant 900 Soldaten zu stellen. Bis zum 26. Januar sollen 2000 Soldaten entsandt werden, langfristig soll die MISMA mehr als 3000 Soldaten umfassen. Der Tschad, der nicht zur ECOWAS gehört, will seinerseits 2000 Soldaten stellen.

Die MISMA soll die malische Armee bei der Rückeroberung des Nordens unterstützen, der seit April unter der Kontrolle islamistischer Milizen steht.

Deutsche Transportflugzeuge

Frankreich hat 1400 Soldaten vor Ort, ihre Zahl soll demnächst auf 2500 steigen. Deutschland und andere EU-Staaten wollen logistische Hilfe leisten, jedoch keine Kampftruppen schicken. Mitte Februar soll aber eine EU-Ausbildungsmission für die malische Armee beginnen.

Am Donnerstagabend starteten die beiden deutschen Transall-Transportflugzeuge zur Unterstützung des ECOWAS-Einsatzes von ihrem Stützpunkt in Schleswig-Holstein. Nach Angaben der Bundeswehr flogen sie zunächst ins französische Evreux-Fauville, um dort Sanitätsmaterial der französischen Streitkräfte einzuladen. Am Freitag sollten sie nach Afrika weiterfliegen.

Flucht vor der Scharia

Die UNO rechnet in den kommenden Monaten mit rund 700'000 zusätzlichen malischen Flüchtlingen. "Wir denken, dass es in naher Zukunft bis zu 300'000 zusätzliche Vertriebene innerhalb von Mali sowie mehr als 400'000 weitere Flüchtlinge in den Nachbarländern geben könnte", sagte die Sprecherin des UNO-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), Melissa Fleming in Genf.

Nach UNO-Angaben gibt es in Mali bereits 229'000 Vertriebene sowie 147'000 Flüchtlinge in den Nachbarstaaten.

Die ehemalige französische Kolonie ist seit März gespalten. Damals nutzten Tuareg-Rebellen ein Machtvakuum nach einem Militärputsch, um den Norden unter ihre Kontrolle zu bringen. Inzwischen haben sich dort islamische Fundamentalisten durchgesetzt, die mit Gewalt die islamische Rechtsprechung der Scharia durchsetzen wollen. Augenzeugen berichteten von Bestrafungen durch abgehackte Gliedmassen und von zahlreichen Vergewaltigungen.