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Macron fordert Corona-Impfstoff auch für arme Länder

Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, äußert sich beim Pariser Friedensforum im Elysee-Palast. Beim Friedensforum, zu dem rund 60 Chefs von Staaten, Regierungen oder internationalen Organisationen erwartet werden, geht es vor allem um eine internationale Antwort auf die Corona-Krise. Foto: Ludovic Marin/POOL AFP/AP/dpa

Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, äußert sich beim Pariser Friedensforum im Elysee-Palast. Beim Friedensforum, zu dem rund 60 Chefs von Staaten, Regierungen oder internationalen Organisationen erwartet werden, geht es vor allem um eine internationale Antwort auf die Corona-Krise. Foto: Ludovic Marin/POOL AFP/AP/dpa

Im internationalen Wettlauf um einen Corona-Impfstoff dürfen nach den Worten von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron arme Länder nicht auf der Strecke bleiben.

Für diese Staaten müssten ausreichend Impfdosen produziert werden, forderte der 42-Jährige am Donnerstag bei der Eröffnung des Pariser Friedensforums. "Wir werden gegen das Virus nicht gewinnen, wenn wir einen Teil der Menschheit im Stich lassen", warnte er.

Die neuseeländische Regierungschefin Jacinda Ardern fügte hinzu: "Niemand ist sicher, bevor wir nicht alle sicher sind." Der Chef der Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, warnte eindringlich vor einem "Impfstoff-Nationalismus". Die Pandemie drohe damit verlängert zu werden. "Einige Länder kaufen mehr Impfstoffe im Voraus, in Mengen, die mehr als das Doppelte der Bevölkerung ausmachen(...)", sagte er.

Bundesaussenminister Heiko Maas (SPD) machte deutlich, dass er nach dem Sieg von Joe Biden gegen Donald Trump bei der US-Präsidentenwahl auf Verbesserungen bei der internationalen Pandemiebekämpfung setzt. Die WHO könnte wieder eine stärkere Rolle einnehmen, sagte er bei dem Forum. Sowohl Vorsorge als auch die Handlungsfähigkeit der WHO bei weltweiten Gesundheitskrisen könnten verbessert werden: "Und nach den US-Wahlen in der letzten Woche bin ich zuversichtlich, dass wir bei dieser Anstrengung auch wieder auf unsere amerikanischen Freunde werden zählen können."

Unter Trump haben die USA ihren Austritt aus der WHO eingereicht. Trump warf der Organisation vor, zu spät über die Gefahr des Coronavirus informiert zu haben. Biden will aber mit der WHO weiter zusammenarbeiten.

"Seit fast einem Jahr haben wir eine Pandemie, die die Welt in einer noch nie da gewesenen Weise heimgesucht hat", bilanzierte Macron. Er habe sich unmittelbar vor dem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen ausgetauscht. Merkel sprach entgegen einer ersten Ankündigung nicht bei der presseöffentlichen Auftaktveranstaltung.

Macron wies auf das Projekt ACT Accelerator (ACT-A) der WHO hin, das Forschung und Entwicklung in der Corona-Pandemie in drei Säulen beschleunigen soll - Tests, Medikamente und Impfstoffe. Das Projekt soll auch die faire Verteilung weltweit sicherstellen. Nach Angaben der Veranstalter sollten in Paris zugunsten von ACT-A mindestens 500 Millionen US-Dollar (rund 424 Millionen Euro) von internationalen Gebern zugesagt werden. Der WHO-Chef gab zu bedenken, es gebe einen Finanzierungsbedarf bei ACT-A von 28,5 Milliarden US-Dollar, davon seien 4,5 Milliarden Dollar dringend nötig.

Deutschland und die übrigen EU-Staaten hatten am Mittwoch bis zu 300 Millionen Dosen des vielversprechenden Corona-Impfstoffs der Unternehmen Biontech und Pfizer gekauft. Die EU-Kommission billigte dazu formal einen Rahmenvertrag.

EU-Ratschef Charles Michel, der in kleiner Runde mit Macron im Élyséepalast zusammenkam, brachte einen internationalen Vertrag gegen Pandemien ins Spiel, um schneller handeln zu können.

Beim Friedensforum wurden bis zum Freitag rund 60 Chefs von Staaten, Regierungen oder internationalen Organisationen erwartet. Das Treffen findet wegen der Corona-Krise als Videokonferenz statt; Macron hatte es 2018 aus der Taufe gehoben.

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