Flüchtlinge

Laut UNO steuert die Welt auf neuen Flüchtlingsrekord von über 60 Millionen zu

Solche Bilder haben das Jahr geprägt: Flüchtlinge kommen auf der griechischen Insel Lesbos an. (Archiv)

Solche Bilder haben das Jahr geprägt: Flüchtlinge kommen auf der griechischen Insel Lesbos an. (Archiv)

2015 dürfte die Zahl der Flüchtlinge nach Schätzung der UNO auf den höchsten Stand aller Zeiten steigen: Erstmals könnte sie die 60-Millionen-Marke überspringen, teilte das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Freitag mit.

Auf 122 Menschen weltweit kommt laut UNO ein Mensch, der auf der Flucht ist. Hauptursache sei der Syrien-Krieg. Doch selbst ohne Berücksichtigung des Konflikts nähmen Flucht und Vertreibung zu. Es sei nie wichtiger gewesen als jetzt, "Toleranz, Mitgefühl und Solidarität gegenüber den Menschen zu zeigen, die alles verloren haben", sagte UNO-Flüchtlingskommissar António Guterres.

Die Rekordschätzung basiert auf dem UNHCR-Halbjahresbericht, der die ersten sechs Monate dieses Jahres umfasst. Allein zwischen Januar und Juni 2015 mussten mindestens fünf Millionen Menschen ausser Landes oder innerhalb ihrer Heimatländer fliehen.

Die Gesamtzahl der Flüchtlinge überstieg Mitte 2015 mit 20,2 Millionen Menschen weltweit zum ersten Mal seit 1992 die 20-Millionen-Marke. Die Zahl der Binnenvertriebenen erhöhte sich um zwei Millionen auf geschätzte 34 Millionen Menschen.

Die Zahl der Asylanträge sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 78 Prozent auf 993'600 geklettert. Die meisten seien in Deutschland gestellt worden.

Dabei spiegle der Bericht die aktuellen Fluchtbewegungen über das Mittelmeer nach Europa nur teilweise wider, da die Ankünfte erst in der zweiten Jahreshälfte stark angestiegen seien. Insgesamt werden allein in Deutschland 2015 mehr als eine Million Flüchtlinge erwartet.

Warnung vor Instrumentalisierung

Bei allen aufgeführten Gruppen - Flüchtlingen, Asylsuchenden und Binnenvertriebenen - sei ein alarmierender Anstieg zu verzeichnen, teilte das UNHCR mit. Damit werde auch der Druck auf die Aufnahmeländer immer grösser. Ohne entsprechende Massnahmen bestehe die Gefahr, dass Flüchtlinge auf Ablehnung stiessen und für politische Zwecke instrumentalisiert würden.

"Flucht und Vertreibung prägen unsere Zeit", sagte Guterres. Millionen Menschen seien betroffen, sowohl jene, die zur Flucht gezwungen worden seien als auch jene, die ihnen Zuflucht und Schutz gewährten.

Den Grossteil der Verantwortung für die Aufnahme tragen dem Bericht nach die Länder, die unmittelbar an die Konfliktzonen angrenzen. In absoluten Zahlen habe die Türkei bis zum 30. Juni mit 1,84 Millionen die meisten Flüchtlinge unter UNHCR-Mandat aufgenommen.

Im Verhältnis der Flüchtlingszahl zur einheimischen Bevölkerung nahm der Libanon mit 209 Flüchtlingen pro 1000 Einwohnern die meisten Menschen auf. Mit 469 Flüchtlingen pro Dollar des Bruttoinlandsprodukts trage Äthiopien in Relation zu seiner Wirtschaftskraft die grösste Last.

Schlechte Chancen für Rückkehr

Gleichzeitig sank die Zahl freiwilliger Rückkehrer. Sie beschreibt, wie viele Flüchtlinge sicher nach Hause zurückkehren können. Bis Mitte des Jahres seien es schätzungsweise 84'000 gewesen. "Wer heutzutage ein Flüchtling wird, hat schlechtere Chancen in seine Heimat zurückzukehren als zu jedem anderen Zeitpunkt in den letzten 30 Jahren", so dass UNHCR

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