Es war eine fast perfekt vorbereitete Choreografie: Mit Tränen in den Augen tröstet König Abdullah die Familienangehörigen des vom Islamischen Staat bestialisch ermordeten jordanischen Piloten. Wenig hört man das Dröhnen von Flugzeugmotoren und der Monarch zeigt auf zwei F-16-Maschinen, die verhältnismässig langsam über das Haus der Trauernden fliegen.

Die Jets kämen gerade von einem Angriff auf die IS-Hauptstadt Rakka zurück, erklärt der Monarch dem erstaunten Vater des Piloten. Die Szenen werden später im Staatsfernsehen im Halbstundentakt wiederholt. Es folgen Bilder jordanischer Soldaten, die Verse aus dem Koran und Slogans gegen die Terrormiliz («Für Euch, die Feinde des Islam») auf Bomben und Raketen schreiben, welche später offenbar auf Waffendepots der Dschihadisten abgefeuert werden. «Unsere Vergeltung hat begonnen», kommentiert eine pathetische Stimme das Geschehen.

Dagegen dementierte Regierungssprecher Mohammed al-Momni Berichte lokaler Medien, nach denen sich König Abdullah an den Vergeltungsschlägen persönlich beteiligen werde. Seine Majestät habe andere Aufgaben. Abdullah ist im Staatsfernsehen allgegenwärtig. Er vermittelt den Eindruck eines entschlossenen, wenn auch mitunter ein wenig ungelenken Herrschers, der sein Land in Krisenzeiten souverän führen kann.

Die Präsenz des Königs, die vom Fernsehen unermüdlich in Szene gesetzt wird, trägt zur Besänftigung der aufgebrachten Jordanier bei. Sie gingen nach dem gestrigen Freitagsgebet zu Zehntausenden auf die Strasse, um in Sprechchören «Ja zum Krieg gegen den IS» zu skandieren. Die Losung gaben jene islamischen Geistliche aus, die nach der Verschleppung von Moaz al-Kassasbeh eine Beteiligung Jordaniens am Krieg gegen den IS öffentlich abgelehnt hatten.

Die Angriffe seien «erst der Anfang», erklärt der jordanische Aussenminister Nasser Judeh einem CNN-Reporter und verspricht: «Wir werden sie angreifen, mit allem, was wir haben.» 30 Kampfflugzeuge sollen sich an den Bombenangriffen auf IS-Ziele beteiligt haben. Die Bombardierungen wurden auch gestern fortgesetzt.

Angriff auf Rakka nicht bestätigt

Westliche Diplomaten in Amman gehen jedoch von einer weitaus geringeren Zahl aus. Getroffen wurden neben Waffendepots auch Ausbildungslager der Dschihadisten. Der vom König meldete Angriff auf Rakka sei von Gewährsleuten der syrischen Opposition dagegen nicht bestätigt worden, berichtete die BBC.