Ausgangspunkt ist das Dorf Alabino, südlich von Moskau. Nebenan auf dem Truppenübungsplatz läuft der Panzer-Biathlon, ein vom russischen Militär unter reger Anteilnahme der staatlichen Medien zelebrierter Schuss- und Geländegängigkeitswettbewerb. Doch das Ziel dieser Mission sei absolut friedlich, betont der Kreml: 280 weisse Lastwagen vom Typ «Kamaz» machen sich mit 2000 Tonnen Hilfsgütern auf den Weg in die Ukraine.

Die Kolonne setzt sich noch vor dem Morgengrauen in Bewegung – nicht aus Geheimhaltungsgründen, sondern um das tägliche Stauchaos vor der russischen Hauptstadt nicht zusätzlich zu vergrössern. Schnell wird der Konvoi freilich ohnehin nicht unterwegs sein. Erst im Verlauf des Mittwochs werden die ersten Fahrzeuge die ukrainische Grenze erreichen, heisst es.

Dort ist das Misstrauen allerdings wohl noch grösser als der von Russland bestückte Hilfskonvoi: 400 Tonnen Getreide, 100 Tonnen Zucker, 62 Tonnen an Kindernahrung, aber auch medizinisches Gerät, Tausende Schlafsäcke und Stromaggregate sind offiziellen Angaben nach auf den Camions. Das alles könnte die notleidende Bevölkerung in der Donezk-Region dringend gebrauchen, doch Kiew fürchtet, dass sich hinter der Babynahrung auch Kalaschnikows und andere Waffen für die Rebellen verstecken.

Unbegründetes Misstrauen?

Die meisten Russen verstehen das Misstrauen nicht. Tatsächlich ist die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung für die Ostukrainer – oft ethnische Russen – gross, egal ob diese noch in Donezk oder als Flüchtlinge bereits in Russland sind. Zehntausende Russen spenden derzeit, sei es Geld, abgetragene Sachen oder eine Unterkunft.

Doch um die von Präsident Wladimir Putin erst am Montag in einem Telefonat mit Barack Obama angekündigte Hilfslieferung gibt es böse Spekulationen: Obama warnte ebenso vor einer als humanitäre Mission getarnten Intervention wie EU-Kommissions-Präsident José Manuel Barroso und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. Selbst in Russland wird der Konvoi von Politologen wie Oleg Kudinow als Vorbote einer «Blauhelmmission» gesehen, die das Land teilt.

Stopp an der Grenze

Russlands Aussenminister Sergei Lawrow betonte, dass die Hilfslieferungen mit allen Seiten abgesprochen seien. Bei der gewählten Route kam Moskau der Forderung Kiews nach, die Güter über einen vom ukrainischen Militär bewachten Grenzübergang im Gebiet Charkiw zu schicken. Freilich stimmte die ukrainische Führung der russischen Hilfsmission endgültig erst einen halben Tag nach der Abfahrt des Konvois zu. Weil Kiew eine Provokation befürchtet, werden die Lastwagen an der Grenze gestoppt und die Fracht umgeladen.

«Diese Güter werden auf andere Transportmittel, die das Rote Kreuz anmietet, verladen. So verhindern wir eine Begleitung durch den russischen Katastrophenschutz oder irgendwelche anderen militärischen Einheiten. Alles geschieht unter Kontrolle der ukrainischen Seite. Die Ukraine übernimmt die Verantwortung für die Sicherheit der humanitären Hilfe», verkündete der Vizechef der ukrainischen Präsidialadministration die Haltung Kiews.

Das Internationale Rote Kreuz hat Moskau bereits um eine vollständige Liste der Hilfsgüter gebeten. Der Kreml hat die Forderung Kiews nach einer Übernahme der Güter bislang allerdings noch nicht kommentiert.