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Geheimnisvolle Schredder-Aktion: Ibiza-Affäre erreicht Sebastian Kurz

Sebastian Kurz will wieder österreichischer Kanzler werden.

Sebastian Kurz will wieder österreichischer Kanzler werden.

Österreichs Ex-Kanzler Sebastian Kurz muss sich wegen der Schredder-Aktion eines Mitarbeiters unangenehmen Fragen stellen.

Die Ibiza-Affäre in Österreich zieht neue Kreise. Die jüngsten Enthüllungen bringen aber nicht die FPÖ, sondern deren ehemaligen Koalitionspartner in Bedrängnis. Grund ist eine dubiose Schredder-Aktion, welche die österreichische Zeitung «Kurier» am Wochenende öffentlich machte. Dem Wochenmagazin «Falter» zugespielte Videoaufnahmen sorgen für weitere Fragezeichen.

Doch der Reihe nach. Mitte Mai platzt in Österreich eine politische Bombe. Filmaufnahmen zeigen den damaligen Vizekanzler Heinz-Christian Strache von der FPÖ in betrunkenem Zustand, wie er einer vermeintlich russischen Oligarchin als Gegenleistung für Parteispenden öffentliche Aufträge in Aussicht stellt. Die Videoaufnahmen sorgen dafür, dass die Koalition in Wien zwischen ÖVP und FPÖ zerbricht, Ende September wird neu gewählt.

Unter falschem Namen unterwegs

In der Woche nach der Veröffentlichung des Strache-Videos soll nun ein Mitarbeiter von Sebastian Kurz in einem Wiener Aktenentsorgungsbetrieb mit dem einschlägigen Namen «Reisswolf» fünf Festplatten vernichtet haben. Eigentlich kein Problem, könnte man meinen, doch bei näherer Betrachtung fallen einige Ungereimtheiten auf.

Wie die «Süddeutsche Zeitung» gestern berichtete, war der Kurz-Mitarbeiter inkognito unterwegs. In die Besucherliste trug er sich mit falschem Namen ein, auch hinterlegte er eine entsprechende Mailadresse. Mitarbeiter von «Reisswolf» berichten davon, dass der Mann ausserordentlich nervös gewesen sei, die Festplatten nicht aus den Augen gelassen habe und diese dreimal habe durch den Schredder laufen lassen – auch das laut Mitarbeitern ein beispielloser Vorgang.

Aufgeflogen ist die Sache, weil aufgrund des falschen Namens niemand die Rechnung für die Schredder-Aktion bezahlt hatte – es geht um läppische 76,45 Euro. Erst als «Reisswolf»-Mitarbeiter eine Rede von Sebastian Kurz im Fernsehen verfolgen, erkennen sie im Hintergrund per Zufall den Mann, der kürzlich bei ihnen fünf Festplatten vernichtet hat.

Viele Fragen bleiben offen

Übrig bleiben viele offene Fragen. Warum vernichtet ein Mitarbeiter von Kanzler Kurz so zeitnah nach dem Platzen des Ibiza-Skandals auf derart konspirative Art Festplatten aus dem Kanzleramt? Kurz spricht von einem «üblichen Vorgang». «Bei einem Regierungswechsel müssen Vorkehrungen getroffen werden, damit die Datensicherheit gewährleistet ist und Laptops, Handys zurückgegeben werden und Druckerdaten gelöscht beziehungsweise vernichtet werden», so der Ex-Kanzler. Was auf den Festplatten gespeichert war, wird man vermutlich nie erfahren.

Die Staatsanwaltschaft, die sich auch um die Ibiza-Affäre kümmert, ermittelt nun auch in der Schredder-Aktion aus dem Kanzleramt. Die Übergangskanzlerin Brigitte Bierlein hat zudem eine interne Untersuchung angeordnet. Offen ist, ob und wie sich das neue Kapitel dieses Wiener Politdramas auf das Wahlergebnis vom 29. September auswirkt. Bisher galt der 32-jährige Kurz als klarer Favorit.

Autor

Dominik Weingartner

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