Rivale

Friedrich Merz fährt der Kanzlerin Angela Merkel an den Karren

Friedrich Merz weckt bei den konservativen CDU-Anhängern Hoffnungen. (KEYSTONE/DPA/Bernd von Jutrczenka)

Friedrich Merz weckt bei den konservativen CDU-Anhängern Hoffnungen. (KEYSTONE/DPA/Bernd von Jutrczenka)

Merkel-Rivale Friedrich Merz hat sich in der CDU in den Vordergrund gespielt. Will er Kanzler werden?

Bei der Jungen Union, der Nachwuchsorganisation der CDU, wird Friedrich Merz gefeiert wie ein Popstar, als er vorigen Samstag bei einer Veranstaltung in Baden-Württemberg auf die Bühne tritt. Vereinzelt sind «Kanzler, Kanzler»-Rufe zu vernehmen. Merz geniesst den Auftritt bei seiner Fan-Basis.

So frenetisch geht es freilich nicht immer zu, wenn Merz vor CDU-Anhängern auftritt. Dennoch hat der 64-jährige Jurist in der Partei viele Fans. Er weckt Hoffnung vor allem bei Konservativen, dass die Union nach all den Merkel-Jahren, dem politischen Schwenker der CDU nach links und dem Aufstieg der ­Alternativen für Deutschland (AfD) wieder zu alter Stärke zurückfinden wird.

Merz hat auch für den am Freitag in Leipzig beginnenden CDU-Parteitag eine Rede angekündigt. Wenn Merz vors Mikrofon tritt, ist das immer ein bisschen brisant. Der Wirtschaftsfachmann weckt Erwartungen. Doch niemand weiss so genau, was Merz sagen wird. Schaltet er auf Angriff gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel, vielleicht auch gegen Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK)? Will er sich als möglichen nächsten Kanzlerkandidaten in Stellung bringen?

Bei der Wahl als CDU-Chef gescheitert

de, der sich nach verlorenem Machtkampf mit Merkel viele Jahre aus der Partei zurückgezogen hatte und ein Auskommen in der Privatwirtschaft gefunden hatte, hält sich über Medien und an Veranstaltungen wacker im Gespräch. Das selbstbewusste Auftreten des 1,98-Meter-Hünen legt den Schluss nahe: Merz will es noch einmal wissen, er will Kanzler werden.

Vor einem Jahr scheiterte sein Versuch eines politischen Comebacks an die Spitze der CDU knapp. AKK wurde hauchdünn vor Merz als CDU-Chefin gewählt. Als Parteivorsitzender wäre Merz in der Pole-Position gewesen, die Union dereinst als Kanzlerkandidat in die Bundestagswahl zu führen.

Nach diesem Rückschlag zog sich Merz von der Parteiarbeit zurück. Er widmete sich seiner Aufgabe als Aufsichtsratsvorsitzender des deutschen Ablegers des weltweit grössten Vermögensverwalters Black-Rock. Auch sitzt Merz im Verwaltungsrat der Schweizer Stadler Rail AG.

Doch AKK startete pannenreich in ihr erstes Jahr als CDU-Vorsitzende und Merkel konzentrierte sich fast vollständig auf ihr Amt als Regierungschefin. Dadurch wirkte die CDU zeitweise führungslos, und Merz witterte die Chance, seine politische Karriere doch neu zu lancieren.

Mit teils gepfefferten Voten kommentiert er seit Wochen politische Ereignisse, findet für schwache CDU-Ergebnisse bei Landtagswahlen klare Worte. Nach dem Wahldesaster der CDU Ende Oktober in Thüringen griff Merz die Kanzlerin direkt an.

«Grottenschlecht» sei der Zustand der von ihr geführten Regierung. Er bemängelte «Untätigkeit und mangelnde Führung» Merkels und schloss: «Ich kann mir schlicht nicht vorstellen, dass diese Art des Regierens in Deutschland noch zwei Jahre dauert.»

Spätestens nach diesen Worten schien in der CDU vielen klar, dass sich Merz als der bessere Parteivorsitzende und vermutlich als den idealen Kanzler sieht. Doch Merz pokert hoch. Schon vor einem Jahr jubelte das Merz-Lager zu früh. Der Jurist hatte gegen AKK auch deshalb das Nachsehen, weil er im entscheidenden Moment eine schwache Rede vor den CDU-­Delegierten hielt. Anstatt die Emotionen der verunsicherten CDU-Basis mit einem feurigen Votum zu wecken, plauderte Merz über Weltpolitik.

«Das ist keine Personaldiskussion»

Ein Jahr später sind die Erwartungen an Merz ähnlich hoch wie damals. Doch die verbalen Giftpfeile gegen Parteifreunde kommen in der CDU nicht überall gut an. Die Niederlage vor einem Jahr im Hinterkopf, rudert Merz plötzlich zurück. «Wer glaubt, in Leipzig käme es zu einem grossen Showdown, irrt gewaltig», twitterte der dreifache Familienvater. Er sagt sowohl AKK als auch Merkel seine Unterstützung zu.

Seine Kritik richte sich nicht gegen Personen, sondern sei an Sachfragen orientiert. «Das war keine Personaldiskussion, das ist auch kein Putschversuch.» Der Zeitpunkt für einen Putsch wäre für Merz tatsächlich hoch riskant. Noch einmal ein Rückschlag wie vor einem Jahr, und seine politische Karriere wäre wohl definitiv zu Ende.

Spätestens in einem Jahr will die CDU entscheiden, mit wem sie ins Kanzler-Rennen steigt. So lange wird Merz wohl auf der Lauer liegen. Und die politischen Ereignisse gepfeffert kommentieren.

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