Coronavirus

Frau geht in Deutschland trotz Quarantäne auf Beizentour – und steckt 37 Menschen an

«Peaches» war eine der von der Superspreaderin besuchten Bars.

«Peaches» war eine der von der Superspreaderin besuchten Bars.

Eine 26-Jährige ging im bayerischen Ferienort Garmisch-Partenkirchen auf Kneipentour – trotz Quarantäneanweisung – und steckte 37 Menschen mit dem Coronavirus an. Was wir zum Superspreader-Fall wissen.

Was ist passiert?

Eine US-Amerikanerin, die im deutschen Ferienort Garmisch-Partenkirchen in einem Hotel arbeitet, steckte vergangene Woche mindestens 37 Menschen mit dem Coronavirus an.

Die 26-Jährige liess sich nach Ferien in Griechenland auf das Coronavirus testen – sie verspürte leichte Symptome. Das war am Dienstag vergangener Woche. Sie wurde daraufhin von den Behörden angewiesen, sich vorsorglich in Quarantäne zu begeben, bis ein Testresultat vorliegt. Sie hielt sich aber nicht daran und ging am Abend auf Kneipentour.

Wo hat sie sich angesteckt?

Ob sie sich in Griechenland oder nach ihrer Rückkehr Ende August in Deutschland angesteckt hat, ist noch nicht geklärt. «Wo sie sich angesteckt hat, wissen wir nicht», sagte Sprecher Scharf weiter.

Zunächst hiess es über den Fall, dass es sich um eine US-amerikanische Touristin handle. Diese Angaben korrigierte aber Scharf. Aufgrund eines «Übermittlungsproblems» innerhalb der Behörden sei es zu einem Missverständnis gekommen.

Wen hat sie angesteckt?

Bis jetzt sind 37 Fälle bekannt. 24 davon entfielen auf das Garmischer «Edelweiss Lodge and Resort», eine Ferien- und Erholungseinrichtung für US-Soldaten und deren Familien. Dort arbeitet auch die Superspreaderin.

Befürchtet werden aber noch mehr Fälle. Am Wochenenden liessen sich nämlich viele Menschen testen, es gab gar Schlangen vor dem Testzentrum. Resultate dieser Tests werden heute Montag erwartet.

Ein Mitarbeiter des Testzentrums Garmisch-Partenkirchen übergibt ein Teströhrchen zu einer Mitarbeiterin im Laborcontainer.

Ein Mitarbeiter des Testzentrums Garmisch-Partenkirchen übergibt ein Teströhrchen zu einer Mitarbeiterin im Laborcontainer.

Touristen seien gemäss Bürgermeisterin Elisabeth Koch nicht angesteckt worden, die Gruppe der positiv Getesteten sei ein gut eingrenzbarer Personenkreis.

Was sind die Auswirkungen?

Weil Garnisch-Partenkirchen ein so kleiner Ort ist (26'000 Einwohner), erhöhte sich die Sieben-Tage-Inzidenz auf 54. Sie liegt damit deutlich über Marke von 35 Neuinfektionen je 100'000 Einwohner, die in Bayern als Schwelle für strengere Massnahmen gilt (im restlichen Deutschland liegt der Wert bei 50). Scharf betonte aber: «Die müssen sich natürlich nicht alle bei ihr angesteckt haben.»

Weil das Landesratsamt mit einem deutlichen Anstieg rechnet, verhängte es am Freitag ausserdem Beschränkungen für das öffentliche Leben: Alle Gastrobetriebe müssen nun um 22 Uhr schliessen und im öffentlichen Raum dürfen sich nur noch maximal fünf Personen treffen. Für Privatveranstaltungen gilt eine Obergrenze von 50 Personen in geschlossenen Räumen – 100 unter freiem Himmel.

Wird sie dafür bestraft?

Ja, wenn es nach Bayerns Innenminister Joachim Herrmann geht. Er forderte im «Münchner Merkur» Konsequenzen für die mutmassliche Verursacherin: «Sollte sich bestätigen, dass die Frau bewusst trotz eindeutiger Corona-Symptome die Quarantäne ignoriert hat, muss sie mit einem empfindlichen Bußgeld rechnen», sagte er. Und weiter:

Bei Quarantäne-Verstössen in Bayern drohen bis zu 2000 Euro Bussgeld.

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