Geheimdienst

Frankreich fürchtet die Rückkehr der Dschihad-Kämpfer

Es wird davon ausgegangen, dass in den letzten Jahren 1800 Franzosen in den Dschihad in Syrien und Irak gezogen sind. (Symbolbild)

Es wird davon ausgegangen, dass in den letzten Jahren 1800 Franzosen in den Dschihad in Syrien und Irak gezogen sind. (Symbolbild)

Nach dem Fall von Rakka rechnet der französische Geheimdienst mit mehr Rückkehrern von Dschihadisten aus Syrien und dem Irak.

Man nennt sie «les revenants», zu Deutsch «Rückkehrer» oder im übertragenen Sinn auch «Wiedergänger». Und wie bei Gespenstern üblich, weiss niemand, wie zahlreich sie wirklich sind. Der Geheimdienst DGSE schätzt, dass in den letzten Jahren 1800 Franzosen in den Dschihad in Syrien und Irak gezogen sind. Deren 265 sollen dort umgekommen sein.

Mehrere hundert könnten versucht sein, in nächster Zeit nach Frankreich zurückzukehren. Die Franzosen hatten den Fall der IS-Zentrale Rakka zuerst erleichtert aufgenommen, nachdem von dort aus offenbar auch die BataclanAnschläge von Ende 2015 ferngesteuert worden waren. Nun wächst die Sorge vor den «revenants». Generalstabschef Jean-Pierre Bosser erklärte: «Die Angst vor ihrer Rückkehr besteht effektiv. Wir prüfen sehr genau, wie diese Leute agieren, und auch der Geheimdienst nimmt sie sehr genau ins Visier.»

Verteidigungsministerin Florence Parly meinte am Radio auf die Frage, was mit den französischen Dschihadisten geschehen solle, unverblümt: «Wenn einzelne in den Kämpfen dort umkommen, dann ist das umso besser.» Damit gab die Französin nur ein sehr verbreitetes Volksempfinden wieder. In den Internetkommentaren liest man es so: «Man sollte sie in eine Reihe auf der Strandpromade von Nizza stellen und einen Lastwagen mieten…»

Ein Forumsteilnehmer fragt: «Warum sie auf Staatskosten ins Gefängnis stecken, wenn sich die syrische Armee darum kümmern könnte?» Das tut sie offenbar: Schon bei der Befreiung von Mossul hatte der irakische General Abdel Ghani al-Assadi dem «Paris-Match» erklärt: «Wir haben die stillschweigende Vereinbarung mit Paris, dass kein französischer Dschihadist die Stadt lebend verlassen soll.»

Justizvollzieher schildern die Zurückgekehrten zwar nicht unbedingt als handlungsbereite Killertypen, sondern eher als desillusioniert und meist noch drogenabhängiger, als sie schon vor ihrem Abgleiten in den Salafismus und Dschihad gewesen waren.

Die Zahl der französischen Minderjährigen im Dschihad wird vom Geheimdienst auf mehrere hundert geschätzt. Viele wurden trainiert, bewaffnet, gar für mediatisierte Exekutionen eingesetzt. Was tun mit ihnen? Staatsanwalt François Molins spricht wenig präzis von der Notwendigkeit eines «erzieherischen Ansatzes». Die Pariser Radiostation RTL fragt, ob das bei Kindern genüge, die auf den unfassbaren Videos aus Rakka mit Köpfen Enthaupteter Fussball spielten. «Diese Frage», so endet der Bericht, «bleibt vorläufig ohne Antwort.»

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