Armenien

Experten: Bergung von Kriegsmunition in Berg-Karabach dauert Jahre

Aserbaidschanische Soldaten patrouillieren gut eine Woche nach der Übergabe der Stadt an Aserbaidschan. Foto: Emrah Gurel/AP/dpa

Aserbaidschanische Soldaten patrouillieren gut eine Woche nach der Übergabe der Stadt an Aserbaidschan. Foto: Emrah Gurel/AP/dpa

Nach dem Ende der Kämpfe um die Konfliktregion Berg-Karabach im Südkaukasus warnen Experten vor der Gefahr von Minen und nicht explodierter Raketen und Granaten.

Es könne bis zu 15 Jahre dauern, bis alle dieser gefährlichen Gegenstände geborgen seien, sagte der Leiter des lokalen Minenräum-Zentrums, Samwel Mesropjan, am Samstag in der Hauptstadt Stepanakert armenischen Medien zufolge. "Es wartet noch viel Arbeit." Allein in den vergangenen drei Tagen seien mehr als 500 Stück Streumunition zerstört worden. "Die haben wir auch in der Nähe von Wohngebieten gefunden", sagte Mesropjan.

Nach Angaben der aserbaidschanischen Generalstaatsanwaltschaft vom Samstag starben in der Region Fizuli vier Menschen, als unter ihrem Auto eine Panzerabwehrmine explodierte.

Armenien und Aserbaidschan hatten sich nach wochenlangen schweren Gefechten vor gut zweieinhalb Wochen unter Vermittlung Russlands auf eine Waffenruhe geeinigt. Sie wird von fast 2000 russischen Friedenssoldaten überwacht. Moskau hat zudem humanitäre Helfer entsandt. Das Abkommen sieht ausserdem die Übergabe einiger bislang von Armenien kontrollierter Gebiete an Aserbaidschan vor.

Unterdessen dringt Armenien auf eine schnellere Suche nach vermissten und getöteten Soldaten. Dafür brauche es mehr Personal, sagte Regierungschef Nikol Paschinjan bei einem Treffen mit Vertretern des Internationalen Roten Kreuzes. Die armenische Opposition forderte ein Kommission mit Vertretern Russlands, Armeniens und Aserbaidschans, damit Kriegsgefangene möglichst schnell freikämen.

Den Karabach-Behörden zufolge starben auf armenischer Seite mehr als 1700 Soldaten. Aserbaidschan machte bislang unter Berufung auf das Kriegsrecht keine Angaben zu Verlusten in den eigenen Truppen.

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums kehrten inzwischen mehr als 21 000 Menschen zurück nach Berg-Karabach, die zuvor ihre Heimat wegen der Kämpfe verlassen hatten. Zudem sei eine Schule in Stepanakert wieder eröffnet worden.

Berg-Karabach ist seit Jahrzehnten zwischen den beiden Ex-Sowjetrepubliken immer wieder schwer umkämpft. In dem neuen Krieg, der Ende September begonnen hatte, holte sich das islamisch geprägte Aserbaidschan weite Teile des Anfang der 1990er verlorenen Gebiets zurück. Das Land sah sich von seinem "Bruderstaat" Türkei unterstützt. Russland gilt als Schutzmacht Armeniens.

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