Frankreich

Emmanuel Macron zur Corona-Krise: «Wir sind im Krieg»

Macron will für die Bekämpfung des Corona-Virus die Armee aufbieten.

Macron will für die Bekämpfung des Corona-Virus die Armee aufbieten.

Frankreichs Präsident Macron verhängt eine Ausgangssperre über sein Land. Er mobilisiert ausserdem die Armee und bricht Gemeindewahlen ab.

Ein halbes Dutzend mal wiederholte Macron am Montagabend bei einer Fernsehrede an die Nation den gleichen Satz: «Nous sommes en guerre» - wir sind im Krieg. «Es ist gewiss ein Krieg um die Gesundheit, aber der Feind ist da, auch wenn er unsichtbar ist», erklärte der französische Präsident bei dem zwanzigminütigen Auftritt.

Die dramatischen Worte richteten sich vorab an jene Franzosen, die am Sonntag unbekümmert in der Frühlingssonne gefeiert hatten, ohne jeden Sicherheitsabstand einzuhalten. Aus diesem Grund sah sich Macron gezwungen, die Bewegungsfreiheit seiner Landsleute massiv einzuschränken. Ohne einen totalen «Lockout» zu verkündigen, ordnete er an, dass die Franzosen ab Dienstagmittag zu Hause bleiben müssten, um eine stärkere Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Nur «nötige» Fahrten oder Gänge sind noch erlaubt - zum Einkaufen, zur Pflege oder zu Berufszwecken. Zuwiderhandlungen würden geahndet, warnte Macron, der immerhin einräumte, dass individuelle sportliche Betätigung ausser Haus noch möglich sein solle.

Macron erlässt Ausgangssperre für ganz Frankreich

Macron erlässt Ausgangssperre für ganz Frankreich

Im Kampf gegen die Verbreitung des Coronavirus schränkt Frankreich die Bewegungsfreiheit seiner Bürger stark ein. Die landesweite Ausgangssperre tritt ab Dienstagmittag in Kraft.

Der Präsident gab weiter bekannt, dass er die Armee aufbieten werde. Sie soll in dem besonders stark heimgesuchten Elsass ein mobiles Spital errichten und den dortigen Ärzten aushelfen.

Macron erklärte weiter, dass die EU all ihre Aussengrenzen ab Dienstagmittag schliessen werde. Reisen zwischen inner- und aussereuropäischen Ländern würden für mindestens einen Monat unterbunden. Diese Ankündigung machte Macron nach einem Austausch mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Wahlgang wird ausgesetzt

Macron gab auch bekannt, dass der zweite Durchgang der französischen Gemeindewahlen am kommenden Sonntag - anders als etwa in Bayern - ausgesetzt werde. Der erste Wahlgang hatte am vergangenen Sonntag trotz starker Kritik und bei einer historisch tiefen Stimmbeteiligung von 45 Prozent stattgefunden. Macron hatte zuerst daran festgehalten, nachdem ihm seine Gegner unterstellt hatten, er wolle die Urnengänge absagen, weil er dabei mit einer Wahlschlappe rechnen müsse. Premierminister Edouard Philippe nannte am Montag den 21. Juni als Ersatzdatum; Macron liess den genauen Termin aber offen.

Im ersten Wahlgang hatten sich die Grünen noch am besten geschlagen. Sie könnten wichtige Städte wie Lyon, Bordeaux oder Strassburg erobern. Dabei waren laut ersten Studien vor allem jüngere Wähler zu mehr als zwei Dritteln zu Hause geblieben. Die ältere Wählerschaft votierte eher konservativ. Viele amtierende Bürgermeister wurden vielenorts bestätigt oder gehen mit einem Vorsprung in die Stichwahl. Das gilt auch für die Sozialistin Anne Hidalgo in der Stadt Paris: Mit 30 Prozent Stimmen hat sie die besten Chancen gegen die rechte Herausfordererin Rachida Dati (22 Prozent). Die bisherige Macron-Ministerin Anne Buzy scheint mit 17 Prozent der Stimmen abgeschlagen.

Das rechtspopulistische «Rassemblement National» (RN) von Marine Le Pen erzielte einige Erfolge in bereits früher eroberten Städten wie Fréjus und Béziers, neu dazu auch in Perpignan. In Calais, wo die Migrationsfrage alles überschattete, musste sich der RN-Kandidat Marc de Fleurian, ein Fremdenlegionär, mit dem dritten Platz begnügen; die konservative Bürgermeisterin Natacha Bouchart wurde mit gut 50 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

Offen ist der Wahlausgang in der Banlieue-Vorstadt Garges-lès-Gonesse, die wegen der Beteiligung des angeblichen «Islamisten» Samy Debah - wie ihn seine Gegner titulieren - ins Scheinwerferlicht gerückt war. Der umstrittene Kandidat schaffte es mit 34,7 Prozent problemlos in die Stichwahl, wo er sich mit dem Konservativen Benoît Jimenez (42,4 Prozent) ein Duell liefern wird.

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