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Die Unterwäsche des Abu Bakr al-Baghdadi: Kurden und Türken streiten sich darüber, wer den Terrorfürsten gefunden hat

Hier im Nordwesten Syriens hat sich Abu Bakr al Baghdadi in die Luft gesprengt.

Hier im Nordwesten Syriens hat sich Abu Bakr al Baghdadi in die Luft gesprengt.

Nach der Liquidierung des IS-Anführers bleiben viele Fragezeichen. In Nord-Syrien kam es unterdessen zu schweren Gefechten.

Acht Jahre nach der Entsorgung der Leiche von Osama bin Laden im indischen Ozean soll nun auch der am Wochenende getötete IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi auf hoher See bestattet worden sein. Genaue Angaben über den Verlauf der Zeremonie machte das Pentagon nicht. Auch über den genauen Ablauf der hochriskanten Aktion der US-Elitetruppen bleibt vieles weiterhin unklar.

US-Präsident Donald Trump, das steht inzwischen fest, konnte den Einsatz seiner Truppen jedenfalls entgegen seinen Behauptungen nicht «live» verfolgt haben, weil die Bilder der Soldatenkameras erst nachträglich heruntergeladen worden sind. Die US-Armee wollte damit ausschliessen, dass sich das Weisse Haus «live» in die Operation einmischt und mit Befehlen für unnötige Verwirrung sorgt, schreibt die «New York Times».

Es gibt nur zwei Fotos von Abu Bakr Al-Baghdadi, beide sind Screenshots aus Videos. Dieses hier stammt vom Frühjahr 2019, als er sich erneut an seine Anhänger wandte.

Es gibt nur zwei Fotos von Abu Bakr Al-Baghdadi, beide sind Screenshots aus Videos. Dieses hier stammt vom Frühjahr 2019, als er sich erneut an seine Anhänger wandte.

Verwirrung gibt es aber sowieso. So versuchten gestern die an dem Militäreinsatz gegen Al Baghdadi beteiligten Milizen der überwiegend kurdischen demokratischen Kräfte Syrien den Erfolg der Operation für sich zu reklamieren. Nur weil es einem ihrer Agenten gelungen sei, die Unterwäsche des Top-Terroristen für einen DNA-Test zu entwenden, hätte man Al Baghdadi mit Sicherheit identifizieren können, behauptete ein Sprecher.

Den genauen Aufenthaltsort von Al Baghdadi will dagegen die Türkei den Amerikanern verraten haben. Der Dschihadistenführer, sagte ein ranghoher türkischer Offizieller, sei erst 48 Stunden vor dem US-Angriff in seinem Haus in der syrischen Ortschaft Berisha eingetroffen. Diese liegt nur fünf Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Ob Al Baghdadi womöglich direkt aus der Türkei kam, wie libanesische Medien spekulieren, also von der Türkei an die USA verraten wurde, bleibt offen.

Tod Baghdadis hat den IS nicht geschwächt

Fest steht inzwischen, dass durch den Tod des IS-Anführers der Bewegungsspielraum der verbliebenen IS-Kämpfer nicht eingeschränkt worden ist. Das von der türkischen Armee angerichtete Chaos in Nordost-Syrien ist gewaltig. Der IS weiss das zu nutzen. Kurz vor Ablauf der von der Türkei und Russland letzte Woche in Sotschi ausgehandelten Waffenruhe kam es gestern erstmals zu Kämpfen zwischen der türkischen Armee und Truppen von Syriens Staatschef Baschar al-Assad. Die syrische Armee war am 13. Oktober mit Zustimmung der syrischen Kurden nach Nordsyrien vorgerückt, um dort die türkische Armee zu bekämpfen.

Auf dem Gipfeltreffen im russischen Sotschi hatte der türkische Staatschef Recep Tayyib Erdogan die politische und territoriale Einheit Syriens anerkannt und der Rückkehr der Assad-Armee an die türkisch-syrische Grenze zustimmen müssen. Gleichzeitig wurde bis zum gestrigen Dienstag der Abzug der syrischen Kurdenmilizen aus einer 30 Kilometer breiten Sicherheitszone verlangt. Dieser sei inzwischen «vorzeitig» abgeschlossen worden, verkündete der russische Verteidigungsminister Sergei Shoigu gestern in Moskau. Die türkische Armee befürchtet, die Kurden könnten sich jetzt hinter der vorrückenden Assad-Armee verschanzen.

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