Kommentar

Die Lage in Italien ist beklemmend

Italienkorrespondent Dominik Straub

Italienkorrespondent Dominik Straub

Die drastischen Massnahmen der italienische Regierung werfen viele Fragen auf. Dennoch ist Nichtstun keine Alternative.

In Italien ist passiert, was noch vor wenigen Tagen völlig unvorstellbar war in Europa: Praktisch über Nacht wird ein Viertel der Bevölkerung – und der Motor der italienischen Wirtschaft – zur Sperrzone erklärt. Das Corona-Virus stürzt das Land in eine tiefe Krise; die Fallzahlen steigen exponentiell an. Das ist beklemmend – nicht nur für die betroffenen 16 Millionen Italienerinnen und Italiener, sondern auch für alle anderen Bürger innerhalb und ausserhalb Italiens.

Die Notmassnahmen der Regierung werfen Fragen auf – zunächst einmal rein praktische: Wie soll die Abriegelung von Millionen Menschen funktionieren? Mit welchen Mitteln und nach welchen Kriterien sollen die Bewegungen der Menschen kontrolliert und eingeschränkt werden? Wie ist die Versorgung sichergestellt? Diese Fragen blieben gestern zum Teil unbeantwortet. Dazu gesellt sich die viel wichtigere Frage: Werden diese Massnahmen ihren Zweck erfüllen und die Ausbreitung der Epidemie zumindest deutlich verlangsamen?

Auf die Fragen der Wirksamkeit wird man erst in den nächsten Wochen eine Antwort erhalten – und alle Nachbarländer, wo sich das Corona-Virus ebenfalls ausbreitet und die Epidemie ähnliche Ausmasse anzunehmen droht, können Italien nur die Daumen drücken. Das Agieren der Regierung wirkt etwas improvisiert – aber Nichtstun wäre keine Alternative. Letztlich sind Italien und Europa auf eine solche Krise nur bedingt vorbereitet. Auch das ist beklemmend.

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