Wenn eine Partei, in diesem Fall die Republikaner, die Mehrheit im Repräsentantenhaus, im Senat und im Weissen Haus hält, wird das von den amerikanischen Stimmbürgern im Regelfall bei nächster Gelegenheit korrigiert. Der letzte Präsident, der während seiner gesamten Amtszeit "durchregieren" konnte, war der Demokrat Jimmy Carter Ende der Siebziger. Der war allerdings auch nur vier Jahre im Amt. Der Republikaner George W. Bush regierte zwar ebenfalls vier Jahre lang ohne Oppositionsmehrheit in einer der beiden Kammern. Doch die erste Zwischenwahl, der sich Bushs Republikaner stellen mussten, fand Anfang der Nullerjahre noch unter dem Eindruck der Terroranschläge des 11. September statt. Klar, dass die Amerikaner damals die Position ihres Präsidenten nicht schwächen wollten.

Machtverschiebungen im Kongress zu Gunsten der Opposition gehören also zur amerikanischen Demokratie wie das Barbecue zum texanischen Sommer. Gut, dass sich daran (vorerst) auch unter Präsident Trump nichts ändert.

Im Falle Trump ist der Wechsel der Mehrheit in der grossen Kammer ein notwendiges Korrektiv, die Alleingänge des Präsidenten auszubremsen. Das wird sich vor allem beim Thema Staatsverschuldung bemerkbar machen. Denn anders als Trumps Rhetorik vermuten lässt, schraubt der Präsident die Verschuldung der USA in immer neue Höhen. Künftig dürfte ihm die demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus genauer auf die Finger schauen, als das die Republikaner – die, zumindest vor der Ära Trump, wenig Freude an Staatsausgaben hatten -, das bislang taten.

Und noch etwas dürfte für Trump unangenehm werden: Die Demokraten im Repräsentantenhaus können nun leichter parlamentarische Untersuchungen anstrengen. Ziel könnte die unternehmerische Tätigkeit des Präsidenten sein, dessen Familie durch Steuertricks in der Vergangenheit massiv Geld am Fiskus vorbei schleuste, wie die „New York Times“ vor kurzem aufdeckte. Manch einer träumt bereits davon, dass Trump bald seine Steuererklärung offen legen muss.

Für den ganz grossen Jubel der Demokraten taugen die Ergebnisse dieser Wahl indes auch nicht. Und das nicht nur, weil der erhoffte Erdrutschsieg der „Blauen“ ausblieb. Im Hinblick auf die nächste Präsidentschaftswahl in zwei Jahren birgt das Ergebnis nämlich einige Gefahren.

Zum einen sind zwei Hoffnungsträger – Andrew Gillum in Florida und Beto O’Rourke in Texas – an ihren republikanischen Widersachern gescheitert. Warum sollten ihnen die demokratischen Wähler nun einen Sieg auf der ganz grossen Bühne zutrauen, wenn sie bereits auf der kleineren nicht überzeugen konnten?

Zum anderen dürfte sich der Ton zwischen Weissem Haus und der Abgeordnetenkammer verschärfen. Trump wird für alles, was ihm (selbst mit republikanischer Mehrheit) nicht gelungen ist – man denke an die Mauer an der Grenze zu Mexiko –, die Schuld bei den Demokraten suchen. Eine Versöhnung der tief gespaltenen amerikanischen Gesellschaft rückt damit in weite Ferne. Trump wiederum, der aus dieser Spaltung einen grossen Teil seiner politischen Kraft zieht, kommt das sehr gelegen.