Flugzeug-Absturz

«Das Flugzeug ist total zerstört – nichts ausser Trümmer und Leichen»

Kurz nach 10 Uhr am Dienstagmorgen hob der Airbus mit der Flugnummer 4U 9525 in Barcelona ab. Weniger als eine Stunde später stürzte das Flugzeug der Lufthansa-Tochter Germanwings in den französischen Alpen ab.

Trauer und Schock in Deutschland, Frankreich und Spanien. 150 Menschen starben beim Absturz des Airbus A320. Unter den 144 Fluggästen und sechs Besatzungsmitgliedern waren 67 deutsche und 45 spanische Passagiere. Zudem befanden sich französische und türkische Fluggäste an Bord. Unter den Opfern sind auch zwei Kleinkinder und eine Schülergruppe aus dem deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Der Flug 4U 9525 der Airline Germanwings, war um 10 Uhr in Barcelona gestartet. Sein Ziel Düsseldorf sollte er nie erreichen. Knapp eine Stunde später stürzte er über dem französischen Voralpengebiet ab. Das Wetter war gut, der Himmel nur leicht bewölkt. Hunderte von Gendarmen machten sich unter anderem mit zehn Helikoptern sofort auf die Suche zwischen den Orten Digne und Barcelonette. Bald wurden sie fündig: Über eine ganze Bergflanke verteilt leuchteten helle Trümmer. Hier ein Reifen, dort ein Teil des Seitenleitwerks, und irgendwo noch ein wenig Rauch. Ganze Motoren- oder Rumpfteile waren nicht erkennbar. Das Flugzeug muss mit voller Wucht in das steile und beschneite Bergmassiv Trois-Evêchés geprallt sein. «Entsetzliche Bilder in dieser Berglandschaft», twitterte der französische Abgeordnete Christophe Castaner nach einem Helikopterüberflug. «Es bleibt nichts ausser Trümmern und Leichen.»

Videoaufnahmen von der Absturzstelle des Germanwings-Flugzeugs

Videoaufnahmen von der Absturzstelle des Germanwings-Flugzeugs

Suche eingestellt

Beim Eindunkeln mussten die Sucharbeiten in 1500 Metern Höhe eingestellt werden, zumal sich Wind erhob und Schnee fiel. Ein paar Soldaten blieben aus Sicherheitsgründen über Nacht in dem gespenstischen Gebiet – allein schon, um allfällige Boulevardjournalisten abzuhalten. Bevor die Rettungsmannschaften abzogen, fanden sie einen den beiden Flugschreiber. Bis zu seiner Auswertung bleibt die Absturzursache aber unklar. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve sagte, man könne «keine Hypothese ausschliessen».

Der Airbus hatte eine halbe Stunde nach dem Start die Reiseflughöhe von 10 000 Metern erreicht. Nur eine Minute später muss mit der Maschine etwas passiert sein. Denn jetzt neigte sie ihre Nase bereits wieder nach unten. Es begann ein «linearer» Sinkflug, wie sich die französische Luftraumkontrolle ausdrückte: Binnen acht Minuten verringerte der A320 die Flughöhe um gut 8000 Meter. Damit verlor er dreimal schneller an Höhe, als dies bei einem normalen Landeanflug der Fall ist. Dann schoss die Germanwings-Maschine mit mehr als 700 Stundenkilometern in die Bergwand.

Warum dieser rasante, aber gleichmässige Sinkflug? Und warum unternahmen die beiden Piloten nichts dagegen? Sie nahmen keinen Funkverkehr auf; nicht einmal ein Notsignal sendeten sie aus. Eine Hypothese besteht darin, dass der automatische Pilot aktiviert war. Spezialisten stellen allerdings eher Parallelen zu anderen Flügen her, bei denen Messgeräte vereist waren oder aus anderen Gründen falsche Angaben an das Cockpit weiterleiteten.

«Sehr traurig in Düsseldorf»

Am Ankunftsterminal des Flughafens Düsseldorf spielten sich derweil erschütternde Szenen ab. Menschen, die ihre Angehörigen am Flughafen abholen wollten, standen unter Schock und mussten psychologisch betreut werden. «Es ist hier sehr, sehr traurig in Düsseldorf», beschrieb ein TV-Reporter die Atmosphäre. Unter den Opfern befinden sich auch 16 Schülerinnen und Schüler sowie zwei junge Lehrerinnen eines Gymnasiums der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Haltern am See. Die zehnte Klasse weilte für knapp eine Woche bei einer Partnerschule in der Nähe von Barcelona für ein spanisch-deutsches Austauschprogramm.

Bereits am Dienstag reisten der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier sowie Verkehrsminister Alexander Dobrindt an die Unfallstelle. Am Mittwoch wird auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Region aufbrechen. «Meine Gedanken und meine Anteilnahme, auch die der ganzen Bundesregierung, sind jetzt bei den Menschen, die so jäh ihr Leben verloren haben. Das Leid ihrer Familie ist jetzt unermesslich», sagte die Kanzlerin vor Journalisten. Sie habe sowohl mit dem französischen Präsidenten François Hollande als auch mit dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy telefoniert. «Wir haben vereinbart, dass unsere Länder einander in jeder erdenklichen Form helfen werden, um die Ursache dieser Katastrophe zu ergründen und die Kräfte am Absturzort wie auch an den Flughäfen zu unterstützen.»

«Ein Schock»: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich.

«Ein Schock»: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich.

Rajoy verspricht Hilfe

Entsetzte Mienen, blasse Gesichter, und Tränen auch im Terminal 2 des internationalen Flughafens in Barcelona. «Wir tun alles, um den Familien der Opfer zu helfen», versprach Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy in einer Ansprache, die auch über die TV-Monitore im Flughafen flimmerte. König Felipe sprach sichtlich bewegt und mit gebrochener Stimme von «einer furchtbaren Katastrophe», übermittelte den Hinterbliebenen sein Beileid.

Die Ereignisse des Tages im Ticker:

Flugzeugabsturz in Südfrankreich

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