1 Was haben die Teilnehmer der Klimakonferenz konkret beschlossen?

Drei Jahre nach der Klimakonferenz in Paris ging es in Kattowitz darum, wie das Pariser Klimaziel (die Erderwärmung auf unter 2 Grad zu begrenzen) konkret erreicht werden soll. Teilnehmer aus 196 Ländern haben unter der Leitung des polnischen Vize-Umweltministers Michal Kurtyka zwei Wochen lang verhandelt. Insgesamt einigten sich die Teilnehmer auf 20 Beschlüsse. Unter anderem wurden einheitliche Regeln für die Berechnung der von einem Land verursachten Emissionen beschlossen. Alle Industriestaaten müssen alle zwei Jahre bekannt geben, mit welchen finanziellen Mitteln sie klimafreundliche Massnahmen in Entwicklungsstaaten unterstützen. Zudem einigten sich die Teilnehmer auf einheitliche Standards für die Länderberichte, mit denen regelmässig über Fortschritte und Verfehlungen informiert werden soll.

2 Was passiert mit jenen Staaten, die sich nicht daran halten?

Die Regeln basieren auf gegenseitigem Vertrauen zwischen den unterzeichnenden Staaten. Konkrete Sanktionen gegen Länder, die gegen die Regeln verstossen, sind keine vorgesehen. Die Klimaexperten hoffen, dass der Gruppendruck für die Teilnehmerstaaten Motivation genug sein wird, nicht aus der Reihe zu tanzen.

3 Was sagt die offizielle Schweiz zu den Beschlüssen?

Botschafter Franz Perrez, der Leiter der Schweizer Delegation in Kattowitz, zeigte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA zwar nicht euphorisch über das Ergebnis. Er sei im Grossen und Ganzen aber zufrieden mit den vereinbarten Regeln. Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) teilte in einer Mitteilung am Samstag mit, das verabschiedete Regelwerk sei «ausreichend, um die für eine wirksame Umsetzung des Pariser Klimaübereinkommens notwendige Transparenz sicherzustellen».

4 Welche Rolle wird der Handel mit Emissionszertifikaten spielen?

Emissionszertifikate sollen es Ländern möglich machen, umweltfreundliche Projekte in anderen Staaten finanziell zu unterstützen und sich damit das Recht zu erkaufen, im eigenen Land die Emissionen weniger stark senken zu müssen. Der Handel mit diesen Zertifikaten ist umstritten, besonders in der Strategie der Schweiz zur Reduktion der verursachten Emissionen aber zentral. Die Konferenz in Kattowitz hat keine bindenden Regeln zum Emissionshandel verabschieden können, weil Brasilien seine Zustimmung zu einem zentralen Punkt – der sogenannten Doppelzählung von Emissionsminderungen – verweigert hat.

5 Wars das jetzt mit den Klimakonferenzen?

Nein. Nächstes Jahr steht bereits die nächste Konferenz an, bei der unter anderem die Frage des Emissionshandels erneut diskutiert werden soll. Dazu fliegen Tausende Klimaexperten im Dezember 2019 oder im Januar 2020 nach Chile – nicht unbedingt vorbildlich, wenn man an die CO2-Bilanz denkt. Die in Kattowitz vereinbarten Massnahmen sollen dann im Jahr 2023 erstmals überprüft werden.

6 Wie gravierend ist die Lage denn derzeit überhaupt?

Sehr gravierend. Die Weltwetterorganisation mit Sitz in Genf hat berechnet, dass die Jahre zwischen 2015 und 2018 die vier wärmsten überhaupt seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert gewesen sind. 20 der wärmsten Jahre lagen innerhalb der vergangenen 22 Jahre. Wenn diese Entwicklung nicht gestoppt werden kann, erwärmt sich die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts um drei bis vier Grad. Die Folgen wären fatal: Hitzesommer, Dürren, extreme Wetterverhältnisse und in der Schweiz wohl deutlich weniger Schnee.