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Corona-Virus zwingt Amerika in die Knie: Die grösste Volkswirtschaft der Welt steht vor dem Kollaps

US-Präsident Donald Trump: Reicht sein Hilfspaket aus?

US-Präsident Donald Trump: Reicht sein Hilfspaket aus?

Die Konjunktur in den USA bricht ein, auch weil das öffentliche Leben in weiten Teilen des Landes stillsteht. Die Regierung will den betroffenen Menschen und Branchen helfen. Allein: Ist dafür ausreichend Geld vorhanden?

Anthony Fauci ist ein Mann der klaren Worte. Also sagte der Immunologe, einer der führenden Experten für Allergie- und Infektionskrankheiten an den Nationalen Gesundheitsinstituten (NIH) und das Aushängeschild der Regierung von Präsident Donald Trump im Kampf gegen das Corona-Virus: Die aktuellen Einschränkungen, die den Alltag von Millionen von Amerikanern auf den Kopf stellen, würden noch lange in Kraft bleiben.

«Es gibt keine Aussichten», sagte Fauci dem Fernsehsender NBC, dass die Massnahmen schnell wieder aufgehoben würden. Vielmehr werde der Stillstand im Land noch «mehrere Wochen» andauern, um den kompletten Zusammenbruch des amerikanischen Gesundheitssystem zu verhindern.

Einbruch von 24 Prozent im 2. Quartal erwartet

Aufgrund solch düsterer Voraussagen sagen Ökonomen bereits einen Kollaps der Wirtschaft voraus, in dessen Vergleich die Finanzkrise vor etwas mehr als einem Jahrzehnt verblassen wird. So prognostizierte die Bank Goldman Sachs am Freitag einen Rückgang der amerikanischen Konjunktur im 1. Quartal um 6 Prozent und im 2. Quartal um 24 Prozent.

In der zweiten Jahreshälfte werde die Wirtschaft zwar geradezu explosionsartig anwachsen (um 12 Prozent im 3. Quartal und 10 Prozent im 4. Quartal), aber unter dem Strich drohe ein Einbruch des Bruttoinlandprodukts im Jahr 2020.

Sollten diese Prognosen tatsächlich eintreffen, dann werden Millionen von Amerikanern ihren Job verlieren. Es gibt Hinweise, dass die Arbeitslosenrate bereits im März sprunghaft ansteigen könnte. So haben sich allein im Bundesstaat Pennsylvania in der laufenden Woche mehr als 180'000 Menschen bei der Arbeitslosenkasse gemeldet, auch weil der Gouverneur die Schliessung aller «nicht-lebenswichtiger» Fabriken oder Geschäfte angeordnet hatte.

Zum Vergleich: Im Januar bezogen 306'000 Bewohnerinnen und Bewohner von Pennsylvania Arbeitslosenhilfe. Dies entsprach 4,7 Prozent der arbeitenden Bevölkerung.

Mehr als 1000 Dollar für jeden Bürger

Im Senat in Washington laufen nun die Arbeiten an einem Konjunkturpaket, das auch durch das Repräsentantenhaus genehmigt werden muss, auf Hochtouren. Das Stimulus-Gesetz sieht Direktzahlungen an erwachsene Amerikaner in der Höhe von jeweils 1200 Dollar vor.

Für jedes Kind soll es zudem für die Eltern einen Zustupf von jeweils 500 Dollar geben. Diese Direkthilfen sind ans versteuerte Einkommen gekoppelt und sollen einen gewissen Grenzbetrag nicht überschreiten.

Auch will die Bundesregierung besonders stark betroffene Branchen finanziell unterstützen. Allein: Die 1000 Milliarden Dollar, die für das Konjunkturpaket reserviert sind, werden vorne und hinten nicht ausreichen, falls die amerikanische Wirtschaft noch wochenlang stillstehen wird.

So spricht zum Beispiel die Gastronomie bereits von einem aktuellen Loch in Höhe von 145 Milliarden Dollar. Die Hotel-Industrie sagt, sie benötige frische Mittel im Umfang von 150 Milliarden Dollar. Die Luftfahrtindustrie, die in einem grossen Land wie Amerika systemrelevant ist, beziffert den Geldbedarf auf gegen 60 Milliarden Dollar.

Einen Teil dieser Mittel sollen ausgerechnet dem Flugzeugbauer Boeing zukommen, dem angesichts der Krise das Geld ausgehen könnte – auch weil das Unternehmen aufgrund der Fehler im Zusammenhang mit der Lancierung des Flugzeugtyps Boeing 737 Max bereits angeschlagen war.

Kritik am Kurs der Regierung

Angesichts solcher Zahlen machen sich in Wirtschaftskreisen erste Zweifel über das Vorgehen der öffentlichen Hand breit. Linke und rechte Politiker sagen, dass die Zahlungen nicht ausreichten, um den Zusammenbruch der Wirtschaft zu verhindern – unter dem letztlich zuerst minderbemittelte Amerikaner leiden würden.

So schrieb die Wirtschaftszeitung «The Wall Street Journal» in einem Meinungsartikel: Keine Gesellschaft könne die Volksgesundheit allzu lange auf Kosten der ökonomischen Gesundheit beschützen. Notwendig sei nun eine Kurskorrektur des Weissen Hauses.

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