Osteuropa

Corona? Aber doch nicht in Weissrussland! «Ich sehe keine Viren», sagt der Präsident

Hält Corona für eine «Psychose»: Alexander Lukaschenko.

Hält Corona für eine «Psychose»: Alexander Lukaschenko.

Während Wladimir Putin in Russland eine strenge Ausgangssperre verordnet, wird im Nachbarland Weissrussland munter Fussball gespielt. Präsident Alexander Lukaschenko rät seinen Landsleuten, sich mit Wodka und Feldarbeit zu wappnen.

Er hat den Helm aufgemacht, fuchtelt mit seinen roten Eishockey-Handschuhen. «Hier gibt es keine Viren. Du hast doch gar nicht gemerkt, dass sie hier rumfliegen. Ich sehe auch nichts», sagt der weissrussische Präsident Alexander Lukaschenko in belustigender Form zu einer Journalistin am Rande eines Eishockey-Hobbyturniers in Minsk. Er hat selbst mitgespielt. Warum auch nicht? Denn, so der Despot: «Eissport ist die beste und echteste Anti-Viren-Medizin.»

Während wegen der Coronapandemie überall auf der Welt der Sportbetrieb ruht, hält Weissrussland hartnäckig an seinen wichtigsten nationalen Wettbewerben fest. Während auch die Nachbarstaaten wie die Ukraine Grenzen schliessen und Verkehrsverbindungen einstellen und Russland die Menschen nach und nach in häusliche Quarantäne schicken lässt, geht das Leben im oft vergessenen Staat im Osten Europas weiter wie bisher. In all den Grafiken zur Darstellung der Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus ist Weissrussland ein weisser Fleck. Kindergärten, Schulen, Universitäten sind nicht geschlossen, Cafés, Restaurants, Geschäfte haben ihren Betrieb nicht eingestellt. Den weltweiten Umgang mit der Pandemie hält Lukaschenko, der stets stolz darauf ist, der «letzte Diktator Europas» genannt zu werden, für eine «Psychose» und empfiehlt auch schon einmal, Traktor zu fahren und Feldarbeit zu erledigen. Das habe ebenso eine heilende Wirkung wie der Besuch in einer Banja oder der gemässigte Konsum von Wodka.

Plötzlich schaut vor allem die Sportwelt auf das Land. Internationale Fussballwetten werden abgeschlossen, erstmals interessieren sich auch ausländische Sportsender für Übertragungsrechte.

Immer mehr Patienten mit Lungenentzündung

Offiziell gibt es derzeit gut 150 Infizierte im Land. Getestet werden lediglich die Menschen, die aus dem Ausland zurückkamen und Symptome aufweisen oder nachweislich Kontakt zu einem Infizierten hatten. Weissrussland glaubt, die Lage im Griff zu haben. Menschenrechtler berichten über Spitäler, die wegen Patienten mit Lungenentzündungen überfüllt seien.

Mehr als vor dem Virus hat die politische Führung Angst vor wirtschaftlichem Zusammenbruch. Das Land befand sich bereits vor Corona in der Rezession, der Rubel war im Januar stark in Bedrängnis geraten. Im Sommer hält Belarus Präsidentschaftswahlen ab. Lukaschenko will seine nun mehr 26-jährige Regentschaft weiter fortsetzen.

Meistgesehen

Artboard 1