Hell wie die Sonne erstrahlt das Symbol der Arbeiterpartei – Hammer, Pinsel und Sichel. Soldaten, Arbeiter, Bäuerinnen und Intellektuelle streben voran, in eine glückliche Zukunft. «Konferenz der Parteidelegierten, mit grosser politischer Begeisterung und bewundernswerten Arbeitsergebnissen!» verkünden die Schriftzeichen auf den Plakaten, die Nordkoreas Hauptstadt auf ein «historisches» Ereignis einstimmen: Zum ersten Mal seit 44 Jahren versammeln sich heute in Pjöngjang wieder Abgeordnete der Kommunistischen Partei zu einer ausserordentlichen Konferenz.

Es wird erwartet, dass der kränkelnde Führer Nordkoreas, Kim Jong Il, die Mannschaft vorstellen will, mit der er das politisch abgeschottete und wirtschaftlich marode Land in den nächsten Jahren weiterführen will. Als unübertroffener Meister der Geheimniskrämerei hat er bis zuletzt die Nordkoreaner im Dunkeln gelassen, ob und wie er seinen dritten Sohn Jong Un offiziell als Nachfolger präsentiert. Damit würde die Familien-Dynastie in der dritten Generation fortgesetzt werden.

Junior soll in der Schweiz zur Schule gegangen sein

Nur so viel drang bis gestern nach aussen: Der etwa 27-jährige Junior, der in der Schweiz zur Schule gegangen sein soll, wird als Delegierter auf der Parteikonferenz dabei sein. In Liedern, die Schüler bereits in Pjöngjang singen, werden seine Fähigkeiten und sein Charakter gepriesen. Allerdings: Chinas Regierungschef Wen Jiabao hat Spekulationen über eine Kim-Erbfolge kürzlich im Gespräch mit dem amerikanischen Ex-Präsidenten Jimmy Carter als «falsche Gerüchte des Westens» zurückgewiesen. Dabei bezog er sich auf ein Gespräch mit Kim Jong Il.

Viele langjährige Beobachter Nordkoreas glauben denn auch, dass der Junior vorerst kaum mehr als eine symbolische Rolle spielen wird. Die Macht dürfte weiter bei den Militärs und den älteren Mitgliedern des Kim-Clans bleiben.

Nach Beobachtungen eines südkoreanischen Experten, der den Norden seit vielen Jahren immer wieder bereist, interessierten sich die Bewohner des Landes wenig für das neue Regierungspersonal. Sie erwarteten stattdessen «eine Entscheidung für echte Wirtschaftsreformen, die ihr Leben leichter machen». Nach den fehlgeschlagenen Versuchen von Hardlinern im Militär im vergangenen Winter, den privaten Handel einzuschränken, und nach der missglückten Währungsreform seien viele Nordkoreaner nicht mehr bereit, so weiterzumachen wie bisher, heisst es in Pjöngjang. Sie wünschten sich eine wirtschaftliche Öffnung nach dem chinesischen Vorbild.

Wirtschaftskooperation mit China

«Die Erwartungen sind gross», sagt der Experte. Sie seien nicht zuletzt dadurch beflügelt worden, dass Kim Jong Il in diesem Jahr gleich zweimal nach China gereist ist, wo er sich auch Industriebetriebe angeschaut hat. In seinen Gesprächen mit dem chinesischen Staats- und KP-Chef Hu Jintao und anderen Funktionären sei es immer wieder darum gegangen, wie Pekings Politiker und Manager den Nordkoreanern mit Investitionen und Know-how beistehen können.

Dafür müsste auch die Arbeiterpartei gestärkt werden, die bislang nach dem Militär die zweite Geige spielt. China ist inzwischen mit rund 55 Prozent aller Waren wichtigster Handelspartner Nordkoreas. «Früher kamen die chinesischen Kleinhändler, jetzt geben sich die Manager der grossen Staatsbetriebe in Nordkorea die Klinke in die Hand», berichtet ein europäischer Diplomat in Peking.

Geplant sind gemeinsame Industriezonen und Häfen, etwa im nordkoreanischen Rajin, wo mit chinesischer Hilfe derzeit ein neuer Pier gebaut wird. Für Pjöngjang sind die guten Beziehungen mit Peking – und die chinesischen Wirtschaftshilfen – lebenswichtig, da Kim seinen Untertanen versprochen hat, dass die Notzeiten bis 2012 zu Ende sind.

Parade mit zehntausend Soldaten

Im ganzen Land sind Parolen zu sehen, die eine bessere Zukunft versprechen. «Überall in Pjöngjang werden die Häuser verschönt, und überall wird für die grosse Parade zum 65. Jahrestag der Partei im Oktober geübt», berichtet der Besucher. Nach Informationen aus Südkorea bereiten Kim und seine Militärs die grösste Parade der letzten Jahre in Pjöngjang vor, mit über zehntausend Soldaten.